Kollagene Gastritis

Artikel aktualisiert am 20. März 2024

Die kollagene Gastritis ist ein sehr seltener Typ einer Magenschleimhautentzündung, bei der mikroskopisch ein breites Narbenband mit kollagenen Fasern unter der Oberfläche der Schleimhaut zu erkennen ist. Zu den Symptomen und Folgen gehören Bauchbeschwerden und bei Kindern ein Mangel an Eisen und Vitaminen (1)Am J Surg Pathol. 2009 May;33(5):788-98 (2)Middle East J Dig Dis. 2022 Jan;14(1):131-135 Das Krankheitsbild wurde erst 1989 anhand des Falles eines 15-jährigen Mädchens definiert. (3)Gastroenterology. 1989 Dec;97(6):1552-5. Es werden ein kindlicher und ein Erwachsenentyp unterschieden.


Entstehung

Die Ursache der kollagenen Gastritis ist unbekannt. Sie ist bei erwachsenen Patienten gelegentlich assoziiert mit Autoimmunkrankheiten (wie einer Hashimoto-Thyreoiditis, einer Sprue (Zöliakie), einem Diabetes Typ 1 oder einer Myositis) und zudem mit anderen kollagenen Erkrankungen des Darmkanals, wie der kollagenen Sprue oder der Kollagenkolitis. Bei Kindern kommt die kollagene Gastritis ebenfalls vor, ist jedoch nicht mit solchen Erkrankungen assoziiert.

Da sowohl bei Kindern und Jugendlichen, als auch bei Erwachsenen gleichzeitig Autoimmunkrankheiten vorkommen, wird auch bei der kollagenen Gastritis von einer autoimmunen Prädisposition (Veranlagung) ausgegangen. (4)Clin Transl Gastroenterol. 2020 Aug;11(8):e00219. DOI: 10.14309/ctg.0000000000000219.

Typen

Die kollagene Gastritis wird zu den kollagenen Gastroenteritiden gerechnet, zu denen auch die kollagene Sprue und die kollagene Kolitis gehören. (5)World J Gastrointest Endosc. 2015 Mar 16;7(3):265-73

Die Kollagengastritis wird in einen pädiatrischen und einen Erwachsenentyp unterteilt. Sie ist histologisch durch subepitheliale Kollagenbänder mit entzündlichen Infiltraten in der Lamina propria gekennzeichnet.  Bei Kindern bestehen meist Magenbeschwerden. Bei Erwachsenen ist sie typischerweise mit einer kollagenen Kolitis assoziiert, was bei Kindern äußerst selten ist. (6)Glob Pediatr Health. 2022 Apr 19;9:2333794X221094262. doi: 10.1177/2333794X221094262

Häufigkeit

Es wurden in einer Sammelstatistik 13 Fälle pro 100.000 Magenspiegelungen gefunden. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. (7)Dig Liver Dis. 2021 Sep;53(9):1136-1140

Etwa ein Drittel der Fälle einer kollagenen Gastritis entsteht bereits im Kindesalter. Bei Kindern wird eine Inzidenz von 0.25 pro 100 000 Personenjahre angegeben und die Prävalenz mit 2,1/100.000 bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren (8)Clin Transl Gastroenterol. 2020 Aug;11(8):e00219. DOI: 10.14309/ctg.0000000000000219.

Die Kollagengastritis ist mit lymphatischen Erkrankungen des oberen Gastrointestinaltrakts assoziiert. Zu ihnen gehören die Zöliakie, eine duodenale intraepithelialer Lymphozytose und eine lymphatische Gastritis. (9)Dig Liver Dis. 2021 Sep;53(9):1136-1140

Symptomatik und Diagnostik

Die Erkrankung wird im Rahmen der Ursachensuche der vorherrschenden Symptomatik diagnostiziert. Bei Kindern stehen eine schwere Eisenmangelanämie und/oder wiederkehrende Bauchschmerzen im Vordergrund, bei Erwachsenen eher Durchfall und Malabsorption, was durch die häufig beobachtete gleichzeitigen Darmbeteiligung erklärt wird. (10)Clin Transl Gastroenterol. 2020 Aug;11(8):e00219. DOI: 10.14309/ctg.0000000000000219. Erwachsene litten einer Zusammenstellung zufolge unter Durchfall (18 %), Anämie (12 %), Gewichtsverlust (11 %) und Erbrechen (10 %) (11)Dig Liver Dis. 2021 Sep;53(9):1136-1140.

Bei Erwachsenen kann die Erkrankung variabel verlaufen, auch als pädiatrischer Typ (12)Cureus. 2023 Feb 6;15(2):e34698. doi: 10.7759/cureus.34698.

Bei Erwachsenen besteht häufig eine Assoziation der Kollagengastritis mit anderen Erkrankungen des Magendarmtrakts, inklusive einer Coeliakie (Sprue). Es finden sich bei ihnen auch gehäuft Autoimmunkrankheiten, wie eine Polymyositis (Muskelentzündung) oder eine Hashimoto-Thyreoiditis. Dadurch kann eine große Symptomvielfalt zustande kommen (13)Am J Surg Pathol. 2009 May;33(5):788-98.

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Diagnostik

Diagnoseweisende Labormarker sind nicht bekannt. Gehäuft sind Calprotectin und SAA (Serum Amyloid A) erhöht bzw. positiv.

ANA (antinukleäre Antikörper) sind laut eine Studie an Kindern in 20 % positiv. (14)Clin Transl Gastroenterol. 2020 Aug;11(8):e00219. DOI: 10.14309/ctg.0000000000000219.

Oft liegt eine Eisenmangelanämie vor. Sie kann zusammen mit Bauchbeschwerden Auslöser einer genaueren Diagnostik sein.

Die Erkrankung wird durch eine histologische Diagnostik der Magenschleimhaut gesichert. Typisch sind eine verbreiterte subepitheliale Kollagenschicht (definiert als > 10 μm dick) und ein entzündliches Zellinfiltrat in der Lamina propria, bei dem auch vermehrt Eosinophile gefunden werden können. In den meisten pädiatrischen Fällen ist die kollagene Schleimhautentzündung auf den Magen beschränkt, wohingegen im Erwachsenenalter eine Beteiligung auch von Dünndarm und/oder Dickdarm nicht unüblich ist.

Bei einer Gastroskopie kann vor allem bei Kindern eine diffuse Rötung und feinnoduläre Unregelmäßigkeiten der Schleimhautoberfläche im Magenausgangsbereich erkennbar sein. In der Histologie einer Gewebeprobe findet man eine Schleimhautatrophie mit Verlust der Schleimdrüsen sowie verdickte Kollagenbänder ≥ 10 µm in der Lamina propria. Es können vermehrt eosinophile Granulozyten gefunden werden. (15)Cureus. 2023 Feb 6;15(2):e34698. doi: 10.7759/cureus.34698

Wegen einer möglichen Assoziation mit einer kollagenen oder lymphatischen Dünn- und Dickdarmentzündung (16)Am J Surg Pathol. 2009 May;33(5):788-98, wären die verschiedenen Darmabschnitte ebenfalls endoskopisch und bioptisch zu untersuchen. Eine kollagene Sprue sollte nicht übersehen werden.

Therapie

Wegen der Seltenheit der Erkrankung existiert keine durch Studien begründbare Behandlung. Für die etwas häufigere Kollagenkolitis hat sich Budesonid als primäre Behandlungsform durchgesetzt.Bei einer kollagenen Gastritis wird meist Prednisolon verwendet. In einem kombinierten Fall führte Prednisolon (15 mg) nach zwei Monaten zu einer teilweisen Besserung. (17)Middle East J Dig Dis. 2022 Jan;14(1):131-135

In Einzelfällen können auch andere Behandlungen erfolgreich sein, so beispielsweise Mesalazin (18)Glob Pediatr Health. 2022 Apr 19;9:2333794X221094262. doi: 10.1177/2333794X221094262


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Verweise

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Literatur

Literatur
1Am J Surg Pathol. 2009 May;33(5):788-98
2Middle East J Dig Dis. 2022 Jan;14(1):131-135
3Gastroenterology. 1989 Dec;97(6):1552-5
4Clin Transl Gastroenterol. 2020 Aug;11(8):e00219. DOI: 10.14309/ctg.0000000000000219.
5World J Gastrointest Endosc. 2015 Mar 16;7(3):265-73
6Glob Pediatr Health. 2022 Apr 19;9:2333794X221094262. doi: 10.1177/2333794X221094262
7Dig Liver Dis. 2021 Sep;53(9):1136-1140
8Clin Transl Gastroenterol. 2020 Aug;11(8):e00219. DOI: 10.14309/ctg.0000000000000219.
9Dig Liver Dis. 2021 Sep;53(9):1136-1140
10Clin Transl Gastroenterol. 2020 Aug;11(8):e00219. DOI: 10.14309/ctg.0000000000000219.
11Dig Liver Dis. 2021 Sep;53(9):1136-1140
12Cureus. 2023 Feb 6;15(2):e34698. doi: 10.7759/cureus.34698
13Am J Surg Pathol. 2009 May;33(5):788-98
14Clin Transl Gastroenterol. 2020 Aug;11(8):e00219. DOI: 10.14309/ctg.0000000000000219.
15Cureus. 2023 Feb 6;15(2):e34698. doi: 10.7759/cureus.34698
16Am J Surg Pathol. 2009 May;33(5):788-98
17Middle East J Dig Dis. 2022 Jan;14(1):131-135
18Glob Pediatr Health. 2022 Apr 19;9:2333794X221094262. doi: 10.1177/2333794X221094262