Pseudomembranöse Kolitis

Die pseudomembranöse Kolitis ist eine Entzündung des Dickdarms, die durch weißliche Auflagerungen der Schleimhaut gekennzeichnet ist und typischerweise nach längerer Antibiotikaeinnahme aufgrund einer anderen Infektion auftritt.


→ Über facebook informieren wir Sie über Neues auf unseren Seiten!


Pathogenese

Auftreten meist in Folge einer Antibiotikatherapie (besonders Clindamycin, Cephalosporine, Amoxicillin-Kombinationen) durch Überwucherung mit Clostridium difficile. Dieser Keim besiedelt gelegentlich das Kolon auch von Gesunden. Durch ein Ungleichgewicht in der Keimbesiedlung kann sich stärker ausbreiten. Aus welchen Gründen C. difficile bei manchen Menschen eine Kolitis und bei anderen keine hervorruft, ist weitgehend unbekannt. Möglicherweise spielen Wirtsfaktoren und Stoffwechselprodukte der Bakterien dabei eine Rolle.

Häufigkeit

Die pseudomembranöse Kolitis tritt in etwa 10-15% der Antibiotika-bedingten Durchfälle auf.

Diagnostik

Die Diagnose beruht auf dem typischen endoskopischen Bild. Im Stuhl lässt sich Clostridium difficile sowie sein Toxin nachweisen.

Therapie

Meist besteht ein gutes Ansprechen auf Metronidazol; Vancomycin gilt als Reservemedikation.

In Fällen eines Therapieversagens der Antibiotika ist die duodenale Infusion oder eine endoskopische Implantation eines Stuhlaufgusses eines gesunden Donors (auch als Stuhltransplantation bezeichnet) (siehe hier) hoch effizient. 1) 2016 Nov 1;165(9):609-616. doi: 10.7326/M16-0271.

Vorbeugung

Zwei Maßnahmen sind zur Vorbeugung einer pseudomembranösen und antibiotikaassoziierten Kolitis wirksam: eine restriktive Antibiotikaverwendung und Probiotika.

Restriktive Antibiotikaverwendung

Beste Vorbeugung einer pseudomembranösen Kolitis ist eine restriktive Indikationsstellung für eine antibiotische Therapie.

  • Virusinfektionen, z. B. grippale Infekte, sind per se keine Indikation für eine antibiotische Therapie.
  • Auch akute Durchfälle werden in der Regel nicht gleich mit Antibiotika behandelt. Ausnahme kann die Reisediarrhö in tropischen Ländern sein. Eine Diarrhö mit einer Laufzeit über 3 Tage sollte vor Einleitung einer Antibiose abgeklärt werden.

Probiotika

Wenn zur Behandlung einer bakteriellen Infektion im Körper eine Antibiotikatherapie eingeleitet werden muss, so ist es insbesondere bei Kindern, abwehrgeschwächten und älteren Menschen sinnvoll, gleich von Beginn an eine Prophylaxe mit Probiotika durchzuführen. Für L casei, L bulgaricus und S thermophilus wurde Wirksamkeit nachgewiesen [1], ebenso für Bifidobacterien, Lactobazillen und Saccharomyces boulardii [2][3].

  • Eine Studie an älteren Menschen, die im Krankenhaus Antibiotika erhalten mussten, zeigt eine prophylaktische Wirksamkeit einer Hochdosis-Zubereitung von Lactobazillen und Bifidobakterien bezüglich Antibiotika-assoziierter Diarrhö und Clostridium-difficile-Infektionen des Darms [4].
  • Eine Studie an Kindern weist die Wirksamkeit von probiotischem Jogurt (mit Lactobacillus rhamnosus GG (LGG), Bifidobacterium lactis (Bb-12) and Lactobacillus acidophilus (La-5)) nach [5].

Verweise

Literatur

  1. ? BMJ. 2007 Jul 14;335(7610):80
  2. ? Z Gastroenterol. 2006 Feb;44(2):193-204
  3. ? Health Technol Assess. 2013 Dec;17(57):1-140
  4. ? Health Technol Assess. 2013 Dec;17(57):1-140. doi: 10.3310/hta17570
  5. ? BMJ Open. 2015; 5(1): e006474. doi: 10.1136/bmjopen-2014-006474


Literatur   [ + ]

1. 2016 Nov 1;165(9):609-616. doi: 10.7326/M16-0271.