Morbus Crohn und Schwangerschaft

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Morbus Crohn und Schwangerschaft müssen sich nicht ausschließen. Allerdings sollte je nach Intensität der Entzündung und der Art der Therapie eine gute Vorbereitung getroffen werden.Bei einer Familienplanung sollte der behandelnde Arzt am besten frühzeitig einbezogen werden.


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Allgemeines

Der Morbus Crohn ist eine chronisch entzündliche Darmkrankheit, die alle Abschnitte des Magendarmtrakts betreffen und zu einer Reihe von schwerwiegenden Komplikationen führen kann. Menschen mit dieser Krankheit bedürfen einer intensiven Therapie, die sich praktisch über das ganze Leben hinzieht. Da der Erkrankungsbeginn in der Jugend und im jungen Erwachsenenalter liegt, sind auch Frauen im gebärfähigen Alter betroffen.

Inzwischen gibt es eine Reihe von Erkenntnissen, die die Unsicherheiten bezüglich der Auswirkung des Morbus Crohn auf die Schwangerschaft und umgekehrt der Schwangerschaft auf den Verlauf des Morbus Crohn sowie die Notwendigkeit und das Risiko einer medikamentösen Therapie bei aktiver und nicht aktiver Erkrankung vermindern.

Wechselseitige Auswirkungen von Schwangerschaft und Morbus Crohn

Der Verlauf der Crohn-Erkrankung wird durch die Schwangerschaft nicht wesentlich verändert [1].

Frauen in einer ruhenden Phase des Morbus Crohn haben die gleiche Chance einer unkomplizierten Schwangerschaft und normalen Geburt wie Frauen ohne die Erkrankung [2].

Eine aktive Erkrankung zum Zeitpunkt der Konzeption oder eine Reaktivierung im Laufe der Schwangerschaft erhöht jedoch das Risiko einer vorzeitigen Geburt (vor der 37. Woche). Eine besonders enge Überwachung während der letzten 3 Monate ist unbedingt empfehlenswert [3].

Behandlung während der Schwangerschaft

Wenn der Morbus Crohn während einer Schwangerschaft aktiv ist, können Aminosalizylate (z. B. Mesalazin) und Thiopurine (wie Azathioprin) therapeutisch eingesetzt werden.

Infliximab und Adalimumab werden während der ersten 6 Monate als relativ sicher angesehen; im letzten Trimenon können Plazentaprobleme auftreten.

Kortisonpraeparate wie z. B. Prednisolon sind in der Schwangerschaft ebenfalls recht sicher [4] [5] [6] [7].

Methotrexat ist wegen seiner Antifolat-Wirkung während der Schwangerschaft dagegen streng kontraindiziert [8].

Was anzuraten wäre

Es wird aus der Evidenz der bisher vorliegenden Studien geschlossen, dass eine bereits eingeleitete Therapie des Morbus Crohn nicht abgebrochen werden sollte, und dass die Gefahr für die Schwangerschaft durch die Therapie geringer einzuschätzen ist, als diejenige durch eine Verschlechterung der Crohn-Aktivität [9].

Während der Schwangerschaft ist Frauen unbedingt anzuraten, nicht zu rauchen und vegetarische oder zumindest halbvegetarische Kost zu sich zu nehmen. Beide Maßnahmen, die die Schwangere selbst tragen zur Vermeidung eines Relapses bei (siehe hier).

Verweise

Literatur

  1. ? Scand J Gastroenterol. 1984 Sep; 19(6):724-32.
  2. ? World J Gastroenterol. 2011 Jun 14;17(22):2696-701
  3. ? Gastroenterology. 1990 Oct;99(4):987-94
  4. ? Teratology. 2000 Dec; 62(6):385-92.
  5. ? Gut. 2011 Feb; 60(2):198-203
  6. ? Am J Gastroenterol. 2004 Dec;99(12):2385-92
  7. ? Am J Gastroenterol. 2013 Sep; 108(9):1426-38
  8. ? J Crohns Colitis. 2010 Feb;4(1):63-101
  9. ? Int J Womens Health. 2013 Oct 18;5:681-688

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).