Alkoholabusus

Alkoholabusus bedeutet Missbrauch des Genussmittels Alkohol; gemeint ist ein Alkoholkonsum über das Maß hinaus, das gesundheitlich und sozial unbedenklich ist.

Allgemeines

Alkohol hat Suchtpotenzial! Suchtgefährdete Menschen sind meist alkoholabhängig und hochgradig gefährdet, akute und chronische gesundheitliche Schäden zu erleiden.

Meist wird ein einmaliger oder seltener Alkoholexzess als Alkoholabusus, aber noch nicht als Alkoholismus bezeichnet. Ein andauernder Missbrauch ist immer auf eine pathologische Trunksucht verdächtig, so dass Alkoholabusus und Alkoholismus nahe bei einander liegen.

Akuter Alkoholabusus kann eine schwerwiegende Beeinträchtigung der Hirnleistungsfähigkeit jeglicher Art haben und in Bewusstlosigkeit (Koma) in einem Hirnödem münden. Eine akute Alkoholintoxikation kann zudem zu Herzinsuffizienz (alkoholische Kardiomyopathie) und lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen führen. Binge-Drinking (Rauschtrinken) endet gelegentlich tödlich.

Andauernder Alkoholabusus hat schwerwiegende Langzeitfolgen für die Leber, das Gehirn, das Herz und andere innere Organe. Eine Grenzmenge für akute und chronische Schäden liegt in etwa bei 60-80 g Alkohol / Tag für Männer und 20 – 40 g / Tag für Frauen. 1)Toxicol Rep. 2021 Feb 19;8:376-385. DOI: 10.1016/j.toxrep.2021.02.010. PMID: 33680863; PMCID: … Continue reading

Zu Alkohol als Genussmittel siehe hier.

Auswirkungen

Beim Alkoholabusus beginnt der Trinker die Kontrolle über sein Denken, Fühlen und Handeln zu verlieren. Es kann zu akuten und chronischen Organschäden kommen.

Die wichtigsten akuten Schäden sind eine Hirnleistungsstörung (akute alkoholische Enzephalopathie), die sich psychisch und im Verhalten sehr unterschiedlich bemerkbar machen kann, so vor allem durch: unkontrolliertes Reden, Torkeln, Lallen, Bewusstseinsverlust, Erbrechen, Aggressivität, Weinerlichkeit, Halluzinationen etc.

Die wichtigsten chronischen Schäden sind

Mehr dazu siehe unter Alkoholgenuss und Alkoholschädigung des Körpers

Diagnostische Kriterien

Eine Alkoholkrankheit (alcohol use disorder, AUS) liegt vor, wenn 2 von 11 Kriterien für mindestens 12 Monate vorliegen (nach Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5). 5th edition. American Psychiatric Association. 2013.) 3)Gastroenterol Hepatol (N Y). 2020 Nov;16(11):561-570. PMID: 34035691; PMCID: PMC8132623.:

1. Haben Sie jemals mehr oder länger getrunken als beabsichtigt? 2. Wollten Sie oder haben Sie mehr als einmal versucht, weniger zu trinken oder mit dem Trinken aufzuhören, konnten es aber nicht? 3. Haben Sie viel Zeit mit Alkohol verbracht oder waren Sie krank/erholten Sie sich von den Folgen des Trinkens? 4. Hatten Sie jemals ein Verlangen (dh ein starkes Bedürfnis oder Drang) zu trinken? 5. Haben Sie festgestellt, dass Alkoholkonsum oder Alkoholkrankheit oft die Pflege Ihres Hauses oder Ihrer Familie beeinträchtigt oder Probleme in Ihrem Job oder in der Schule verursacht hat? 6. Haben Sie weiter getrunken, obwohl es Probleme mit Ihrer Familie oder Ihren Freunden verursacht hat? 7. Haben Sie Aktivitäten aufgegeben oder reduziert, die für Sie wichtig oder interessant waren, um zu trinken? 8. Sind Sie während oder nach dem Trinken mehr als einmal in Situationen geraten, die Ihr Verletzungsrisiko erhöht haben (z. B. Autofahren, Schwimmen, Bedienen von Maschinen, Gehen in einem gefährlichen Bereich oder unsicherer Sex)? 9. Haben Sie weiter getrunken, obwohl Sie sich dadurch depressiv oder ängstlich fühlten oder ein anderes Gesundheitsproblem verstärkten? Haben Sie nach einem Gedächtnisschwund weiter getrunken? 10. Mussten Sie viel mehr trinken als früher, um die gewünschte Wirkung zu erzielen, oder stellten Sie fest, dass Ihre übliche Anzahl von Getränken viel weniger Wirkung hatte als zuvor? 11. Haben Sie festgestellt, dass Sie nach Abklingen der Alkoholwirkung Entzugserscheinungen hatten (z. B. Schlafstörungen, Zittern, Reizbarkeit, Angst, Depression, Ruhelosigkeit, Übelkeit oder Schwitzen)? Haben Sie Dinge gespürt, die nicht vorhanden waren?

Therapie

Die Behandlung des Alkoholmissbrauchs bleibt wegen der Rückfallneigung problematisch. Grundlage jeder Therapie sollte eine psychosoziale Betreuung mit dem Ziel einer Verhaltensänderung sein. Unter den pharmakologischen Optionen haben Disulfiram, Naltrexon und Acamprosat die größte Bedeutung. Baclofen scheint ein relativ sicheres Medikament zu sein, um die Alkoholsucht zu reduzieren. 4)Am J Health Syst Pharm. 2014 Aug 1;71(15):1265-76. DOI: 10.2146/ajhp140028. PMID: 25027533; … Continue reading

Die Behandlung sollte die Folgeschäden an Leber, Gehirn und Herz beinhalten. Eine oft vorliegende Unterversorgung mit Vitaminen und Spurenelementen sollte erkannt und ausgeglichen werden.


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Verweise



Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


Literatur

Literatur
1, 2 Toxicol Rep. 2021 Feb 19;8:376-385. DOI: 10.1016/j.toxrep.2021.02.010. PMID: 33680863; PMCID: PMC7910406.
3 Gastroenterol Hepatol (N Y). 2020 Nov;16(11):561-570. PMID: 34035691; PMCID: PMC8132623.
4 Am J Health Syst Pharm. 2014 Aug 1;71(15):1265-76. DOI: 10.2146/ajhp140028. PMID: 25027533; PMCID: PMC4170837.