Adie Syndrom

Das Adie-Syndrom (oder auch Holmes-Adie-Syndrom) ist ein klinisches Augenzeichen, das bislang ätiologisch noch nicht geklärt ist: es findet sich eine ein- oder beidseitige pathologische Pupillenreaktion. Sie hat wahrscheinlich keine wesentliche klinische, jedoch eine große differenzialdiagnostische Bedeutung (s.u.).

Betroffen sind vorwiegend weibliche Jugendliche und junge Erwachsene.

Die Pupillenreaktion auf Licht und Akkomodation sind meist einseitig verlangsamt und es besteht eine Hypo- bis Areflexie der Muskeleigenreflexe. Möglicherweise handelt es sich um eine (multifokale) autonome Dysregulation; ursächlich wird eine Störung der Synapsen angenommen [1].


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Symptome

Das Syndrom ist in erster Linie gekennzeichnet durch

  • Pupillotonie: Verzögerte Reaktion der Pupillen auf Lichteinfall. Bei einseitigem Befall zeigt sich das Bild einer Anisokorie.
  • Akkomodotonie: Verzögerte Reaktion der Pupillen auf Akkomodation (bei Nahakkomodation Miosis).
  • fehlende Achillessehnenreflexe (ASR).

Das Syndrom ist gelegentlich mit migräneartigen Kopfschmerzen assoziiert.

Differenzialdiagnose

Die wichtigste Differenzialdiagnose der Adie-Pupillotomie ist die Pupillotomie des Argyll-Robertson-Zeichens [2] der Neurolues (aufsteigende Tabes dorsalis, Rückenmarkssschwindsucht). Bei ihm handelt es sich um eine fortgeschrittenes Stadium einer bis dahin unbehandelten Geschlechtskrankheit (Infektion mit Treponema pallidum), bei der jedoch die Pupillotomie beidseitig auftritt, die Pupillen dabei relativ eng sind und die Reaktion auf Akkomodation erhalten bleibt (Licht-Nähe-Dissoziation der Pupillenreaktion).

Eine weitere wichtige Differenzialdiagnose ist eine autonome Neuropathie, wie sie beim Diabetes mellitus auftreten kann.


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Verweis

Literatur

  1. ? J Clin Neurosci. 2000 Sep;7(5):452
  2. ? J Neuroophthalmol. 2006 Jun;26(2):134-8