Drop Attack

Als „Drop Attack“ (etwa: Sturzanfall) wird ein plötzlicher Sturz durch vollständiges und nur kurz dauerndes Versagen der Beine ohne Bewusstseinsverlust bezeichnet. Die Diagnostik hat eine hohe Dringlichkeit, da ein Drop Attack ein erhöhtes Risiko für Synkopen (plötzlich auftretende Bewusstlosigkeiten) und eine erhöhte Letalität darstellt.


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Ursachen

Als Ursache plötzlicher Stürze durch Versagen der Beine ohne Bewusstseinsverlust kommen mehrere Differenzialdiagnosen in Frage:

  • eine „Basilarisinsuffizienz“ gehört wohl zu den häufigeren Ursachen. Sie prädestiniert zu akuten Durchblutungsstörungen des Hirnstamms und des Mittelhirns. Erhöhte Blutdruckwerte fördern die Entwicklung der Verengungen und damit der Bereitschaft zum Drop-Attack.
  • eine gestörte Autoregulation im vegetativen Nervensystem (Vagus und Sympathikus), die sich laut einer Hypothese bei älteren Menschen auch als hypersensitiver Carotis-Sinus-Reflex (CSH) manifestieren kann [1].
  • eine vestibuläre Hypersensitivität sekundär bei einem Morbus Meniere (Anfälle von Drehschwindel mit Übelkeit und Erbrechen, Tinnitus und einseitigem Hörverlust). Die Drop-Attacks gehen wahrscheinlich auf eine instabile Otholithenfunktion zurück. [2]
  • eine Fallneigung im Rahmen einer milden Form einer Epilepsie. Die Diagnose einer Epilepsie-ähnlichen Synkope ist schwierig, da einerseits kardiale Anfälle zu epilepsieartigen Zuckungen führen können, und andererseits kardiale Ereignisse (laut einem veröffentlichten Fall) auch zu Überleitungsstörungen des Herzens veranlassen können. [3]

Diagnostik

Diagnostisch werden in der Regel folgende Untersuchungen durchgeführt:

  • Doppler- bzw. Duplexuntersuchung der großen hirnzuführenden Arterien (Aa. Carotis) auf arteriosklerotische Plaques, die für einen Schlaganfall prädisponieren,
  • bildgebende Diagnostik des Gehirns (vor allem des Mittelhirns und Hirnstamms), zur Erkennung eventueller frischer oder alter kleiner Hirninfarkte im Mittelhirn- und Stammhirnbereich. Geeignet dafür sind eine Computertomographie (CCT) und Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns, die auch die Blutgefäßversorgung erkennen lassen.
  • EKG und Langzeit-EKG: zum Ausschluss von Herzrhythmusstörungen, so auch von Vorhofflimmern (wegen der Möglichkeit kleinster von dort ins Gehirn ziehender Blutgerinnsel),
  • Herzecho: zur Überprüfung eines offenen Foramen ovale (wegen der Möglichkeit gekreuzter Embolien) sowie ,
  • Langzeit-Blutdruckmessung: zum Ausschluss hypertoner Krisen,
  • Gerinnungswerten: zum Ausschluss einer überschießenden Gerinnbarkeit (Hyperkoagulabilität),

Differenzialdiagnostisch müssen durch den Neurologen epileptiforme Anfälle und durch den HNO-Arzt vestibuläre Störungen ausgeschlossen werden.

Prognostische Bedeutung

Wenn eine Basilarisinsuffizienz bzw. verengte Arterien (Aa. perforantes) als Ursache eines Drop-Attack anzunehmen sind, so können im weiteren Verlauf Mikroinfarkte des Mittelhirns und Hirnstamms auftreten, die je nach Lage unterschiedlichste Symptome (von Sehstörungen bis zu Störungen der vegetativen Funktionen, wie Kreislauf, Atmung und Temperaturregulation) hervorrufen können. Daher ist eine Prophylaxe indiziert.

Therapie und Prophylaxe

Wenn mikrovaskuläre Störungen als Ursache anzunehmen sind, kommt eine prophylaktische Gerinnungshemmung durch Thrombozytenaggregationshemmer in Betracht, zudem eine Behandlung mit CSE-Hemmern (z. B. Simvastatin), deren antientzündliche Wirkkomponente ausgenutzt wird. Ein evtl. erhöhter Blutdruck sollte durch geeignete Antihypertensiva (Blutdruck senkende Medikamente) in Normbereiche geführt werden.

Wenn eine Innenohrproblematik vorliegt, so sind Therapie und Prophylaxe schwierig und oft nicht erfolgreich. Eine Behandlung mit Glycerol hat in Einzelfällen zu einer Besserung geführt [4] .

Wenn eine epileptiforme Symptomatik vorliegt, so sind Antiepileptika zu diskutieren.

Verweise

Literatur

  1. ? J Am Heart Assoc. 2014 Jun 19;3(3):e000514. doi: 10.1161/JAHA.113.000514
  2. ? Acta Otolaryngol. 2008 Aug;128(8):887-91
  3. ? Glob Cardiol Sci Pract. 2014 Jun 18;2014(2):1-8
  4. ? Acta Otolaryngol. 2008 Aug;128(8):887-91. doi: 10.1080/00016480701767390