Morbus Weil

Der Morbus Weil ist eine akute Infektionskrankheit. Erreger sind Leptospiren. Es handelt sich um eine weltweite Zoonose, dessen schwerer Verlauf mit hoher Letalität einhergehen kann.


→ Über facebook informieren wir Sie über Neues auf unseren Seiten!


Erreger

Erreger sind verschiedene Serotypen von Leptospiren (L. icterohaemorrhagica, L. canicola, L. seroje, L. grippotyphosa, L. pomona, insgesamt über 180 Serotypen bekannt).

Epidemiologie

Die Übertragung erfolgt durch Kontakt mit Blut, Gewebe oder Urin infizierter Ratten. Jedoch können auch Mäuse, Rinder, Schweine, Ziegen, Hamster, Wühlmäuse, Igel, Biber, Hunde und Füchse Überträger sein. Die Erreger gelangen durch Schleimhäute und Hautverletzungen ins Blut und von dort in die Nieren. Sie werden mit dem Urin ausgeschieden.

Besonders gefährdete Personengruppen sind Landwirtschafts- und Kanalisationsarbeiter, Schwimmer in stehenden Gewässern.

Klinik und Verlauf

Inkubationszeit 7-14 Tage; Erkrankungsbeginn mit hohem Fieber, Schüttelfrost, Myalgien, Kopf- und Bauchschmerzen, Erbrechen, oft rasch auch Nierenbeteiligung (leicht bis schwer), Ikterus (kann in schweren Fällen nach wenigen Tagen auftreten). Nach ca. 1 Woche tritt meist Fieberabfall ein. Während der folgenden 1-2 Wochen kann es erneut zum Fieberanstieg kommen.

Diagnostik

Labor

Leukozytose mit Linksverschiebung, mäßige Anämie und Thrombozytopenie, Erhöhung der Creatinkinase (bei Beteiligung der Skelettmuskulatur), Cholestasezeichen, mäßig erhöhte Transaminasen (bei Ikterus), Leptospiren im Urin (vom Fieberabfall an ca. 3-4 Wochen lang)

Mikrobiologie

In der 1.Woche Leptospiren in Blut und Liquor (Dunkelfeldmikroskopie), ab 2. Woche Leptospiren im Urin (Dunkelfeldmikroskopie); Nachweis auch serologisch möglich.

Therapie

Da die Erkrankung meist selbstlimitierend verläuft, ist auch meist keine Therapie nötig. Symptomatische Maßnahmen sind Flüssigkeits- und Elektrolytbilanzierung. Eine in den ersten Krankheitstagen begonnene Antibiotikatherapie kann den Krankheitsverlauf abkürzen (z.B. Penicillin G : 4×1 Mega oder Tetrazyklin 4×500 mg oder Erythromycin). Es gibt jedoch auch schwere Verläufe mit Entwicklung einer Niereninsuffizienz und Dialysepflichtigkeit.

Dosierungen von Medikamenten dürfen nicht ungeprüft übernommen werden.

Prognose

Im allgemeinen gut; bei schwerer Nieren-, Leber- oder Lungenbeteiligung lebensgefährlicher Verlauf möglich (siehe unter akute Leberdystrophie)

Prophylaxe

Die Erkrankung hinterlässt dauerhafte Immunität gegen den bestimmten Serotyp. Aktive Immunisierung ist möglich.

Verweise

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).