Mikro-RNA

Mikro-RNA (miRNA) sind körpereigene einzelsträngige RNA (Ribonukleinsäuren) von 21-25 Nukleotiden, die keine Funktion als Informationsüberträger von den Genen ins Zellplasma bei der Proteinsynthese ausüben, sondern die Expression von Genen regulieren. Sie vermögen dies, indem sie die Transkription der DNA auf mRNA (messenger-RNA) blockieren, den Abbau spezifischer mRNA beeinflussen oder auf die Promoterregionen von Genen einwirken.

Es wird angenommen, dass mehr als 2500 miRNAs im menschlichen Genom kodiert sind [1]. Sie werden sowohl in Zellen, im Interstitium als auch im Blutserum gefunden. Im Blut werden miRNAs überwiegend in Mikrovesikel transportiert, die sie vor Abbau schützen. So gelangen sie an entfernte Stellen im Körper und können dort eine Fernwirkung ausüben.

Bedeutung für die theoretische und klinische Medizin

Mikro-RNA sind inzwischen von außerordentlich hohem Interesse für das Verständnis der Entstehung vielen Krankheiten, insbesondere von Tumorkrankheiten und chronischen Entzündungen geworden und bieten zudem die Möglichkeit, Krankheiten und ihre Aktivität aus Blutproben heraus sehr viel genauer als bisher zu diagnostizieren. Erwartbar sind zudem neue Therapiemöglichkeiten (s. u.). Mehr dazu siehe hier.

Bedeutung bei der Auslösung von Krankheiten

Indem miRNA die Aktivität von Genen beeinflussen, können sie Krankheiten fördern oder gar auslösen. Beispiele:

Bedeutung bei der Unterdrückung von Krankheiten

MiRNA können auch Krankheiten unterdrücken. Beispiele:

  • Das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom wird durch ein miRNA (miR-4782-3p) in seinem Wachstum gehemmt [12].
  • Das Magenkarzinoms wird in Wachstum und Ausbreitung (Metastasierung) durch eine spezifisches miRNA ebenfalls gehemmt </ref>Clin Cancer Res. 2011 Dec 15;17(24):7574-83</ref>.
  • Das Osteosarkom wird durch ein Mikro-RNA (miR-340) in Wachstum und Metastasierung gehemmt [13]

Diagnostische Bedeutung

Da einzelne miRNAs bei verschiedenen Erkrankungen entweder vermehrt oder vermindert gebildet werden und im Blut erscheinen, können sie als „Fingerprint“ -Biomarker als Krankheitssignatur diagnostische Bedeutung erhalten.

Beispiele:

  • Brustkrebs: Es finden sich beispielsweise Erhöhungen der miRNAs miR-21, miR-155, miR-18a, miR-21, miR-148b und miR-155 [14].
  • Fettleberhepatitis (NASH): Es findet sich eine Überexpression von miR-34a und miR 146b sowie eine verminderte Expression von miR-122. Auch weitere miRNA gehören zum Muster [15][16].

Perspektive

Durch die aktuelle Forschung am Mikro-RNA werden immer neue Einsichten sowohl in die Pathogenese von Krankheiten als auch in die diagnostische Bedeutung verschiedener Mikro-RNA-Muster im Blut erhalten. Es ist zu erwarten, das sich die Diagnostik durch Tests auf Mirko-RNA-Basis für viele Krebsarten und chronische Krankheiten revolutioniert. Es ist durchaus auch im Bereich des Erwartbaren, dass sich auf Mikro-RNA-Basis auch neue Therapieformen entwickeln lassen.

Verweise

Literatur

  1. ? World J Hepatol. 2015 Feb 27;7(2):226-34
  2. ? Minerva Ginecol. 2010 Dec;62(6):559-71
  3. ? Breast Cancer Res Treat. 2011 May;127(1):69-80
  4. ? PLoS One. 2014 Jan 31;9(1):e87563. doi: 10.1371
  5. ? BMC Cancer. 2012 Aug 9;12:348. doi: 10.1186/1471-2407-12-348
  6. ? Cancer Cell Int. 2014 Dec 14;14(1):128. doi: 10.1186/s12935-014-0128-2
  7. ? Cancer Lett. 2014 Sep 1;351(2):222-31
  8. ? PLoS One. 2014 Oct 16;9(10):e109734. doi: 10.1371/journal.pone.0109734
  9. ? J Gastroenterol Hepatol. 2012 Feb;27(2):331-40
  10. ? World J Hepatol. 2015 Feb 27;7(2):226-34
  11. ? PLoS One. 2013 Oct 25;8(10):e77468. doi: 10.1371
  12. ? Cell Physiol Biochem. 2014;33(2):457-67
  13. ? Biochem Biophys Res Commun. 2013 Aug 9;437(4):653-8
  14. ? Breast Cancer (Dove Med Press). 2015 Feb 23;7:59-79
  15. ? Gut. 2014 Jun 27. pii: gutjnl-2014-306996. doi: 10.1136/gutjnl-2014-306996
  16. ? World J Hepatol. 2015 Feb 27;7(2):226-34