Perniziöse Anämie

Die perniziöse Anämie ist eine besondere Form der Blutarmut, bei der ursächlich ein Mangel an Vitamin B12 vorliegt. Vom Typ her handelt es sich um eine hyperchrome makrozytäre Anämie, bei der die roten Blutkörperchen größer und stärker mit Hämoglobin gefüllt sind als normal. Sie wird auch als Morbus Biermer bezeichnet.


→ Über facebook informieren wir Sie über Neues auf unseren Seiten!


Entstehung

Die häufigste Ursache einer perniziösen Anämie ist der Mangel an “Intrinsic Factor” bei der Typ-A-Gastritis. Dies ist ein von der Magenschleimhaut gebildeter Faktor, der dem Mageninhalt beigemischt wird und dafür sorgt, dass das mit der Nahrung zugeführte Vitamin B12 im unteren Dünndarm (terminales Ileum) resorbiert werden kann. Bei einer speziellen, selteneren Form der Magenschleimhautentzündung, der im oberen Teil des Magens zu einer Schleimhautatrophie führt, kann der Intrinsic-Faktor nicht mehr ausreichend gebildet werden (siehe hier).

Seltenere Ursachen sind

Zum Vitamin-B12-Mangel siehe hier.

Klinischer Befund

Im Vordergrund stehen die Auswirkungen der Blutarmut (Anämie) mit Blässe, Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Leistungsschwäche. Gelegentlich bestehen auch Magenbeschwerden, die für sich genommen aber unspezifisch und nicht diagnoseweisend sind.

Die perniziöse Anämie, ist – sofern sie durch eine autoimmune Typ-A-Gastritis bedingt ist – häufig mit anderen Autoimmunkrankheiten assoziiert, so in ca. 40% mit einer Autoimmunthyreoiditis (so einer Hashimoto-Thyreoiditis) und in ca. 10% mit einem Diabetes mellitus. Es sollte an polyendokrines Syndrom gedacht werden 1)World J Gastroenterol. 2009 Nov 7;15(41):5121-8.

Diagnostik

Laboruntersuchungen

Blutbild: Die Erkrankung wird verdächtigt durch einen charakteristischen Befund des Blutbildes bei einer Routineuntersuchung: es finden sich

Bestimmung von Vitamin B12: Der zugrunde liegende Vitamin-B12-Mangel wird durch direkte Bestimmung im Blut verifiziert. Durch Bestimmung der

  • Anti-Parietalzell-Antikörper und der
  • Anti-Intrinsicfaktor-Antikörper

wird die Diagnose bestätigt. Der Anti-Parietalzell-Antikörper ist spezifischer als der Anti-Intrinsicfaktor-Antikörper.

Magenspiegelung

Gastroskopie: Die meist ursächlich verantwortliche Typ-A-Gastritis wird durch eine Fundus-Biopsie bei der Magenspiegelung (Gastroskopie) gesichert. Durch diese Untersuchung kann auch ein bei einer Typ-A-Gastritis gehäuft vorkommendes Magenkarzinom erkannt werden.

Differenzialdiagnostik

Bei einer makrozytären Anämie (mit erniedrigtem Hämoglobin (Hb) und erhöhtem MCV und MCH) muss differenzialdiagnostisch an eine Alkoholschädigung des Knochenmarks und an ein Tumorleiden (beispielsweise an eine Lymphomkrankheit) gedacht werden.

Wegen einer möglichen Assoziation mit anderen Krankheiten sollte  auch TSH (Schilddrüsendiagnostik) und der Glukosespiegel sowie HbA1c (Diagnostik eines Diabetes mellitus) bestimmt werden.

Behandlung

Die Behandlung besteht im Wesentlichen in einer Vitamin-B12-Substitution (siehe unter Vitamin-B12-Mangel). Bei einer schwerwiegenden Anämie können Bluttransfusionen erforderlich werden. Die zugrunde liegende Typ-A-Gastritis lässt sich nicht ursächlich behandeln.


→ Über facebook informieren wir Sie über Neues auf unseren Seiten!


Verweise

Fachinfos

Patienteninfos

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).



Literatur   [ + ]

1. World J Gastroenterol. 2009 Nov 7;15(41):5121-8