Restless-Legs-Syndrom

Restless Legs sind eine Erkrankung des zentralen Nervensystems. Sie wird als ein Komplex von Symptomen aufgefasst (restless-legs-Syndrom, Akronym RLS) und ist durch unwillkürliche Beinbewegungen der Beine in Ruhe und im Schlaf charakterisiert und schränkt die Lebensqualität erheblich ein. Es sollen 5-10% der Bevölkerung betroffen sein.


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Entstehung

Restless Legs bedeutet unruhige Beine. Das RLS kann verschiedene Ursachen haben. Am häufigsten ist eine Funtionsstörung des zentralen Nervensystems (ZNS). Seltener sind eine paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie (PNH) oder chronische Schmerzen der Beine, z. B. bei einer hochgradigen peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) die Ursache.

RLS als Erkrankung des ZNS: Dies ist keine Erkrankung der Beine selbst, sondern meist eine neurologische Erkrankung mit einer Verwandtschaft zum Morbus Parkinson. Es besteht eine dopaminerge Dysfunktion: beide, das RLS und der Parkinson, reagieren positiv auf dopaminerge Medikamente.

Offenbar besteht eine genetische Grundlage. Eine Prädisposition besteht bei Trägern einer Genvariante auf Chromosom 6 [1]. In bestimmten Hirnabschnitten liegt ein Mangel an Dopamin vor.

Zudem finden sich eine Reihe weiterer biochemischer Auffälligkeiten. So ist das RLS mit einem Eisenmangel im Zentralnervensystem und mit einem veränderten Endorphin-Spiegel assoziiert [2].

Eine interessante Hypothese beruht auf dem Befund einer Assoziation der Symptomatik mit einer bakteriellen Überwucherung des Dünndarms und dem Reizdarmsyndrom [3][4][5], so dass gemeinsame pathogenetische Schritte zu vermuten sind.

Zur PNH als Ursache siehe hier.

Zur pAVK als Ursache siehe hier.

Symptomatik

Abendliche und nächtliche Unruhe der Beine durch periodisch auftretenden Drang, die Beine zu bewegen; unwillkürliche, oft gleichförmige Bewegungen. Es wird manchmal ein in der Tiefe der Beine empfundenes Gefühl der Schwere und undefinierbarer Schmerzen beschrieben. Beginn der eigenartigen Missempfindungen in den Waden und Oberschenkeln, selten auch in den Armen und der Rückenmuskulatur. Dadurch bedingte Schlafstörungen sind oft der Grund für eine erste Arztkonsultation. Besserung der Beschwerden durch Bewegung (i. G. zu Beschwerden aus anderen Gründen). Ablenkung kann die Symptome mildern. In vielen Fällen ist die Krankheit nur schwach ausgeprägt. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer.

Diagnosestellung

Die Diagnose wird durch die Anamnese nahe gelegt. Unter den Laborwerten kann Ferritin erniedrigt sein.

Differenzialdiagnosen

Neuropathien, Muskelerkrankungen, Knochenerkrankungen, Erkrankungen des Gehirns

Therapie

Im Vordergrund steht die Behandlung der Schlafstörungen, eine Kombination von Levodopa und Dopaminagonisten (wie Pramipexol [6] oder Ropinirol [7][8]) scheint günstig zu sein. Dopaminerge Medikamente führen jedoch langfristig zur Gewöhnung und können schließlich wirkungslos werden.

Eigentliche Schlafmittel sind mit Vorsicht zu betrachten. Entspannungsübungen wirken eher verschlechternd. Einige Tipps: Vermeidung von Nikotin und Alkohol, vor der Nacht geistige Ablenkung (Kreuzworträtsel etc.), ggf. nützen auch heiße oder kalte Fußduschen oder Einreibungen. Unbedingt auf Schlafhygiene achten (immer zur gleichen Zeit ins Bett gehen, immer wiederkehrende Handlungen zur Einschlafförderung).

Neue Entwicklungen

Eine dopaminerge Therapie verbessert die Symptome des Restless-Legs-Syndrom. Eine doppelblinde placebo-kontrollierte Studie mit Pregabalin (Lyrica®), einem Medikament zur Therapie von epileptischen Anfällen, neuropathischen Schmerzen und Angststörungen, zeigte signifikante positive Effekte auf die Symptomatik der Restless Legs; als Nebenwirkungen waren Schläfrigkeit und Konzentrationsschwäche beobachtet worden [9]. Eine weitere Studie zeigt, dass Pregabalin (300 mg) einen signifikant besseren Effekt auf den Verlauf der Symptomatik hat und einer Verschlechterung der Symptomatik besser entgegengewirken kann als 0.5 mg Pramipexol (Dopaminantagonist, s. o., wird verwendet in der Behandlung des Morbus Parkinson und beim Restless-Legs-Syndrom) [10].

Gabapentin ist ein Medikament aus derselben Gruppe wie Pregabalin. Es wirkt ebenfalls günstig auf das RLS [11]. Gabapentin enacarbil (GEn) wird im Vergleich zu Gabapentin enteral besser resorbiert und wirkt länger. Es übt einen positiven Effekt auf das RLS aus und kommt als neue Therapieoption in Frage [12].

Da eine Assoziation der RLS mit einer bakteriellen Überwucherung des Dünndarms und dem Reizdarmsyndrom besteht, kann möglicherweise eine antibiotische Therapie mit Rifaximin zu einer Besserung führen [13]. Studien dazu stehen aus.

Verweise

Literatur

  1. ? NEJM 2007; 357: 639-647
  2. ? Postgrad Med J. 2013 Jul;89(1053):402-10)
  3. ? World J Gastroenterol. 2011 Oct 21;17(39):4404-7
  4. ? Sleep Med. 2011 Jun;12(6):610-3
  5. ? J Neurogastroenterol Motil. 2012 Oct;18(4):426-33
  6. ? Sleep Med. 2008 Jan 26 [Epub ahead of print]
  7. ? Mayo Clin Proc. 2006 Jan;81(1):17-27
  8. ? Sleep Med. 2007 Nov;8(7-8):742-52
  9. ? Neurology. 2010 Jun 8;74(23):1897-904
  10. ? N Engl J Med. 2014 Feb 13;370(7):621-31
  11. ? Ren Fail. 2004 Jul;26(4):393-7
  12. ? Lal R et al. Clin Neuropharmacol. 2012 Jun 1. [Epub ahead of print]
  13. ? World J Gastroenterol. 2011 October 21; 17(39): 4404–4407.