Mediastinitis

Artikel aktualisiert am 5. März 2024

Mediastinitis bedeutet Entzündung des Mittelfellraums (Mediastinum) im Brustkorb. Sie neigt zu einem schwerwiegenden und lebensbedrohlichen Verlauf und bedarf einer intensivmedizinischen Behandlung und Überwachung.


Allgemeines

Das Mediastinum ist die Struktur zwischen den Lungen. Sie enthält die Speiseröhre (Ösophagus), die Luftröhre (Trachea), große Blutgefäße des Körpers (obere Hohlvene, Vena cava superior, und die große Körperschlagader, Aorta) und den Thymus. Das größte Organ des mittleren Brustraums ist das Herz. In Mediastinum verlaufen wichtige Nerven des vegetativen Nervensystems. Diese Beziehungen zwischen den Mittelfellstrukturen bringen es mit sich, dass eine Entzündung dort rasch zu vielfältigen und erheblichen Komplikationen führt. Sie kann sich zudem in Richtung Hals und Achseln sowie durch die Zwerchfelllücke in den Bauchraum bzw. in das Retroperitoneum (hinterer Bauchraum) ausbreiten.


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Ursachen

Ausgang der Entzündung

Eine Mediastinitis kann ausgehen von folgenden Strukturen:

  • von der Speiseröhre (Ösophagus)
  • vom Trachealsystem (System der Atemwege)
    • selten bei erheblicher Abwehrschwäche des Körpers
  • von Tumornekrosen (z. B. bei Ösophaguskarzinom)
  • von Lymphknoten des Mediastinums
  • von der oberen Thoraxapertur
    • z. B. absteigender Abszess vom Hals

Gelegentlich ist die Entzündung des Mediastinums Folge eines Traumas oder eines interventionellen Eingriffs. In dieser Beziehung risikoreich sind Operationen im Thoraxbereich, eine Stenteinlage in die Luftröhre (Trachea) oder die Speiseröhre (Ösophagus) oder eine Sklerosierung (Verödung) oder Gummibandligatur von Ösophagusvarizen.

In seltenen Fällen kann eine Tuberkulose und eine Aspergillose bei immunkompromittierten (geschwächten) Patienten zu einer akuten Mediastinitis führen. (1)J Int Med Res. 2020 May;48(5):300060520918469. DOI: 10.1177/0300060520918469

Klinische Bedeutung

Eine akute Mediastinitis führt rasch und häufig zu lebensbedrohlichen Verläufen. Daher ist in aller Regel eine sofortige antibiotische Therapie angezeigt. Die Ursache ist zu diagnostizieren und ggf. operativ zu beseitigen.

Granulomatöse Mediastinitis

Bei dieser gutartigen Form finden sich histologisch mediastinale Granulome als fokale Raumforderungen. Sie sind häufig auf frühere granulomatöse Infektionen zurückzuführen und lösen sich oft von selbst wieder auf. Je nach Lokalisation können sie Beschwerden und Komplikationen hervorrufen (2)Semin Diagn Pathol. 2022 Mar;39(2):113-119.

Fibrosierende Mediastinitis

Eine chronische vernarbende Entzündung des Mittelfellraums (fibrosierende Mediastinitis) kann durch Schrumpfung der narbigen Strukturen zu einer Einengung der mediastinalen Strukturen (s. o.) führen. So kann auch die obere Hohlvene und das Herz, insbesondere der rechte Vorhof, eingeengt werden. Klinisch kann dies zu Zeichen einer oberen Einflussstauung mit Halsvenenstauung und Gesichtsschwellung führen. Ursächlich kommt neben einer infektiösen Genese (z. B. Tuberkulose, Histoplasmose) eine idiopathische, nicht infektiöse, chronisch sklerosierende Entzündung in Betracht, ähnlich dem Morbus Ormond im Retroperitoneum. In solchen Fällen kann eine Stenteinlage in die verengten Gefäße zu einer symptomatischen Besserung führen. In einigen Fällen kann dies wegen der Narbenverhärtung nicht möglich sein, sodass die Situation operativ angegangen werden muss. (3)Indian J Med Res. 2019 Jun;149(6):799-800. DOI: 10.4103/ijmr.IJMR_1364_17 (4)Cardiovasc Intervent Radiol. 2021 Mar;44(3):384-391. doi: 10.1007/s00270-020-02714-z. (5)J Int Med Res. 2021 Aug;49(8):3000605211040264. DOI: 10.1177/03000605211040264 In einem publizierten Fall wurde die fibrosierende Mediastinitis durch eine Histoplasmose (Pilzerkrankung mit Granulombildungen) ausgelöst (6)JACC Case Rep. 2023 Dec 13;29(2):102161. doi: 10.1016/j.jaccas.2023.102161, in anderen Fällen durch eine Tuberkulose (7)J Clin Imaging Sci. 2016 Aug 23;6:32. doi: 10.4103/2156-7514.188958.


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Verweise

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Literatur

Literatur
1J Int Med Res. 2020 May;48(5):300060520918469. DOI: 10.1177/0300060520918469
2Semin Diagn Pathol. 2022 Mar;39(2):113-119
3Indian J Med Res. 2019 Jun;149(6):799-800. DOI: 10.4103/ijmr.IJMR_1364_17
4Cardiovasc Intervent Radiol. 2021 Mar;44(3):384-391. doi: 10.1007/s00270-020-02714-z.
5J Int Med Res. 2021 Aug;49(8):3000605211040264. DOI: 10.1177/03000605211040264
6JACC Case Rep. 2023 Dec 13;29(2):102161. doi: 10.1016/j.jaccas.2023.102161
7J Clin Imaging Sci. 2016 Aug 23;6:32. doi: 10.4103/2156-7514.188958.