Pneumonie

Pneumonie bedeutet Lungenentzündung. Sie wird von Bakterien, Viren oder selten auch Pilzen ausgelöst und spielt sich in den Alveolen, dem Lungenparenchym oder beidem ab. Spielt sich die Entzündung in der Nähe des Lungenfells (Pleura) ab, so reagiert sie entzündlich mit; es entsteht eine Pleuropneumonie.

Die ambulant erworbene Lungenentzündung (Community-acquired pneumonia, CAP)

Leitsymptome sind Fieber, Brustschmerzen und Atemnot, bei einer Mitbeteiligung der Pleura auch atemabhängige Schmerzen. Komplizierte Pneumonien mit Atemnot werden in der Regel im Krankenhaus behandelt. Schwerwiegende Pneumonien haben eine hohe Mortalität.


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Entstehung

Eine Lungenentzündung kann durch verschiedene Erreger ausgelöst werden.

  • Bakterien: z. B.
    • Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae) in 60% (typische Lobärpneumonie),
    • Haemophilus influenzae,
    • Staphylokokken,
    • Legionellen,
    • Mycoplasma pneumoniae,
    • Chlamydia pneumoniae (Ornithose),
  • nichtbakterielle Erreger: z. B.
    • Viren (Influenza und Parainfluenzaviren, Adenoviren, Cytomegalieviren),
    • Rickettsia (oder Coxiella) burnetti (Q-Fieber),
    • Pneumocystis carinii (bei Immunschwäche),
    • Pilze (Candida, Aspergillus, Histoplasma).

Eine Pneumonie kann als

  • primäre Lungenparenchymerkrankung oder
  • sekundär in der Folge einer Entzündung des Atemwegssystems (Bronchopneumonie)

entstehen. Die bakteriellen Entzündungen breiten sich vorwiegend alveolär aus, die nicht bakteriellen interstitiell.

Oft besteht eine Abwehrschwäche, so dass man Pneumonien gehäuft bei folgenden Bedingungen findet:

  • Immunsuppression (Therapie von Immunerkrankungen, zytostatische Therapie von Tumoren, Therapie nach Organtransplantationen)
  • Immundefekte (AIDS, Lymphomerkrankungen, andere Tumore)
  • katabole Zustände (z. B. bei Tumorerkrankungen)

Eine Sonderform ist die Aspirationspneumonie, bei der eine direkte toxische Reizung der Alveolen und Bronchiolen durch Magensaft die Hauptrolle zu spielen scheint, wobei sich aber zudem rasch eine bakterielle Infektion aufpfropft.

Klinik und Symptomatik

Die Symptomatik ist abhängig von der Ausprägung der Pneumonie.

Fieber (kann sehr hoch sein), Schüttelfrost, schweres Krankheitsgefühl, Atemnot, Tachypnoe (über 20/min), Tachykardie, bei Pleurabeteiligung atemabhängige Schmerzen (auskultatorisch Pleurareiben), Kopf- und Gliederschmerzen, anfangs trockener später eitriges bis blutiges Sputum, begleitend oft Herpes labialis.

Auskultationsbefund einer einseitiger feinblasiger Rasselgeräusche bei Klopfschalldämpfung. Bei einer atypischen Pneumonie durch nicht bakterielle Erreger fehlt häufig ein diagnoseweisender auskultatorischer oder perkutorischer Befund.

Diagnostik

Die klinischen Befunde können bereits auf eine Lungenentzündung hinweisen. Kommen hohes Fieber, trockener Husten und typische Auskultations– und Perkussionsbefunde zusamen, wird die Diagnose wahrscheinlich. Eine Atemfrequenz über 20/min weist auf eine kompensatorische Hyperventilation bei Einschränkung der Gasaustauschfläche hin.

Laboruntersuchungen weisen auf die Ausprägung der Entzündung hin: Blutbild (Leukozytose?), Entzündungsparameter wie CRP oder IL-6, Blutgasanalyse

Bakteriologie: Bei einer Klinikbehandlung werden vor Beginn einer Behandlung Blutkulturen abgenommen und eine Sputumdiagnostik durchgeführt, damit die gewählte Antibiotikabehandlung auf Wirksamkeit überprüft werden kann.

Eine Blutgasanalyse gibt Auskunft über die Kapazität der Lungen zum Gasaustausch: Hypoxämie (zu wenig Sauerstoff im Blut)? Hyperkapnie (zuviel CO2 im Blut)?

Radiologische Untersuchungen Sicherung der Diagnose (Verschattung?) und geben Auskunft über die Lokalisation, Ausbreitung und Komplikation der Pneumonie; eine Computertomographie ist aussagekräftiger als eine Röntgenaufnahme der Lungen in 2 Ebenen.

Weiterführende Diagnostik: Ggf. ist eine bronchoalveoläre Lavage zum Nachweis von Keimen bei Therapieresistenz, von Pneumocystis carinii oder Pilzen und zur Bestimmung des CD4/CD8-Verhältnisses erforderlich.

Therapie

Die Behandlung erfolgt je nach Ursache 1)Pharmacol Ther. 2021 Jan;217:107663. doi: 10.1016/j.pharmthera.2020.107663. Epub 2020 Aug 15. PMID: … Continue reading, beispielsweise folgendermaßen:

  • Bei bakteriell bedingten Pneumonien (Hinweis: Leukozytose) Antibiose (zuerst Blutkulturen abnehmen). Beginn mit Breitbandantibiotika, die Streptokokken, Legionellen und Haemophilus umfassen. Anpassung, wenn das Ergebnis der Blut- und Sputumkulturen bekannt ist.
  • Bei Lobärpneumonie Penicillin.
  • Bei atypischer Pneumonie oder nicht nosokomial erworbener Pneumonie primär Makrolide (oder Tetracycline).
  • Bei Nichtansprechen: Antibiotikapause und erneute Blut- und Sputumkulturen, ggf. Bronchiallavage, Pilzdiagnostik ergänzen. Ggf. Umstellung auf z.B. Amoxicillin (+ Clavulansäure oder Sulbactam) oder Tazobactam o.ä..
  • Glukokortikoide verkürzen bei Pneumonien, die durch Sozialkontakte erworben wurden („community-acquired“) die Zeit bis zur klinischen Stabilität. In einer Studie wurde gezeigt, dass Prednisolon für 7 Tage gegeben diese Zeit im Schnitt um 3 Tage abkürzte. Es wurde über eine erhöhte Rate an Insulin-pflichtigen Hyperglykämien berichtet; ansonsten traten keine gegenüber der Kontrollgruppe vermehrten Komplikationen auf. 2)Lancet. 2015 Jan 16. pii: S0140-6736(14)62447-8. doi: 10.1016/S0140-6736(14)62447-8

Zu den bei einer Pneumonie häufig gefundenen Keimen und den meist wirkungsvollen Antibiotika siehe hier.


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Verweise

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 


Literatur

Literatur
1 Pharmacol Ther. 2021 Jan;217:107663. doi: 10.1016/j.pharmthera.2020.107663. Epub 2020 Aug 15. PMID: 32805298; PMCID: PMC7428725.
2 Lancet. 2015 Jan 16. pii: S0140-6736(14)62447-8. doi: 10.1016/S0140-6736(14)62447-8