Cholezystitis

Von Fachärzten verständlich geschrieben und wissenschaftlich überprüft

Cholezystitis bedeutet Entzündung der Gallenblase. Sie ist meist durch Gallensteine verursacht und führen zu Schmerzen im rechten Oberbauch. Die Therapie einer symptomatischen Cholezystitis ist meist eine operative Entfernung der Gallenblase (Cholezystektomie). 1) JAMA. 2022 Apr 19;327(15):1514. DOI: 10.1001/jama.2022.2969.


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Einteilung und Definition

  • akute kalkulöse Cholezystitis (90-95%)

Akute Entzündung der Gallenblasenwand, die durch einen obstruktiven Stein im Ductus cysticus verursacht wird,

  • akute akalkulöse Cholezystitis (5-10%)

Akute Entzündung der Gallenblasenwand ohne gleichzeitiges oder früheres Auftreten von Steinen,

  • chronische Cholezystitis

Vorliegen der histologischen Zeichen der chronischen Entzündung der Gallenblasenwand ohne klinische Symptome. Sie stellt eine Präkanzerose für des Gallenblasenkarzinom dar.

Entstehung

Ultraschalluntersuchung bei akuten Oberbauchbeschwerden: Große Gallenblase, gefüllt mit Sludge und kleinen Konkrementen; Verdickung der Gallenblasenwand. Diagnose: akute Cholecystitis bei Cholelithiasis mit beginnendem Gallenblasenhydrops.

Kalkulöse Entzündung: Eine zentrale Bedingung ist eine Stase der Galle in der Gallenblase und damit eine Viskositätserhöhung und Sludgebildung der Galle. Häufig ist die Stase assoziiert mit Gallensteinen (Cholezystolithiasis). Diese Veränderungen und eine gleichzeitig bestehende hypoxämische Schädigung der Gallenblasenwand fördern eine abakterielle Wandentzündung. Über 90% der Fälle einer akuten Gallenblasenentzündung resultieren von einem Steinverschluss der Gallenblase in Höhe ihres Ausführgangs (Ductus cysticus). 2)BMJ. 2002 Sep 21;325(7365):639-43. doi: 10.1136/bmj.325.7365.639. Etwa 10 – 15% der Gallensteinträger entwickeln während ihres Lebens eine akute Cholezystitis. Risikofaktoren sind Übergewicht und weibliches Geschlecht. 3)JAMA. 2022 Apr 19;327(15):1514. DOI: 10.1001/jama.2022.2969.

Akalkulöse Entzündung: Prädispositionen für eine akute Gallenblasenentzündung ohne Steinnachweis sind: Operationen, Traumen, Verbrennungen, Sepsis, Zustand post partum bei Adipositas. Eine Infektion mit Salmonellen bzw. Typhuserregern 4)Front Med (Lausanne). 2020 Aug 18;7:406. DOI: 10.3389/fmed.2020.00406 5)DOI: 10.1001/jama.2022.2969 kann eine akalkulöse Gallenblasenentzündung auslösen. Auch im Rahmen einer Tumorerkrankung (z. B. einer peritonealen Aussaat eines Magenkarzinoms) kann eine Entzündung des Gallenblasenwand entstehen. 6)Int J Surg Case Rep. 2021 Apr;81:105764. doi: 10.1016/j.ijscr.2021.105764

Epidemiologie

Akute kalkulöse Gallenblasenentzündung (mit Steinnachweis) 40.-50.Lebensjahr, f>m
Akute akalkulöse Gallenblasenentzündung (ohne Steinnachweis) ca. 65. Lebensjahr , m>f

Symptomatik

Bei einer Cholezystitis sind folgende Symptome zu finden:

  • Schmerzen im rechten Oberbauch oder Epigastrium,
  • Schmerzausstrahlung nach oben bis zum rechten Schulterblatt (Boas-Zeichen) bzw. in die rechte Schulter oder zwischen beide Schulterblätter;
  • Schmerzverstärkung durch Bewegung (deutet auf eine begleitende Peritonitis),
  • Fieber,
  • Ikterus (10-25%),
  • Appetitlosigkeit,
  • Übelkeit,
  • Tachykardie,
  • Erbrechen.

Bei der Palpation des Oberbauchs Druckschmerz unterhalb des rechten Rippenbogens, lokale Abwehrspannung bei tiefer Inspiration (Murphy-Zeichen), leichte Hepatomegalie (25%).

Die Stärke der Symptome korreliert nicht unbedingt mit dem Schweregrad der Entzündung!

Oft verursacht eine schwelende Gallenblasenentzündung unspezifische Fernwirkungen, wie Herzrhythmusstörungen, Abgeschlagenheit oder unerklärliche rheumatische Beschwerden. Die Cholezystitis wird dann im Rahmen einer Fokussuche entdeckt.

Bei der akuten akalkulösen Form (ohne Nachweis von Gallensteinen) werden diese Symptome wegen der Multimorbidität der Patienten oft übersehen.

Die chronische Gallenblasenentzündung verursacht meist keine spezifischen (diagnoseweisenden) Symptome. Sie prädisponiert zum Gallenblasenkarzinom.

→ Siehe auch unter Differentialdiagnosen der akuten Cholezystitis

Diagnostik

Labor

Zeichen einer akuten (bakteriellen) Entzündung:

→ Siehe auch unter Laborwerten bei Leberkrankheiten

Sonographie

Die Ultraschalluntersuchung ist meist durch Nachweis von Gallensteinen und einer verdickten Gallenblasenwand diagnoseweisend.  Meist findet sich die Gallenblase stark gefüllt und weist eine mehrschichtig lamellierte Wand auf. Oft findet sich um die Gallenblase ein reflexarmer Randsaum.

→ Siehe unter Sonographie der Leber

Röntgen

Computertomographie: Querschnitt durch den Oberbauch. Große Gallenblase mit verdickter Wand und großen Konkrmenten im Inneren. Diagnose: Chronische Cholezystitis mit Cholezystolithiasis. Nebenbefundlich Nierenzysten.

Eine Abdomenleeraufnahme dient dem Nachweis von verkalkten Steinen (in ca. 15% positiv) sowie dem Nachweis von Komplikationen, wie einem pericholezystischen Abszess, einer Gallenblasenperforation, einer emphysematöse Cholezystitis. Eine genauere Diagnose ermöglicht eine Computertomographie.

Hepatobiliäre Funktionsszintigraphie

Sie kann bei nicht eindeutigen klinischen Symptomen zur Diagnosesicherung dienen, ist jedoch in der Regel nicht erforderlich. Sie weist nicht die Cholezystitis direkt nach, sondern die Füllbarkeit der Gallenblase mit frischer Galle.

Diagnosealgorithmus

Die Diagnosewird in erster Linie klinisch verdächtigt und sonographisch bestätigt. Die Computertomographie wird meist präoperativ zur Bestätigung und genaueren anatomischen Beurteilung hinzugezogen.

  • Sensitivität für akute kalkulöse Cholezystitis 95%.
  • Spezifität für akute kalkulöse Cholezystitis 98%.
  • Sensitivität für akute akalkulöse Cholezystitis 68-100%

Siehe auch unter Differentialdiagnosen der akuten Cholezystitis.

Komplikationen

Gallenblasenperforation (10%, Mortalität 10-20%)

  • in den subhepatischen Raum (50%, führt zum pericholezystischen Abszess).
  • ins Leberparenchym (führt zum Leberabszess),
  • in den Gastrointestinaltrakt (15-20%, führt zur bilioenteralen Fistel),
  • in die freie Bauchhöhle (selten, führt zur galligen Peritonitis, Mortalität bis 40%),
  • gedeckt durch Netz oder Darmschlingen.

bilioenterische Fisteln

  • cholezystoduodenale Fisteln (70-75%),
  • cholecystokolische Fisteln (15%),
  • cholecystogastrische Fisteln (5%) Gallensteinileus,
  • durch Perforation eines großen Gallensteins in den Darm.

Hämobilie

  • Symptome: Meläna (90%), Hämatemesis (60%), biliäre Schmerzen (70%), Ikterus (60%),
  • Sicherung der Diagnose einer Hämobilie durch Endoskopie (sichtbare Blutung aus der Papille)

Eitrige Cholezystitis

  • Sie kann zum Gallenblasenempyem führen, besonders häufig bei Diabetikern.

Emphysematöse Cholezystitis

  • Bei einer akuten Cholecystitis sind gelegentlich Gaseinlagerungen in die Gallenblasenwand zu erkennen. Dies deutet auf eine Infektion mit gasbildenden Bakterien hin, was eine besondere Antibiose erfordert (s.u.).

Chronische Cholezystitis

  • Die Cholezystitis kann chronisch verlaufen und in eine Schrumpfgallenblase oder Porzellangallenblase münden. Im Laufe der Jahre steigt das Karzinomrisiko beträchtlich (Gallenblasenkarzinom). Eine chronische Gallenblasenentzündung ist daher eine Indikation für eine Cholezystektomie.

Therapie

Operativ

Bei einer akuten Cholezystitis wird die Gallenblase i.d.R. innerhalb von 24-48 Stunden entfernt (Cholezystektomie). Die Mortalität liegt unter 5% bei kalkulöser Cholezystitis und unter 10% bei akalkulöser Cholezystitis. Die Möglichkeit einer operativen Therapie sollte sofort interdisziplinär besprochen werden. Wenn zu spät operiert wird, erhöhen sich die operativen Schwierigkeiten durch bereits eingetretene Verwachsungen u. U. beträchtlich. Wahrscheinlich ist bei konsequenter Frühoperation die Mortalität wesentlich geringer als oben angegeben.

Konservativ

Die wichtigsten Maßnahmen sind: Nahrungskarenz, Volumen- und Elektrolytsubstitution, Schmerzbekämpfung (z. B. mit Butylskopolamin, Pentazozin, Pethidin, Tramadol)

Antibiotika bei komplikationsloser Cholecystitis: gegen Aerobier (z.B. Amoxicillin/Ampicillin plus Clavulansäure oder Sulbactam, Mezlocillin, Cefotiam).

Antibiotika bei emphysematöser Cholezystitis (röntgenologischer Nachweis von Gas in der Gallenblasenwand): gegen Aerobier und Anaerobier (zusätzlich z.B. Metronidazol)

→ Zu Medikamenten bei Leberkrankheiten siehe hier.

Verweise

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 


Literatur

Literatur
1 JAMA. 2022 Apr 19;327(15):1514. DOI: 10.1001/jama.2022.2969.
2 BMJ. 2002 Sep 21;325(7365):639-43. doi: 10.1136/bmj.325.7365.639.
3 JAMA. 2022 Apr 19;327(15):1514. DOI: 10.1001/jama.2022.2969.
4 Front Med (Lausanne). 2020 Aug 18;7:406. DOI: 10.3389/fmed.2020.00406
5 DOI: 10.1001/jama.2022.2969
6 Int J Surg Case Rep. 2021 Apr;81:105764. doi: 10.1016/j.ijscr.2021.105764