Angina abdominalis

Artikel aktualisiert am 12. Januar 2024

Bei der Angina abdominalis handelt es sich um durch eine Mangeldurchblutung ausgelöste, immer wieder auftretende (intermittierende) Bauchschmerzen.


Allgemeines

Die Angina abdominalis wird auch als mesenteriale Ischämie (engl.: mesenteric ischemia) oder Ortnersche Erkrankung (Claudication abdominalis) bezeichnet. Bei ihr entstehen Bauchschmerzen durch eine Minderdurchblutung, die vor allem bei einer hohen Blutanforderung, wie sie nach Mahlzeiten (postprandial) eintritt, zutage treten. (1)Vasa. 2000 May;29(2):141-5. German. DOI: 10.1024/0301-1526.29.2.141. Der zunächst postprandiale Schmerz geht bei Fortschreiten der Krankheit in einen chronischen Dauerschmerz über. Wenn er länger als 3 Monate besteht, wird er als chronische mesenteriale Ischämie eingeordnet.

Ischämie-bedingte Bauchschmerzen können mit Durchfällen einhergehen und vor allem bei einer Chronifizierung – zu einer Gewichtsabnahme führen. Die Behandlung zielt auf eine Verbesserung der Blutversorgung hin und beinhaltet bei geeigneter Lage der Gefäßverengung eine endovaskuläre Behandlung durch Angioplastie und eine Stenteinlage. (2)Eur J Vasc Endovasc Surg. 2017 Apr;53(4):460-510. DOI: 10.1016/j.ejvs.2017.01.010.

Die Pathophysiologie (Krankheitsentstehung) und Symptomatik entspricht im Wesentlichen der einer Claudikatio intermittens  (Schaufensterkrankheit) und der von chronischen Ischämieschmerzen der Beine bei einer stenosierenden Arteriosklerose der Beinarterien (periphere arterielle Verschlusskrankheit).

Der Darm
Periphere arterielle Verschlusskrankheit


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Entstehung

Ursache ist eine Verengung (Stenose) der den Darmkanal versorgenden großen Blutgefäße, meistens bedingt durch eine Arteriosklerose der Arteria mesenterica superior (Hauptzufuhr des Bluts für den Dünndarm und den rechten und mittleren Dickdarmabschnitt).

Eine Verengung durch einen arteriosklerotischen Plaque führt zu einer schmerzhaften Darmischämie, die besonders dann kritisch wird, wenn die Verdauung und die Darmmotilität durch eine Mahlzeit angeregt werden. Typischerweise kommt es daher besonders nach Mahlzeiten zu Bauchschmerzen.

Solange das Bauchfell (Peritoneum) infolge des Sauerstoffmangels gereizt ist, handelt es sich um einen „viszeralen“ Schmerz, bei dem keine Abwehrspannung der Bauchdecke eintritt. Wird die gesamte Darmwand und das Bauchfell undicht, und treten Bakterien und ihre Giftstoffe (Toxine) aus, so kommt es zu einer lokalen und schließlich allgemeinen Bauchfellentzündung (Peritonitis), die eine schmerzhafte Abwehrspannung der Bauchmuskulatur hervorruft.

Prädispositionen

Die Angina abdominalis tritt meist im Rahmen einer allgemeinen arteriellen Verschlusskrankheit auf. Häufige Vorbedingungen (Prädispositionen) sind die folgenden:

→ Siehe unter Arteriosklerose

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Diagnostik

  • Anamnese: Typischerweise werden Beschwerden unter Bedingungen geklagt, in denen die Blutzufuhr zum Darmkanal erhöht ist, nämlich in kurzem Abstand nach Mahlzeiten. In Ruhebedingungen dagegen reicht die Durchblutung zunächst noch aus. In fortgeschrittenem Stadium kommt es zu einer chronischen Darmischämie und einem Dauerschmerz. Die Diagnostik sollte bereits bei einer intermittierenden Schmerzsymptomatik soweit vorwärts getrieben werden, dass ggf. eine Indikation zu einer endovaskulären Therapie (durch Kathetertechnik) gestellt und durchgeführt werden kann.
  • Körperliche Untersuchung: typischerweise fehlt eine Abwehrspannung der Bauchdecke; Darmgeräusche sind vorhanden, können aber unter Ischämiebedingungen spärlich werden.
  • Sonographie: die Duplexsonographie kann (wenn die Sicht nicht durch Blähungen verhindert ist) im proximalen Bereich der A. mesenterica superior eine Einengung mit Strömungsbeschleunigung nachweisen.
  • Angiographie: Nachweis der wirksamen Stenose; im geeigneten Fall Möglichkeit einer Therapie durch Ballonerweiterung und Stentimplantation.
  • Computertomographie und MRT: u.U. Nachweis einer Stenose oder einer Verkalkung und Plaquebildung.

Meist bestehen auch in anderen Organen arteriosklerotische Minderdurchblutungen, insbesondere am Herzen, dem Gehirn, den Nieren und den Beinen. Daher ist eine erweiterte Diagnostik des Blutgefäßsystems indiziert.

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Therapie

  • Schmerzbekämpfung, Schmerzmittel.
  • Bei proximalen Stenosen (Verengung einer zuführenden Arterie nahe ihrem Abgang aus der Aorta) ist eine interventionelle Therapie durch Angiographie mit Angioplastie (Erweiterung des Lumens durch Ballondilatation) und Stentimplantation zu erwägen, alternativ eine operative Behandlung. Eine Stentung hat in geeigneten Fällen eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit einer Symptomlinderung (3)Vasa. 2012 Nov;41(6):425-31. DOI: 10.1024/0301-1526/a000232  (4)Vasc Endovascular Surg. 2019 Jan;53(1):42-50. DOI: 10.1177/1538574418805228 Die Erfolgsrate der verschiedenen Behandlungsstrategien ist hoch. (5)BMC Surg. 2022 Feb 13;22(1):56. DOI: 10.1186/s12893-022-01511-4
  • Korrektur der Fettstoffwechselstörung und Blutdruckeinstellung (nicht zu tief).
  • Nur kleine Mahlzeiten, mehrfach über den Tag verteilt, helfen einen stärkeren Blutbedarf im Darm zu vermeiden.

Eine Mesenterialvenenthrombose, die ähnliche Symptome hervorrufen kann, wird dagegen mit systemischer Antikoagulation ohne chirurgische Revaskularisation behandelt. (6)Vasc Endovascular Surg. 2019 Jan;53(1):42-50. DOI: 10.1177/1538574418805228


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Verweise

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Literatur

Literatur
1Vasa. 2000 May;29(2):141-5. German. DOI: 10.1024/0301-1526.29.2.141.
2Eur J Vasc Endovasc Surg. 2017 Apr;53(4):460-510. DOI: 10.1016/j.ejvs.2017.01.010.
3Vasa. 2012 Nov;41(6):425-31. DOI: 10.1024/0301-1526/a000232
4Vasc Endovascular Surg. 2019 Jan;53(1):42-50. DOI: 10.1177/1538574418805228
5BMC Surg. 2022 Feb 13;22(1):56. DOI: 10.1186/s12893-022-01511-4
6Vasc Endovascular Surg. 2019 Jan;53(1):42-50. DOI: 10.1177/1538574418805228