Vitamin-B1-Mangel

Definition

Ein Vitamin-B1-Mangel (Thiaminmangel) führt zu Nerven- und Muskelschäden. Er tritt ein, wenn die tägliche Aufnahme über einige Zeit deutlich unter 1 mg/Tag liegt. Der körpereigene Vorrat an Vitamin B1 reicht etwa 2-3 Wochen lang.

Zu Vitamin B1 (Vorkommen, Bedarf etc.) siehe hier.


→ Über facebook informieren wir Sie über Neues auf unseren Seiten!


Ursachen

Zu einem Thiaminmangel kann es aus folgenden Ursachen kommen:

  • einseitige oder mangelhafte Ernährung, besonders in Ländern der dritten Welt,
  • eine Dünndarmkrankheit,. Dünndarmkrankheiten, bei denen die Resorption von Thiamin eingeschränkt ist, wie die Sprue, der seltene Morbus Whipple oder ein Kurzdarmsyndrom,
  • Alkoholabusus,
  • Chemotherapie mit 5-FU (5-Fluorouracil) [1][2]
  • Eine Hyperemesis gravidarum (hartnäckiges Schwangerschaftserbrechen) kann in seltenen Fällen zu einem Vitamin-B1-Mangel führen [3][4]
  • Bariatrische Chirurgie: Eine bakterielle Überwucherung des Dünndarms nach einer gastrischen Bypassoperation zur Gewichtsreduktion wurde für einen Thiaminmangel verantwortlich gemacht [5]. Nach Operationen zur Gewichtsreduktion ist eine Enzephalopathie durch Thiaminmangel (Wernicke Enzephalopathie) eine seltene, aber beachtenswerte Komplikation [6][7][8][9]
  • Thiaminmangel in Zusatznahrung (Beispiel Fall einer speziellen Kindernahrung in Israel 2003 [10]) oder bei parenteraler Ernährung ohne ausreichenden Vitaminzusatz [11]

Klinisches Bild

Der Thiaminmangel führt zu einem bunten klinischen Bild. Klinische Symptome zeigen eine potentiell lebensbedrohliche Situation an. Die Hauptsymptome eines Thiaminmangels betreffen:

  • das Nervensystem mit Polyneuropathie, Ataxie, Apathie, Gedächtnisstörungen und Verwirrtheit (Wernicke-Enzephalopathie (Übersicht bei [12] und Korsakow-Psychose),
  • muskuläre Schwäche
    • am Herzen (Herzinsuffizienz mit Ödemen und Lungenstauung) und
    • an der Skelettmuskulatur (Myopathie, Schwäche der Wadenmuskulatur als Frühzeichen) und an der Augenmuskulatur (mit der Folge von Doppelbildern, zuerst erkennbar beim Seitwärtssehen, dabei oft Nystagmus).
  • eine Neigung zur Laktatazidose.

Das klinische Vollbild des Thiaminmangels ist die Beriberi-Krankeit.

Diagnostik

  • Symptomatik: Das klinische Bild (siehe oben) im Zusammenhang mit der Anamnese führt meist schon auf den Verdacht eines Thiaminmangels. Das typische Bild einer Wernicke-Enzephalopathie umfasst eine Ataxie, sakkadierte Sprache, Doppelbilder (seitwärts sehen lassen) und eine Verwirrtheit.
  • MRT des Gehirns: Die zerebrale Schädigung bei ausgeprägtem Vitamin-B1-Mangel kann im MRT erkannt werden: man findet Veränderungen am dorsomedialen Nucleus des Thalamus, der periaquäduktalen grauen Substanz und an den Corpora mamillaria [13].

Substitution

Vorbeugend werden bei Patienten mit einem Risiko für einen B1-Mangel meist 100 mg Thiamin verabreicht.

Bei Mangelerscheinungen wird Thiamin (meist zusammen mit anderen B-Vitaminen) im akuten Stadium intravenös oder intramuskulär, später oral substituiert, bei einer enteralen Resorptionsstörung immer parenteral. Bei einem akuten Wernicke-Korsakow-Syndrom werden Dosen um oder über 200 mg/Tag verwendet. Eine Hypervitaminose ist nicht bekannt.

Verweise

Literatur

  1. ? J Korean Med Sci. 2009 Aug;24(4):747-50
  2. ? Jpn J Clin Oncol. 1996 Aug;26(4):234-6
  3. ? Aust N Z J Obstet Gynaecol. 2001 Nov;41(4):453-6
  4. ? J Neurol Sci. 2009 Sep 15;284(1-2):214-6
  5. ? Nutr Res. 2008 May;28(5):293-8
  6. ? Rev Neurol (Paris). 2008 May;164(5):463-7
  7. ? Am J Gastroenterol. 2008 Jun;103(6):1575-7
  8. ? Semin Ophthalmol. 2007 Jan-Mar;22(1):13-9
  9. ? J Emerg Med. 2009 Apr 28
  10. ? Pediatrics. 2005 Feb;115(2):e233-8
  11. ? Pediatrics. 1998 Jan;101(1):E10
  12. ? Lancet Neurol. 2007 May;6(5):442-55)
  13. ? AJR Am J Roentgenol. 2009 Feb;192(2):501-8

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).