Hepatitis-Serologie

Die Hepatitis-Serologie ermöglicht den Nachweis der immunologischen Reaktion des Körpers auf eine Infektion mit Hepatitisviren. 1)Am J Public Health. 2010 Apr 1;100 Suppl 1(Suppl 1):S118-24. DOI: 10.2105/AJPH.2009.162776. Epub … Continue reading

Grundlagen

Virusinfektionen lösen im Körper eine Immunantwort aus, bei der zuerst Antikörper im Bereich der Immunglobuline-M (IgM) und später dem der Immunglobuline-G (IgG) gebildet werden. Der Nachweis Virus-spezifischer Immunglobuline weist in der Regel eine Auseinandersetzung des Körpers mit dem entsprechenden Virus nach.

Serologische Hepatitis-Marker

  • Anti-HAV: Hepatitis-A-Antikörper (HAV = Hepatitis-A-Virus)
    • Anti-HAV-IgM: Hepatitis-A-Antikörper der Immunglobulin-M-Klasse: sie erscheinen etwa 2-4 Wochen nach Hepatitis-A-Infektion
    • Anti-HAV-IgG: Hepatitis-A-Antikörper der Immunglobulin-G-Klasse: sie bleiben lebenslang nach durchgemachter Hepatitis A nachweisbar
  • HBsAg: Hepatitis-B-surface-Antigen, früher als „Australien-Antigen“ bezeichnet, wird bei der Hepatitis-Serologie meist mitbestimmt und ermöglicht bei frischer Infektion den ersten direkten Nachweis einer HBV-Infektion.
  • Anti-HBs: Hepatitis-B-surface-Antikörper, Antikörper gegen Virusantigene auf der Hülle des Virus, ein positiver Nachweis bedeutet i.d.R. Immunität gegen Hepatitis B
  • Anti-HBc: Hepatitis-B-Core-Antikörper, Antikörper gegen Virusantigene im Zentrum (Kern) des Virus
    • Anti-HBc-IgM: Hepatitis-B-Core-IgM-Antikörper, sie erscheinen i.d.R. bei frischer Hepatitis B-Infektion kurz nach HBs-Ag im Blut und zeigen eine Wirtsreaktion auf das Virus an
  • HBeAg: das HBe-Antigen wird zusammen mit Anti-HBe bestimmt, s. u.
  • Anti-HBe: Hepatitis-Be-Antikörper.
  • HA-Ag: Hepatitis-A-Antigen
  • Anti-HCV: Hepatitis-C-Antikörper (HCV = Hepatitis-C-Virus)

Neben den „klassischen“ Hepatitisviren werden auch andere Virusinfektionen, die mit einer Leberentzündung einhergehen können, die die EBV-Hepatitis und die CMV-Hepatitis serologisch durch Antikörper nachgewiesen (siehe dort).

Serologische Hepatitis-Diagnostik

Hepatitis A

  • Anti-HAV global: wenn positiv, dann Zustand nach Hepatitis A oder aktive Hepatitis A-Infektion,
  • Anti-HAV IgM: wenn positiv, dann Hepatitis A vor kurzem durchgemacht oder gerade aktiv (bei gerade aktiver Hepatitis A ist der Stuhlnachweis der HAV positiv; ist er negativ, ist die Erkrankung gerade überwunden) 2)Gastroenterol Clin North Am. 2020 Jun;49(2):191-199. doi: 10.1016/j.gtc.2020.01.002. Epub 2020 Mar … Continue reading

Hepatitis B

  • HBsAg: Hepatitis-B-surface-Antigen, Antigen der Hülle des Hepatitis-B-Virus. Ein positiver Nachweis bedeutet Infektiosität. In seltenen Fällen kann sich das HBsAg durch eine Mutation der Nachweisbarkeit entziehen, während Anti-HBc und die HBV-DNA noch nachweisbar bleiben. In diesen Fällen besteht eine infektiöse „okkulte HBV-Infektion“ (OBI) 3)World J Gastroenterol. 2016 Oct 21;22(39):8720-8734.
  • Anti-HBs: wenn positiv, dann wahrscheinlich immun (durchgemachte Hepatitis B oder Zustand nach Hepatitis B Impfung).
  • Anti-HBc global: wenn positiv, akute Hepatitis B wahrscheinlich.
  • Anti-HBc-IgM: wenn positiv, akute Hepatitis B sehr wahrscheinlich (dann Nachweis von HBe-Ag: wenn positiv, Virusreplikation (Infektiosität) sehr wahrscheinlich; HBV-DNA-Nachweis durch PCR: sicherer Nachweis einer Infektion und der Infektiosität, auch wenn das HBe-Ag negativ ist).
  • Anti-HBe: wenn HBe verschwindet und Anti-HBe auftaucht, dann wird dies als günstiges Zeichen der Infektionsbewältigung gewertet.

Hepatitis C

  • Anti-HCV: Positive Antikörper gegen Hepatitis C zeigen keine Immunität an sondern sind zu etwa 95% mit Infektiosität verbunden! Wenn Anti-HCV positiv ist, ist eine Hepatitis C-Infektion also sehr wahrscheinlich. Um eine Ausheilung nachzuweisen, die bei über lange Zeit normalen Transaminasen möglich wäre, ist ein direkter Virusnachweis durch HCV-PCR im Blut und ggf. auch im Lebergewebe nötig (wozu eine Leberpunktion erforderlich wäre).

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Verweise

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 


Literatur

Literatur
1 Am J Public Health. 2010 Apr 1;100 Suppl 1(Suppl 1):S118-24. DOI: 10.2105/AJPH.2009.162776. Epub 2010 Feb 10. PMID: 20147697; PMCID: PMC2837431.
2 Gastroenterol Clin North Am. 2020 Jun;49(2):191-199. doi: 10.1016/j.gtc.2020.01.002. Epub 2020 Mar 29. PMID: 32389358; PMCID: PMC7883407.
3 World J Gastroenterol. 2016 Oct 21;22(39):8720-8734