Flecainid

Flecainid (Tambocor®) ist ein Klasse 1C-Antiarrhythmikum, das bei schweren, sonst kaum beherrschbaren Herzrhythmusstörungen in Betracht gezogen werden kann, wenn keine Kontraindikationen vorliegen.


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Wirkungsweise

Wie alle Klasse-I-Antiarrhythmika wirkt Flecainid (ähnlich wie Lokalanästhetika) über eine Blockade der Natriumkanäle der Herzmuskelzellen zu Beginn des Aktionspotentials, was zu einer Erhöhung der Depolarisationsschwelle, Verlangsamung der Reizweiterleitung und Verlängerung der Refraktärzeit bis zur neuerlichen Erregbarkeit führt. Die Überleitungszeit von den Vorhöfen zu den Kammern verlängert sich. Die Reizschwelle für Extrasystolen steigt.

Pharmakokinetik

Die Resorption von Flecainid nach oraler Gabe ist rasch. Die Bioverfügbarkeit ist hoch, die Halbwertszeit im Blut beträgt etwa 20 Stunden.

Flecanid wird in der Leber über das Cytochrom CYP2D6 zu m-O-dealkyliertes Flecainid (MODF) abgebaut (siehe auch Medikamentenstoffwechsel). Die Ausscheidung erfolgt über die Nieren.

Indikationen

Mögliche Indikationen von Flecainid bei Herzrhythmusstörungen ohne strukturelle Herzerkrankung sind besonders schwere Herzrhythmusstörungen, wie z. B.

Mögliche Indikation: Fetale supraventrikuläre Tachykardie

Eine mögliche neue Indikation für Flecainid stellt die fetale supraventrikuläre Tachykardie dar: In einer Studie an 33 Feten zwischen der 20. und 38 Schwangerschaftswoche mit Herzfrequenzen von 207 bis 316/Minute bewirkte Flecainid nach Verabreichung der Mutter eine Konversion beim Fetus in 25 Fällen innerhalb von durchschnittlich 3 Tagen (2 – 12 Tage). Kein Kind starb unter der Flecainid-Behandlung [1].

Kontraindikationen

In einer Postinfarktstudie [2] wurde eine erhöhte Mortalität festgestellt, so dass Menschen mit koronarer Herzkrankheit nicht mit Flecainid behandelt werden. Bei Niereninsuffizienz verlängert sich die Wirkungsdauer. Reizleitungsstörungen (auch av-Block 1. Grades) können sich verstärken. Eine Herzinsuffizienz kann sich verstärken. Es wurde eine geringe proarrhythmogene Wirkung festgestellt, so Bradykardie-abhängige Torsade de pointes [3].

Insgesamt wird jedoch Flecainid nach über 25-jähriger Erfahrung bei einer geringen Nebenwirkungsrate (Schwindel, leichte Sehstörungen) eine gute Sicherheit attestiert [4][5].

Verweise

Literatur

  1. ? Heart Rhythm. 2014 Nov;11(11):2047-53
  2. ? N Engl J Med. 1991 Mar 21;324(12):781-8
  3. ? Pacing Clin Electrophysiol. 2013 Mar;36(3):e84-6
  4. ? Europace. 2011 Feb;13(2):161-73
  5. ? Drug Saf. 2012 Apr 1;35(4):273-89