Kaffeegenuss

Kaffeegenuss gehört zu westlicher Kultur. Kaffee gehört mit Alkohol, Nikotin und Süßigkeiten zu den häufig konsumierten Genussmitteln. Er ist ein heißer Aufguss gerösteter und gemahlener Kaffeebohnen, der als anregendes Getränk, als Wachmacher oder als Aufputschmittel geschätzt wird. Die in ihm enthaltene dafür verantwortliche pharmakologisch wirksame Substanz ist Koffein. Ist zwar der Kaffeegeschmack gewünscht, soll aber die aufputschende Wirkung vermieden werden, wird auf teilweise oder weitgehend entkoffeinierten Kaffee zurückgegriffen.

Kaffee enthält eine Vielzahl von Inhaltsstoffen mit biologischen Wirkungen; darunter befinden sich solche mit antioxidativen, antitumorösen und antimutagenen Eigenschaften [1].


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Koffein

Koffein gehört wie auch das als Medikament benutzte Theophyllin zur Gruppe der Methylxanthine. Es wird in manchen Pflanzen, wie dem Kaffeestrauch, dem Teestrauch, der Schlingpflanze Guarana oder der Kolanuss gebildet. Es ist in Kaffee (im Mittel 100 mg/Tasse) sowie in geringerer Menge in Tee und Cola-Getränken, aber auch in Schokolade enthalten und wird manchen sog. Energiegetränken zugesetzt (Aufdruck beachten !). Die pharmazeutische Industrie kombiniert es vielfach mit Schmerzmitteln.

Koffein wird im Dünndarm praktisch vollständig aufgenommen (aus Teeblättern wird es wegen seiner Bindung an Gerbsäuren allerdings schlechter und langsamer absorbiert). Infolge seiner guten Löslichkeit verteilt sich Koffein rasch in alle Körperorgane einschließlich des zentralen Nervensystem (ZNS, Gehirn). Seine Wirkung beginnt nach wenigen Minuten, ist nach 15 – 45 Minuten maximal ausgeprägt und flaut dann langsam mit einer Halbwertszeit von etwa 4 Stunden ab [2].

Nahm man früher an, dass die Wirkung von Koffein über eine direkte Hemmung der Phosphodiesterase und damit Anstieg des second messengers cycloAMP erfolgt, geht man heute davon aus, dass seine Hauptwirkung unter in-vivo Plasma- und Gewebskonzentrationen von 1 – 10 ?M über einen Antagonismus zum körpereigenen Adenosin vermittelt wird. Indem es diesen Botenstoff im ZNS hemmt, steigert es die geistige Leistungsfähigkeit wie Aufmerksamkeit und Konzentration und fördert das Wohlbefinden [3]. Bei Koffein-empfindlichen Menschen können allerdings bereits geringe Mengen von Koffein (z.B. eine Tasse Kaffee) zu Unruhe und sogar Angstzuständen führen [4]. Die tödliche Dosis von Koffein liegt bei 10 g, also etwa 100 Tassen Kaffee![5]

Zu den weiteren Wirkungen – ebenfalls als Gegenspieler des Adenosins – gehört eine Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit und Ausdauer. Koffein gilt nicht als Dopingmittel, steht allerdings unter Beobachtung[6].

Diterpene

Zu den Lipiden im Kaffee gehören die Diterpene Cafestol und Kahweol[7][8]. Sie gehen nur in geringer Menge in den Kaffeeaufguss über und finden sich in höchster Konzentration im aufgebrühten, ungefilterten Getränk (sog. skandinavischer Aufguss)[9]. Deutlicher als Kahweol steigert Cafestol den Cholesterinspiegel im Blut[10]. Papierfilter halten die Diterpene zurück, so dass durch Genuss von Filterkaffee dieser Effekt auf die Blutfette vermieden werden kann[11]. Gekochter, ungefilterter Kaffee scheint mehr negative Auswirkungen, speziell in Bezug auf den Cholesterinspiegel und das kardiovaskuläre Risiko, als gefilterter Kaffee zu haben [12].

Des weiteren werden den Diterpenen antiinflammatorische und antimutagene Eigenschaften zugeschrieben[13], [14].

Trigonellin

Als weiteres Alkaloid neben Koffein enthält Kaffee Trigonellin, das beim Rösten zum Teil zu Nikotinsäure abgebaut wird[15]. Diese ist ein für den Menschen wichtiges Vitamin (Vitamin B 3). Mit vier Tassen Kaffee lässt sich etwa 50% des täglichen Bedarfs decken[16].

Chlorogensäuren

Wie viele andere Pflanzen enthält auch Kaffee Polyphenole, unter denen die Chlorogensäuren – Esterverbindungen von Chinasäure mit Hydroxyzimtsäuren – überwiegen. Sie werden beim Rösten zu einem großen Teil ab- bzw. in Melanoidine eingebaut[17]. Freie Chlorogensäuren werden vom Körper aufgenommen und können dort als Fänger von sog. freien Radikalen und damit Antioxidanzien wirken. Dieser Eigenschaft wird ein Teil der günstigen Eigenschaften von Kaffee zugeschrieben[18] (siehe unten).

Melanoidine

Im Rahmen des Röstvorgangs werden aus Eiweißverbindungen und Zuckern Melanoidine gebildet, hochmolekulare Verbindungen, die wesentlich Farbe und Aroma des Kaffees bedingen[19]. Darüber hinaus sollen auch sie als Antioxidanzien wirken können[20]. In Melanoidinen gebundene Chlorogensäuren könnten wesentlich zu dieser Eigenschaft beitragen.
Insgesamt ist bisher allerdings wenig über diese Gruppe der Verbindungen und insbesondere ihre Bioverfügbarkeit bekannt[21].

Wirkungen

Historisch verband man den Genuss von Kaffee eher mit schädlichen Wirkungen. Jüngere Untersuchungen haben dieses Bild jedoch vollständig gewandelt. So konnten große epidemiologische Untersuchungen eine negative Wirkung von Kaffee auf Kreislauferkrankungen wie koronare Herzerkrankung[22] oder Schlaganfall[23] widerlegen. Der leicht Blutdruck-steigernde Effekt von Koffein wirkt sich bei regelmäßigem Kaffeegenuss nicht aus und spielt auch bei medikamentös gut eingestellten Blutdruckpatienten keine Rolle[24]. Ebenso wenig fanden sich Hinweise auf ein vermehrtes Auftreten von Tumorerkrankungen einschließlich der Karzinome des Magendarm- oder Urogenital-Traktes[25].

Neben einigen negativen werden inzwischen erstaunlich viele positive Wirkungen von Kaffee aufgelistet [26]. Insgesamt wird angenommen, dass ein moderater Kaffeekonsum von 3-5 Tassen pro Tag eher positive als negative Effekte hat.

Negative Wirkungen

  • Abends kann Kaffee das Einschlafen beeinträchtigen [27].
  • Koffein sensible Menschen können durch Kaffee Unruhe- und sogar Angstzustände erleben[28].
  • Personen, die zu erhöhten Blutfetten wie Cholesterin und LDL-Cholesterin neigen, sollten papiergefilterten Kaffee trinken[29].
  • Schwangere, die Kaffee trinken, haben ein leicht erhöhtes Fehlgeburtsrisiko. Kaffee sollte deshalb in der Schwangerschaft auf einzelne Gelegenheiten reduziert werden[30].
  • Koffein geht mit dem Stillen auf den Säugling über[31]. Sollte es nach Kaffeegenuss der Mutter beim Kind zu Unruhe kommen, sollte Kaffee auch hier reduziert werden.
  • Patienten mit sog. Refluxkrankheit können in Einzelfällen auf Kaffee mit Sodbrennen reagieren[32]. Eine allgemeine Empfehlung zum Vermeiden von Kaffee bei Magenerkrankungen ergibt sich daraus jedoch nicht.
  • Die Gefahr einer Osteoporose scheint durch Kaffee bei Frauen in der Menopause leicht erhöht zu sein, kann aber durch ausreichende Kalziumaufnahme, besonders als Milchgetränke, vermieden werden[33].
  • Ungefiltert aufgebrühter Kaffee kann ab etwa 4 Tassen pro Tag den Gesamt- und LDL- Cholesterinspiegel im Blut erhöhen (durch die Fettbegleitstoffe Kahweol und Cafestol ) [34][35] könnte sich also negativ auf das Arterioskleroserisiko auswirken. Dieser Effekt verschwindet durch Filterung des Kaffees.
  • Kaffeegenuss steigert das Risiko für Blasenkrebs bei Japanern geringfügig [36], wohingegen er laut einer anderen Veröffentlichung das Blasenkrebsrisiko senken soll (s.u.).

Positive Wirkungen

  • regelmäßiger Kaffeegenuss (auch dekoffeiniert) geht mit einem bis zu 40% reduzierten Risiko für Typ-2-Diabetes einher [37][38][39]. Das scheint auch für den Diabetes in der Schwangerschaft (Gestationsdiabetes) zu gelten [40]
  • Kaffeetrinker haben ein ebenfalls deutlich reduziertes Risiko für das Auftreten oder Fortschreiten einer fibrosierenden Lebererkrankung (Leberfibrose, Leberzirrhose) [41],
  • Gallensteine werden bei Kaffeetrinkerinnen seltener gefunden [42],
  • Koffein im Kaffee vermag die Beschwerden bei mildem Asthma wie sog. Anstrengungs- und Kälteasthma zu lindern [43],
  • Regelmäßiger Kaffeegenuss senkt das Risiko für eine koronare Herzkrankheit leicht, was wahrscheinlich auf im Kaffee enthaltene Antioxidanzien zurückzuführen ist [44]. Dies scheint mit einer Down-Regulation von Entzündungsmediatoren zusammenzuhängen, wie Tierversuche ergeben haben [45].
  • Kaffee senkt das Krebsrisiko
  • Kaffee senkt das Schlaganfallrisiko [53][54].
  • Er senkt auch das Risiko für eine Venenthrombose und Embolien [55]
  • Kaffee, speziell das in ihm enthaltene Koffein, senkt das Risiko einer Parkinson-Erkrankung [56][57][58]. Koffein scheint dabei eine zytoprotektive Rolle für Gehirnzellen zu spielen (Neuroprotektion) [59].
  • frühzeitig eingenommen vermag Koffein als Adjuvans zu typischen Schmerzmitteln migräneartige Kopfschmerzen zu lindern; bei gewohnheitsmäßigen Kaffeetrinkern kann umgekehrt Kaffee-Entzug zu Kopfschmerzen führen [60].
  • Kaffeetrinker haben ein geringeres Gesamtmortalitätsrisiko [61].
  • Kaffeetrinker neigen bei mäßigem Genuss seltener zu Selbstmord [62], auch findet sich tendenziell ein geringeres Gesamtmortalitätsrisiko ([63][64].

Verweise

 


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Literatur

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  4. ? Neuropharmacology 2003: 28: 1694-1702
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Überarbeitung der Seite durch Prof. Dr. Jürgen Fröhlich, Freiburg