Posttraumatische Belastungsstörung

Von Fachärzten verständlich geschrieben und wissenschaftlich überprüft
Als posttraumatische Belastungsstörung (PTBS; engl.: posttraumatic stress disorder, PTSD) wird eine krankhafte Angstreaktion auf belastende Erlebnisse, Ereignisse, Nachrichten oder Vorstellungen bezeichnet. Die Kardinalsymptome lassen sich zusammenfassen zu Abkapselung, Vermeidungshaltung und übersteigerte Erregbarkeit. Die psychische Erregung kann von selbst nicht beherrscht werden und hat körperliche Auswirkungen und fördern somatische Krankheiten.

INHALT:  AllgemeinesAuslöserSymptomeCheckliste zur DiagnoseUrsachenTherapieLangzeiteffekt einer Tramatisierung im Kindesalter

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Allgemeines

Die außergewöhnliche Traumatisierung an Körper oder Seele ist für manche Menschen Auslöser einer sich entwickelnden ängstlichen Überreaktion, oft assoziiert mit einer depressiven Komponente (major depressive disorder, MDD), so dass in den Fällen einer solchen Kombination auch von einer posttraumatischen affektiven Störung (posttraumatic mood disorder, PMD) gesprochen wird. 1)Med Hypotheses. 2009 Aug;73(2):215-9 Der / die Betroffene kann sich gegen ein traumatisches Wiedererleben (traumatic recall) nicht wehren. An den Mechanismen im Gehirn ist ein Netzwerk an Nervenzellen beteiligt, die im Mandelkern (Amygdala) und der Insel lokalisiert sind; dort kommt es zu einer Mehrdurchblutung während des Recalls. 2)Stress. 2003 Sep;6(3):151-6. DOI: 10.1080/1025389031000136242

Nicht jeder Mensch mit einem traumatisierenden Erlebnis entwickelt eine posttraumatische Belastungsstörung. Viele Menschen bewältigen den Stress ohne Langzeitfolgen, einige mit psychischer Abhärtung bis Abstumpfung. Manche zeigen vorübergehend ein akutes Stresssyndrom, einige entwickeln eine depressive Gemütslage bis hin zur Depression, andere eine Psychose. Nur eine Minderheit entwickelt im Laufe von Monaten eine zunehmend abnorme Reaktion auf Stress, die sich im Laufe der Zeit im Sinne einer posttraumatischen Belastungsstörung verfestigt.

Die Behandlung umfasst im wesentlichen eine Trauma-fokussierte Verhaltenstherapie und gegebenenfalls eine zusätzliche medikamentöse Begleitung.


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Auslöser

Viele Ereignisse, Erlebnisse und Erfahrungen können zu einer eingreifenden Traumatisierung führen, beispielsweise das Erleben einer Lebensgefahr (z. B. im Krieg oder durch Naturkatastrophen), von Demütigung (z. B. in Gefangenschaft oder auch im privaten Bereich) und Folter sowie sexueller Erniedrigung und Vergewaltigung, oder auch das indirekte, nur beobachtende Miterleben eines solchen Ereignisses bei einem anderen Menschen. Traumatisierende Erlebnisse werden als ins Zentrum der menschlichen Existenz treffend empfundenen ohne dass ein ausreichender psychischer Schutz vorliegt oder aufgebaut werden kann.

Thematisiert wurde die posttraumatische Belastungsstörung besonders durch Beobachtungen abnormer psychischer und körperlicher Reaktionen an Kriegsveteranen, vor allem wegen der bei ihnen deutlich erhöhten Suizidrate. 3)J Nerv Ment Dis. 2013 Sep;201(9):802-12

Eine krankhaft übersteigerte Reaktionsbereitschaft kommt jedoch auch in der normalen Bevölkerung immer wieder vor, ausgelöst beispielsweise durch das intensive Miterleben des Todes eines nahen Menschen oder durch eigene Erfahrung einer Misshandlung als Kind (s.u.). Das Erleben einer intraoperativen Wachheit kann zum PTBS führen, ebenso eine plötzliche Krankheit, wie ein Schlaganfall 4)PLoS One. 2013 Jun 19;8(6):e66435. oder eine als stark belastend empfundene Geburt (ca. 1-2% nachgeburtliche PTBS!).

Überlebende einer lebensbedrohlichen Krankheit leiden nach 1 Jahr zu etwa 20% an einem posttraumatischen Belastungssyndrom 5)Crit Care Med. 2015 May;43(5):1121-9. Die Möglichkeit solcher Auswirkungen müssen bei der Betreuung dieser Patienten gewärtigt werden.

Symptome

Typisch für eine posttraumatische Belastungsstörung sind die immer wiederkehrende Erinnerung an das traumatisierende Erlebnis, die Angst vor ähnlichen Situationen oder auch nur vor Auslösern einer solchen Erinnerung, übersteigerte Schreckhaftigkeit und Angstreaktionen, Schlaflosigkeit, Neigung zum Burn-out-Syndrom, eine zunehmende depressive Stimmungslage bis hin zu Selbstmordgedanken. Als Frühzeichen können wiederkehrende Albträume dienen, die durch die Behandelnden erfragt werden sollten.

Viele Menschen mit PTBS flüchten in Medikamenten-, Drogen- und Alkoholmissbrauch.

Menschen mit PTBS leiden gehäuft unter schwer behandelbaren somatischen Symptomen wie Fibromyalgie und Kopfschmerzen. Auch eine Assoziation mit Herzkreislaufkrankheiten, wie dem akuten Koronarsyndrom und dem Herzinfarkt, wird beschrieben. 6)PLoS One. 2012;7(6):e38915. doi: 10.1371/journal.pone.0038915

PTBS-Checklisten zur Diagnostik

Checklisten sollen helfen, die Diagnose zu sichern. Sie enthalten Fragen u. a. zu:

  • Wiedererleben: Nacherleben des Traumas, aufdringliche Gedanken, wiederkehrende Träume,
  • Vermeidung: Vermeidung von Gedanken, von Erinnerungen, die Unfähigkeit sich zu erinnern, Verlust des Interesses
  • Abstumpfung, Verstimmung: Abkapselung, Realitätsverlust, eingeschränkter Affekt, eingeschränkte Zukunftsgedanken
  • Übererregung: Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, Reizbarkeit, Übererregbarkeit, Schreckreaktion.

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Literatur

Literatur
1 Med Hypotheses. 2009 Aug;73(2):215-9
2 Stress. 2003 Sep;6(3):151-6. DOI: 10.1080/1025389031000136242
3 J Nerv Ment Dis. 2013 Sep;201(9):802-12
4 PLoS One. 2013 Jun 19;8(6):e66435.
5 Crit Care Med. 2015 May;43(5):1121-9
6 PLoS One. 2012;7(6):e38915. doi: 10.1371/journal.pone.0038915