Herpes zoster

Herpes zoster bedeutet Gürtelrose; er wird medizinisch oft als „Zoster“ abgekürzt. Englische Bezeichnung: „shingles“. Es handelt sich beim Herpes zoster um entlang eines Dematoms (Versorgungsgebiet eines sensiblen Nerven) aufblühende Herpes-Bläschen.

Weiteres dazu unter Windpocken.


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Ursache und Entwicklung

Die Erkrankung wird durch Herpes-simplex-Viren (DNA-Viren)ausgelöst.

Gürtelrose (Herpes Zoster) im Versorgungsgebiet der linksseitigen Brustnerven, die zwischen den Wirbelkörpern 11 und 12 (Th11/12) austreten. Das von ihnen versorgte Hautareal ist entzündet, mit Bläschen übersät und infektiös.

Nach der Erstinfektion des Körpers entwickeln sich Windpocken(Varizellen, engl. chicken pox). Dabei kommt es nicht nur zu den typischen pustulösen Hauteffloreszenzen, sondern auch zu einer Infektion der peripheren Nerven, über die das Virus in die Ganglien der dorsalen Rückenmarksstränge und des Gehirns gelangen. Dort kommt es zu einer „schlafenden“ Infektion, aus der heraus es bei Abnahme der körpereigenen Abwehr zu einem Erwachen (einer Exazerbation) in Form Auswanderung der Viren über die von den Ganglien ausgehenden Nerven und Infektion der zugehörigen Hautareale oder Endorgane kommt. Als Endorgane können beispielsweise Muskelareale befallen werden, so dass sich Schwäche- oder Lähmungssymptome entwickeln. Beispielsweise kann es auf diese Weise zu Schlaganfall-ähnlichen Symptomen oder zu Schielen und Doppelbildern kommen.

Die Viren verbleiben nach generalisierter Erstinfektion (Windpocken) das ganze Leben in den Ganglienzellen und werden dort durch Immunabwehr (vermittelt durch virusspezifische T-Zellen) an einer erneuten Ausbreitung gehindert. Im Kindesalter durchgemachte Windpocken sind die Voraussetzung für einen Zoster im Alter. Die Häufigkeit eines Herpes Zoster steigt bei über 60-Jährigen stark an. Das Lebenszeitrisiko einer Reaktivierung der in Ganglienzellen  “schlafenden” Herpesviren beträgt 30% 1) 2017 Oct 19. doi: 10.1080/14760584.2017.1394843..

Prädisposition

Vorbedingung für die Entwicklung eines Herpes zoster ist eine früher durchgemachte Herpesvirusinfektion; meist sind es in früher Jugend durchgemachte Windpocken. Zur Reaktivierung der Herpesviren aus den Nervenzellen kommt es durch Abnahme der Immunkompetenz im Alter oder durch eine Immunschwäche durch eine Erkrankung oder durch eine immunsuppressive Therapie. So sind Patienten mit AIDS oder einer Chemotherapie wegen einer Tumorerkrankung besonders gefährdet.

Symptomatik

Die Symptome beginnen mit einer Überempfindlichkeit und schließlich Schmerzen in einem Körpersegment, das bei genauer Untersuchung einem Dermatom folgt. Die segmentale Ausbreitung deutet in dieser Phase, in der noch keine Hautrötung oder Effloreszenzen sichtbar sind, am ehesten auf eine Nerveneinklemmung im Bereich der Wirbelsäule (segmentale Neuralgie) oder auf einen beginnenden Herpes zoster hin. Der behandelnde Arzt verfolgt den Verlauf und erkennt spätestens bei Entwicklung der segmentalen Rötung die Möglichkeit einer Gürtelrose. Im Bläschen-Stadium ist das klinische Bild meist eindeutig.

Etwa 2-3 Tage vor der ersten Hautrötung als Vorläufer der dermatombegrenzten Bläschen fühlt sich der Patient müde, schlapp, evtl. auch fiebrig. Das Krnakheitsgefühl kann vom Herpes zoster selbst herrühren, aber auch von einem Infekt (häufig eine Pneumonie), in dessen Folge der Zoster aufblüht.

An der Haut entstehen Rötungen, dann kleine Knötchen, schließlich Bläschen, die mit einer serösen, später blutigen Flüssigkeit gefüllt sind. Schon knapp vor der ersten Rötung können im befallenen Dermatom erhebliche Schmerzen auftreten.

Infektiosität

Aus den Zoster-Bläschen lässt sich das hochinfektiöse Herpes-Virus nachweisen. Die Bläschen trocknen im Laufe des Heilungsprozesses ein; der Wundschorf ist ebenfalls noch infektiös. Menschen, die noch nicht an Windpocken erkrankt waren, können durch Kontakt mit Bläscheninhalt oder Wundschorf Windpocken bekommen. Menschen, die bereits Windpocken gehabt hatten und immun sind, sind weitgehend vor einer Exazerbation geschützt.

Zoster-Komplikationen

  • Bei erheblicher Immunschwäche kann ein „Zoster generalisatus“ (über den gesamten Körper verteilte Herpesbläschen) auftreten.
  • Der Herpes ophthalmicus (das Auge ist betroffen) kann zur Erblindung führen.
  • Bei starker Immunschwäche können sich eine Herpes-Meningitis und eine Herpes-Enzephalitis ausbilden, die lebensbedrohliche Risiken darstellen.
  • Muskuläre Beteiligungen können je nach betroffenem Nervengebiet zu den unterschiedlichsten Ausfällen führen.
  • Die Post-Zoster-Neuralgie (engl.: post-herpetic neuralgia (PHN)) ist eine häufige, lang anhaltende und sehr zermürbende Spätfolge. Die im Ausbreitungsgebiet des Zoster empfundenen Schmerzen sind häufig schwer therapierbar. Es werden Morphine zusammen mit trizyklischen Antidepressiva verwendet; auch kommen Gabapentin, Capsaicin und Antiepileptika gelegentlich erfolgreich zum Einsatz [1]

Vorbeugung

Man muss von einer sehr hohen Durchseuchung der Bevölkerung mit Herpes-simplex-Viren ausgehen. Daher steigt mit zunehmendem Alter auch für sehr viele Menschen das Risiko, eine Gürtelrose zu bekommen.

Impfung gegen Herpes zoster

Zur Vorbeugung einer Gürtelrose

Um das Risiko einer Gürtelrose bzw. einer Post-Zoster-Neuralgie zu senken, stehen Impfstoffe zur Verfügung. 2) 2017 Oct 19. doi: 10.1080/14760584.2017.1394843.. Die Impfung mit einem attenuierten Lebendimpfstoff ist gut verträglich [2]. Sie beugt einer Post-Zoster-Neuralgie relativ gut vor [3]. Die große Zulassungsstudie, die 2005 im NEJM veröffentlicht wurde, zeigte, dass die Zostererkrankung um 51% und die Inzidenz einer Post-Zoster-Neuralgie um 66% zurückgedrängt wurde. Es wird propagiert, dass eine Impfung gegen Herpes zoster allen Menschen über 60 Jahren angeboten werden soll [4][5].

Als Impfstoffe mit dem Varizella-Virus, Stamm OKA, stehen Varivax und Varirix zur Verfügung.

Therapie

Die Therapie des Herpes zoster erfolgt mit Virustatika [6]. Sie ist jedoch nur im Beginnstadium besonders erfolgversprechend. Sobald eine Zosterinfektion beginnt, sollte mit Acyclovir begonnen werden (z. B. 800 mg 5x täglich für 1 Woche); wenn die Pusteln erst 1 Tag bestehen, kommt eine Therapie wohl zu spät. Nur die sehr frühe Erkennung und Behandlung führt zu einer Abschwächung der Symptome und möglicherweise des Risikos einer Post-Zoster-Neuralgie. Acyclovir hat jedoch eine geringe orale Bioverfügbarkeit; neuere Virustatika sind in Erprobung, beispielsweise Valacyclovir und Famciclovir (z. B. 500 oder 750 mg 2-3x täglich für 1 Woche). In Studien wird bei keinem der Virustatica ein verhindernder oder abschwächender Effekt auf eine Post-Zoster-Neuralgie nachgewiesen [7].


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Verweise

Literatur

  1. ? Drugs Aging. 2007;24(1):1-19
  2. ? J Infect Dis. 2008 Mar 1;197 Suppl 2:S165-9
  3. ? Aging Clin Exp Res. 2009 Jun;21(3):236-43
  4. ? J Pain. 2008 Jan;9(1 Suppl 1):S31-6
  5. ? Consult Pharm. 2009 May;24(5):380-91
  6. ? J Oral Pathol Med. 2009 Aug 18
  7. ? Can Fam Physician. 2008 March; 54(3): 373–377


Literatur   [ + ]

1, 2. 2017 Oct 19. doi: 10.1080/14760584.2017.1394843.