Szintigraphie der Leber

Artikel aktualisiert am 25. September 2023

Die Szintigraphie der Leber ist eine diagnostische Methode zur Differenzierung von Lebergewebe mit gestörter Gallebildung. Häufigste Indikation sind Lebertumore, seltene sind die Unterscheidung spezieller angeborener Stoffwechselstörungen von gallepflichtigen Verbindungen.

Methode


Die Leberperfusionsszintigraphie erfolgt meist mit 99mTc-HIDA. Die Substanz wird von normalem Lebergewebe aufgenommen und biliär (in die Galle) ausgeschieden.

Hepatobiliäre Sequenzszintigraphie

Die Leberszintigraphie ist i. d. R. eine „hepatobiliäre Sequenzszintigraphie“. Sie erlaubt Aussagen zur Kinetik der Gallebildung und der biliären Ausscheidung. Dazu wird eine radioaktiv markierte Substanz in die Vene injiziert, die rasch von der Leber aufgenommen und in die Galle ausgeschieden wird (99mTc-HIDA oder Technetium-99m Mebrofenin). Der Aufnahme- und Ausscheidungsprozess wird durch Messung der Radioaktivität über der Leber und den Gallenwegen verfolgt. Es ergibt sich eine Bildabfolge, die den Aufnahme- und Ausscheidungsprozess über der gesamten Leber, über Tumoranteilen in ihr und über den extrahepatischen Gallenwegen wiedergibt. (1)Nucl Med Commun. 2019 Apr;40(4):297-307. doi: 10.1097/MNM.0000000000000973

Indikationen und Aussagefähigkeit

Wenn ein umschriebener Bezirk der Leber die Tracersubstanz (99mTc-HIDA) nicht aufnimmt, so liegen hier keine funktionsfähigen Leberzellen (Hepatozyten) vor (Beispiel: Tumormetastasen).

Wenn die Leber die Tracersubstanz zwar aufnimmt, aber nicht in die Galle ausscheidet, kann dies durch fehlende Darstellung der Gallenwege und der Gallenblase erkannt werden (Beispiel Dubin-Johnson-Syndrom, s.u.).

Unterscheidung von Leberadenom und fokaler nodulärer Hyperplasie (FNH). In der Tabelle HIDA-Aktivitätsanreicherung der Tumore im Vergleich zu normalem Lebergewebe.

Adenom FNH
Frühphase gleich oder geringer deutlich stärker
Parenchymphase geringer gleich
Spätphase stärker stärker

 

Unterscheidung von Dubin-Johnson-Syndrom– und Rotor-Syndrom (sehr seltene Indikation)

  • beim Dubin-Johnson-Syndrom Anfärbung der Leber durch HIDA ohne Anfärbung der Gallenwege,
  • beim Rotor-Syndrom fehlende Anfärbung der Leber.

Diagnostik der Gallenwege: Nach etwa 30 Minuten beginnt sich die Gallenblase anzufärben. Ihre Funktion lässt sich durch Ceruletid, welches medikamentös eine Kontraktion auslöst, überprüfen. Eine Leckage des Gallengangs (nach einer Operation) lässt sich erkennen.

Abschätzung der Leberfunktion: Die Abschätzung der Restfunktion einer Leber nach partieller Hepatektomie (Leberteilresektion) durch Leberszintigraphie hat sich bewährt. Die Methode eignet sich auch zur Überprüfung der Funktion einer Transplantatleber. (2)Transplant Proc. 2019 Jan-Feb;51(1):167-170. doi: 10.1016/j.transproceed.2018.04.087 Die Einbeziehung der Methode bei einer Transplantationsvorbereitung hat zu einer Verringerung der postoperativen leberbedingten Mortalität geführt. (3)Diagnostics (Basel). 2023 Aug 22;13(17):2726. doi: 10.3390/diagnostics13172726

MRT-basierte Alternative

Die 99mTc-Mebrofenin hepatobiliäre Szintigraphie (HBS) ist bezüglich der Abschätzung der Restfunktion der Leber nach Teilresektion wertvoll geworden. Inzwischen wurde eine MRT-basierte Methode mit praktisch gleicher Aussagekraft entwickelt (dynamische Gadoxetat-verstärkte MRT). (4)Eur Radiol 2019 Sep;29(9):5063-5072 DOI: 10.1007/s00330-019-06029-7


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Verweise


Autor: Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (s. Impressum)


 

Literatur[+]