Calcitonin

Calcitonin ist ein Polypeptid-Hormon aus 32 Aminosäuren, das den Knochenabbau hemmt und eine akute Hyperkalzämie zu senken vermag.

Physiologie

Calcitonin wird in den C-Zellen der Schilddrüse gebildet, die etwa 0,1% des Organs ausmachen. Als Trigger für  seine Freisetzung fungieren vor allem Kalzium und Magnesium, aber auch Alkohol und einige gastrointestinale Hormone, so z. B. Gastrin.

Die physiologische Bedeutung des Hormons scheint darin zu liegen, einen vermehrten Knochenabbau in Zeiten eines vermehrten Kalziumbedarfs zu verhindern [1]. Seine Wirkung erfolgt durch Hemmung der Osteoklasten. Mehr zum Knochenstoffwechsel siehe hier.

Eine andauernde Calcitonin-Überproduktion, wie sie bei der C-Zell-Hyperplasie und beim medullären Schilddrüsenkarzinom vorkommt, erhöht die renale Bildung von 1,25- Dihydroxycholecalciferol, welches zusammen mit Parathormon das Knochen-Remodelling steigert.

Calcitonin als Medikament

Calcitonin vom Salm ist wirksam bei der Behandlung der Osteoporose, des Morbus Paget, und wahrscheinlich der Osteoarthritis, der paraneoplastischen Hyperkalzämie und des komplexen regionalen Schmerzsyndroms (complex regional pain syndrome (CRPS); andere Bezeichnung: algodystrophisches Syndrom). Es steigert die Knochendichte am Wirbelkörper und stabilisiert seine mikrotrabekuläre Struktur. Dies ist besonders für die Osteoporose-Prophylaxe postmenopausaler Frauen von Bedeutung [2].

Die Verabreichung erfolgt subkutan, intramuskulär oder als Nasenspray. Eine neu entwickelte orale Form der Applikation scheint ebenfalls wirksam zu sein. Um die Knochenstabilität zu erhöhen, wird wegen der zirkadianen Rhythmik der Knochenresorption mit Maximum in den Abendstunden eine abendliche Applikation empfohlen [3][4]. Messbar ist der Erfolg von Calcitonin an einer Unterdrückung von CTX-I, einem Marker für die Aktivität der Knochenresorption.

Calcitonin senkt den Kalziumspiegel im Blut rasch und kann daher zur Therapie einer akuten Hyperkalzämie verwendet werden.

Calcitonin als Labormarker

Calcitonin wird beim C-Zell-Karzinom der Schilddrüse (dem medullären Schilddrüsenkarzinom) und bei der C-Zell-Hyperplasie vermehrt gebildet; es kann daher als Tumormarker dienen. Im Zweifelsfall vermag ein Provokationstest mit Pentagastrin oder Kalzium es, diese Krankheiten aufzudecken [5].

Calcitonin kann zur Verlaufskontrolle und zur prognostischen Einschätzung nach Schilddrüsenresektion verwendet werden [6][7].

Vorstufe von Calcitonin ist Procalcitonin, welches zur Diagnostik einer Sepsis dient (siehe hier).


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Verweise

Literatur

  1. ? Dan Med Bull. 1985 Mar;32(1):1-28
  2. ? J Bone Miner Res. 2005 Sep;20(9):1548-61
  3. ? BMC Clin Pharmacol. 2008 Dec 4;8:12
  4. ? Karsdal MA et al. J Clin Pharmacol. 2010 Jul 21. [Epub ahead of print]
  5. ? J Clin Endocrinol Metab. 1994 Jan;78(1):114-20
  6. ? J Clin Endocrinol Metab. 2007 Feb;92(2):450-5
  7. ? Nat Clin Pract Endocrinol Metab. 2009 Jan;5(1):35-44