Herzattacke

Heftiger Brustschmerz wird bei einer Lokalisation im unteren linken und mittleren Brustkorb oft landläufig als Herzattacke bezeichnet. Als Auslöser kommen jedoch außer dem Herzen jedoch auch andere Ursachen in Betracht.

Dringlichkeit

Folgende Überlegungen helfen, die Dringlichkeit eines solchen Schmerzes einzuschätzen. Die meisten der Kriterien deuten auf ein akutes Koronarsyndrom bzw. auf einen Herzinfarkt hin.

  • Schmerzstärke: Wie heftig? Besonders heftige Schmerzen mit Angstgefühlen sprechen für einen möglicherweise ernsthaften Prozess, der rasch abgeklärt werden muss.
    • Schmerzstärke unter körperlicher Belastung? Steigt sie an, kommt das Herz als Ursache in den Vordergrund.
  • Luftnot dabei? Luftnot kommt bei einer Herzattacke mit Lungenstauung vor. Ein Herzinfarkt ist möglich.
  • Dauer: länger als 5 – 10 Minuten? Eine Angina pectoris ist eher unwahrscheinlich; es kann sich bereits um einen Herzinfarkt handeln.
  • Vernichtungsgefühl? Kollapsgefühl? Wenn ja, höchste Dringlichkeit: ein Herzinfarkt ist wahrscheinlich.

Bereits eines der obigen Kriterien sollte dazu führen, rasch eine ärztliche Hilfe anzufordern.

Symptome einer Herzattacke

Als Ursache einer Herzattacke sollte immer ein akutes Koronarsyndrom bzw. ein Herzinfarkt in Erwägung gezogen werden. Im Amerikanischen wird daher „Heart attack“ gleichbedeutend mit Herzinfarkt gebraucht.

Steht die Diagnose Herzinfarkt im Vordergrund, sollte auch auf andere Zeichen geachtet werden: Rückenschmerzen im Brustbereich, Schulterschmerzen links, Atemnot, Unregelmäßigkeit des Herzschlags (Arrhythmie), ggf. Herzrasen, Übelkeit und Brechreiz, kalter Schweiß und Kollapsgefühl. Brechreiz und kalter Schweiß sind Zeichen einer heftigen vegetativen Mitreaktion und eines Kreislaufschocks.

Andere Ursachen

Die Selbstdiagnose Herzattacke ist gelegentlich falsch. Folgende Krankheiten können eine Herzattacke imitieren:

  • Refluxkrankheit: Bei oft als brennend empfundenem Reflux von Mageninhalt in die Speiseröhre ist der Schmerz im mittleren Brustkorb in der Tiefe hinter dem Brustbein lokalisiert und stammt von der Speiseröhre. Er ist durch Reflux von Magensaft in die Speiseröhre bedingt. Es gibt keine Ausstrahlung in die linke Schulter, den linken Arm oder den Hals, wie oft bei der Herzattacke. Der Schmerz ist nicht abhängig von körperlicher Anstrengung und er geht nicht mit einem Kollaps- oder Vernichtungsgefühl einher. Dagegen ist er oft lageabhängig und tritt im Liegen, in gebückter Stellung oder beim Heben schwerer Lasten auf.
  • Verletzung oder Entzündung an der Brustwand: eine Weichteilschwellung oder ein Rippenbruch können erhebliche Schmerzen bereiten, die je nach Lokalisation auch dem Herzen zugerechnet werden können. In der Regel kann in der jüngeren Vergangenheit ein entsprechendes auslösendes Ereignis erinnert werden, z. B. ein Sturz oder Unfall.
  • Nervenreizung der Zwischenrippennerven: Die „Interkostalneuralgie“ ist ein Nervenschmerz, der je nach betroffenem Nerv vor das Herz lokalisiert wird. Seine Ursache ist nicht immer eindeutig eruierbar. Er kann zustand kommen durch eine Nervenentzündung, z. B. im Rahmen einer Gürtelrose (Herpes zoster), oder durch Weichteildruck auf den Nerven in seinem Verlauf oder durch Verengung der Nervenaustrittsstellen zwischen den Wirbeln (wo die Nerven dem Rückenmark entspringen). Der Herpes zoster demaskiert sich durch die typischen Hautbläschen. Die Schmerzstärke einer Interkostalneuralgie ist nicht abhängig von körperlicher Belastung.
  • Knochenprozess: ein Rippenbruch oder ein Knochenmetastase können heftigste Schmerzen auslösen, die je nach Bewegung auch attackenartig erscheinen. Die klinische Untersuchung mit Abtasten und das Röntgenbild ergeben Gewissheit über die Zuordnung.
  • Verdauungsprobleme: gefangener Darminhalt (auch Darmgase) vor der linken Kolonflexur kann zu krampfartigen oder piekenden Schmerzen auch in der Herzgegend führen (siehe auch unter versetzte Winde).
  • Tietze-Syndrom: hierbei handelt es sich um eine Entzündung des Rippenknorpels am Ansatz zum Brustbein, die sehr schmerzhaft sein kann. Oft wird diese Diagnose übersehen. Der Verlauf der Schmerzen entspricht nicht der einer Herzattacke.
  • Mastopathie: die lokale Schmerzhaftigkeit der weiblichen Brust kann von der betroffenen Frau fehlgedeutet werden und bei der Differenzialdiagnose der Herzattacke übersehen werden, wenn man nicht daran denkt. Das Abtasten der Brust ergibt jedoch Gewissheit über die Zuordnung der Brustschmerzen. Der Verlauf der Schmerzen entspricht nicht der einer Herzattacke.

Verweise

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