Lamivudin

Lamivudin (Epivir®, Zeffix®) ist ein Nucleosidanalogon des Cytidins zur Behandlung der chronischen Hepatitis B und der HIV-Infektion. Es hemmt die reverse Transscriptase und damit die Replikation von DNA-Viren. Für die Behandlung der HIV-Infektion wird Lamivudin meist mit anderen Virustatika kombiniert (HAART: Highly Active Anti-Retroviral Therapy).


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Wirkdauer

Lamivudin wird nach oraler Aufnahme fast vollständig (>80%) in den Körper aufgenommen und mit einer Halbwertszeit von ca. 6 Stunden über die Nieren ausgeschieden. Bei einer Niereninsuffizienz ist die Wirkdauer entsprechend verlängert, was bei der Dosierung berücksichtigt werden muss.

Verträglichkeit

Lamivudin wird im allgemeinen gut vertragen. Es können jedoch auch eine Reihe von Nebenwirkungen auftreten wie Völlegefühl, Übelkeit, Durchfall, Kopfschmerzen und neuropathische Beschwerden auftreten. Eine schwerwiegende, aber sehr seltene Komplikation stellt die Laktatazidose dar, bei der eine durch Stoffwechselentgleisung eine vermehrte Bildung von Milchsäure entsteht; sie macht sich durch Hyperventilation, Unruhe, Verwirrtheit und schließlich Bewusstseinseintrübung bemerkbar. Nebenwirkungen nach Einnahme von Lamivudin sollten bei meist umfangreicher Begleitmedikation auch bezüglich anderer Medikamente eruiert werden.

Resistenzentwicklung gegen Lamivudin

Ein großes Problem bei der Behandlung mit Lamivudin in der Praxis ist die virale Resistenzentwicklung mit zunehmender Behandlungsdauer. Sie tritt insbesondere bei einer Monotherapie auf, kommt aber zunehmend auch bei einer Kombinationstherapie mit verschiedenen antiviralen Prinzipien vor. 1)AIDS. 2010 Apr 24;24(7):1013-8 2)Hepatol Int. 2008 Dec;2(4):440-56 Die Untersuchung der Ursachen zeigt Mutationen im Genom der Viren auf. So sind beispielsweise bei der HIV-Infektion inzwischen mehr als 40 Mutationen der reversen Transscriptase bekannt, die mit Resistenz gegen Virustatika assoziiert sind 3)AIDS Rev. 2008 Apr-Jun;10(2):67-84. Bei der chronischen Hepatitis B, die durch den Genotyp A hervorgerufen wird, finden sich bei Resistenzen gegen Lamivudin gehäuft die rtM204V-Mutation 4)J Hepatol. 2009 Mar;50(3):461-70 und bei der, die durch die Genotypen A, B oder C hervorgerufen wird, gehäuft die rtL180M-Mutation im viralen Genom 5)J Med Virol. 2010 Nov;82(11):1850-8.

Die Gefahr der Resistenzbildung veranlasst auch bei der chronischen Hepatitis B zu Überlegungen bezüglich einer Kombinationstherapie verschiedener Nucleosid/Nucleotid-Analoga, so wie sie bei der HIV-Therapie durch HAART seit vielen Jahren gängig ist 6)Ann Pharmacother. 2010 Jul-Aug;44(7-8):1271-86.

Kombinationen für die Behandlung einer Hepatitis B

Die chronische Hepatitis B wird meist zunächst mit Lamivudin als Monotherapie behandelt. Bei Nachlassen der Wirkung durch Resistenzentwicklung kommen Kombination von Lamivudin mit einem zweiten Therapieprinzip in Betracht. Eine Vergleichsstudie zeigt jedoch, dass Entecavir als Monotherapie dabei deutlich effektiver ist als die Kombination von Lamivudin mit Adefovir. 7)Arab J Gastroenterol. 2014 Mar;15(1):1-5. doi: 10.1016/j.ajg.2014.01.003. Epub 2014 Feb 4. PMID: … Continue reading Auch die Kombination von Telbivudin und Adefovir ist wirksamer. 8)World J Gastroenterol. 2013;19(43):7671-9. doi: 10.3748/wjg.v19.i43.7671. PMID: 24431895; PMCID: … Continue reading

Kombinationen für die Behandlung einer HIV-Infektion

Die Kombination von Abacavir, Dolutegravir und Lamivudin (Triumeq®) hat sich zur Anfangs- und Dauertherapie der HIV-Infektion als effektiv erwiesen 9)Drugs. 2015 Apr;75(5):503-14. DOI: 10.1007/s40265-015-0361-6. Erratum in: Drugs. 2015 … Continue reading, ebenso die Kombination von Dolutegravir und Lamivudin, die als Einzeltablette verabreicht werden kann (Dovato®) 10)Drugs. 2020 Jan;80(1):61-72. DOI: 10.1007/s40265-019-01247-1. PMID: 31865558..

Lamivudin bei Kindern

Die Monotherapie von Lamivudin bei Kindern mit chronischer Hepatitis B war in eine Studie als effektiv eingeschätz worden. Wesentliche Auswirkungen auf Wachstum (Größe und Gewicht) sind nicht festgestellt worden. 11)Virol J. 2019 Jul 4;16(1):88. doi: 10.1186/s12985-019-1193-x. PMID: 31272463; PMCID: PMC6610965.

Verweise

 


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Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 

 

 


Literatur

Literatur
1 AIDS. 2010 Apr 24;24(7):1013-8
2 Hepatol Int. 2008 Dec;2(4):440-56
3 AIDS Rev. 2008 Apr-Jun;10(2):67-84
4 J Hepatol. 2009 Mar;50(3):461-70
5 J Med Virol. 2010 Nov;82(11):1850-8
6 Ann Pharmacother. 2010 Jul-Aug;44(7-8):1271-86
7 Arab J Gastroenterol. 2014 Mar;15(1):1-5. doi: 10.1016/j.ajg.2014.01.003. Epub 2014 Feb 4. PMID: 24630505.
8 World J Gastroenterol. 2013;19(43):7671-9. doi: 10.3748/wjg.v19.i43.7671. PMID: 24431895; PMCID: PMC3837266.
9 Drugs. 2015 Apr;75(5):503-14. DOI: 10.1007/s40265-015-0361-6. Erratum in: Drugs. 2015 Apr;75(5):561. PMID: 25698454.
10 Drugs. 2020 Jan;80(1):61-72. DOI: 10.1007/s40265-019-01247-1. PMID: 31865558.
11 Virol J. 2019 Jul 4;16(1):88. doi: 10.1186/s12985-019-1193-x. PMID: 31272463; PMCID: PMC6610965.