Bradykardie

Definition

Bradykardie bedeutet zu langsamer Herzschlag. Was zu langsam bedeutet, ist individuell unterschiedlich. Sportler beispielsweise haben gelegentlich einen so langsamen Herzschlag, dass er bei Nichtsportlern als krankhaft und schrittmacherpflichtig angesehen werden würde. Üblicherweise werden Herzfrequenzen unter 60/Minute als gering bradykard und unter 40/Minute als stark bradykard angesehen. Eine Bradykardie von unter 30/Minute wird oft als Indikation für eine Schrittmacher-Therapie angesehen, da das Risiko für eine Bewusstlosigkeit (siehe MAS-Anfall) stark erhöht ist.

Bradykarde Phasen des Herzschlags können mit tachykarden Phasen abwechseln; dies wird als Bradykardie-Tachykardie-Syndrom bezeichnet. Es stellt eine besondere therapeutische Herausforderung dar.


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Symptomatik

Eine zu langsame Herzfrequenz kann – vor allem bei Belastung – zu Schwindel, “Schwarz-werden vor den Augen”, einem Gefühl der Kraftlosigkeit und der Atemnot und zu Bewusstlosigkeit führen.

Meist besteht beim bradykarden Herzen eine mangelhafte Bereitschaft, auf Belastung mit einer Pulserhöhung zu reagieren. Das Gefühl der Blutleere im Kopf und einer Schwäche in den Beinen zwingen zum Anhalten der körperlichen Bewegung, Hinsetzen, Hinhocken oder Hinlegen, sofern es nicht bereits zu einer plötzlichen Synkope gekommen ist. Oft führt solch eine Synkope durch Sturz zu Verletzungen, so dass eine chirurgische Versorgung notwendig wird. Die Dauer der Synkopen ist in der Regel kurz.

Die langsame Herzfrequenz führt wegen der langen Diastole zu einer erhöhten Blutfüllung der Ventrikel und damit zu einem erhöhten Schlagvolumen. Dies kann zur systolischen Blutdruckerhöhung (Hypertonie) und dem Gefühl eines starken Herzklopfens führen.

Bei anhaltender Bradykardie ohne belastungsabhängige Frequenzsteigerung kommt es zu einer Herzinsuffizienz, die schon geringe körperliche Tätigkeiten einschränken kann. Es kommt bei geringer Anstrengung bereits zu Luftnot, Schwindel und Versagen der Beine.

Diagnostik

Die Diagnostik richtet sich auf den Nachweis der Bradykardie und auf die ihr zugrunde liegende Ursache.

Eine Bradykardie lässt sich durch Untersuchung des peripheren Pulses, durch Auskultation des Herzens und durch ein EKG nachweisen. Werden bradykarde Phasen vermutet, die nur gelegentlich oder nur in besonderen Situationen, beispielsweise im Schlaf, auftreten, ist ein Speicher-EKG für einen oder mehrere Tage indiziert.

→ Mehr zum Puls siehe hier.

Ursachen

Als Ursachen kommen in Betracht (Auswahl):

  • Betablocker-Therapie
  • Digitalis-Therapie
  • Therapie mit Verapamil (z. B. Isoptin®),
  • Sick-Sinus-Syndrom
  • hypersensibler Carotissinus-Reflex
  • Hinterwandinfarkt des Herzens
  • Hypothyreose
  • starke Dominanz des Parasympathicus über den Sympathicus, z. B.:
    • im Schlaf,
    • durch autogenes Training,
    • bei Irritation des Magendarmtrakts (z. B. beim Erbrechen, bei einer Koloskopie mit starker Kolondilatation durch Luftinsufflation oder Zug am Mesenterium)
    • bei nächtlicher Miktion (bis hin zur Miktionssynkope)
  • Sportlerherz
  • Nebenwirkung bei Narkotika und Sedativa (z. B. bei einer Analgosedierung)
  • bei erhöhtem Hirndruck (z. B. bei einer Enzephalitis oder einer intrakraniellen Blutung)

Therapie

Die Therapie richtet sich nach der Ursache.

Oft reicht es, ein verantwortliches Medikament, z. B. einen Beta-Blocker, ein Digitalispräparat oder Verapamil (kritisch können Kombinationen solcher Medikamente sein) vorübergehend auszusetzen und anschließed geringer zu dosieren oder ganz abzusetzen.

Bei einer vorübergehenden Bradykardie (z. B. im Rahmen eines überschießenden Vagus-Reflexes) kann ein Sympathicomimeticum (z. B. Adrenalin) oder ein Anticholinergicum (z. B. Atropin, Ipratropiumbromid (Itrop®) oder Butylscopolamin (Buscopan®)) zu einer Beschleunigung der Herzfrequenz führen.

Bei einer anhaltenden symptomatischen Bradykardie kann die Implantation eines passageren oder dauerhaften Schrittmachers indiziert sein.

Verweise

Patienteninfos