Benigne Prostatahyperplasie

Definition

Die Benigne Prostatahyperplasie (BPH) stellt eine gutartige, d.h. eine nicht infiltrierende Vergrößerung des Organs dar. Dabei vermehren sich sowohl das Drüsengewebe als auch das Stroma in der Innenzone (Prostatakarzinom überwiegend in der Aussenzone). Die Vergrößerung ist harmlos und hat ansich keinen Krankheitswert. Erst die zunehmende Symptomatik und die Komplikationen geben Anlaß zu einem ärztlichen Eingriff.

Fälschlicherweise wird dieses Krankheitsbild manchmal als Prostatahypertrophie bezeichnet. Hypertrophie bedeutet Volumenzunahme der Zelle. Der hier stattfindende Prozess geht allerdings auf eine Zellvermehrung zurück und wird daher mit dem Begriff Prostatahyperplasie umschrieben.


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Epidemiologie

Die Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu: 25% bei 50-60 Jährigen, 40% bei > 60 Jährigen.

Ätiologie

Sie ist weitgehend unbekannt; mehrere Hypothesen stehen in Diskussion:

  • Androgen-Östrogen-Haushalt gestört: altersbedingte Zunahme von Östrogenen, Abnahme von Testosteron
  • Erhöhte 5-alpha-Reduktase-Aktivität, die besonders wirksames Dihydrotestosteron intrazellulär herstellt, vermehrte Androgenrezeptoren
  • Stammzellproliferation irregulär, Überproduktion
  • Erhöhte Östrogenkonzentration führt zu verminderter Apoptose (programmierter Zelltod), somit zu längerer Lebensdauer der Prostatazellen.

Symtomatik

Die benigne Prostatahyperplasie gilt als häufigste Ursache der Blasenentleerungsstörung beim Mann. Im Vordergrund stehen Miktionsbeschwerden (LUTS, “lower urinary tract symptoms”). Sie werden unterteilt in

obstruktive Symptome (durch Verengung der Harnröhre)

  • Miktionszeit verlängert
  • Miktionsbeginn verzögert
  • Harnstrahl abgeschwächt
  • “Harnstottern”
  • Restharn

irritative Symptome

Nomenklatur
Wird durch den standardisierten Fragebogen IPSS erhoben.

LUTS lower urinary tract symtpoms Beschwerden bei der Miktion
BPE benign prostatic enlargement Vergrößerung über 30 cm2
BOO bladder outlet obstruction Entleerungsstörung (Uro-Flowmetrie)
BPO benign prostatic obstruction BOO + BPE

Diagnostik

Der Verdacht auf eine Prostatavergrößerung gründet sich auf anamnestische Angaben, den Fragebogen IPSS und Untersuchungen:

Digital rektale Untersuchung

Palpation der Prostata vom Rektum aus. Aufschluss über Konsistenz, Größe , Homogenität und Kontur. Diese Untersuchung kann allein schon zu einer PSA-Erhöhung (Tumormarker) führen.

Sonographie

Die Sonographie erfolgt transvesikal oder transrektal. Sehr genaue Erfassung von Größen- und Strukturveränderungen.

Uroflowmetrie

Bei der Uorflowmetrie (Harnflussbestimmung) sinkt der Harnfluss unter 15ml/s.

PSA

Das Prostata-spezifische Antigen (PSA) wird zur Abgrenzung von einem malignen Geschehen bestimmt. Jede Erhöhung über 4 ng/ml sollte bioptisch geklärt werden.

Komplikationen

Die benigne Prostatahyperplasie prädisponiert zu Komplikationen:

  • Harnwegsinfektionen: 5-10%
  • Akuter Harnverhalt: 2-5%, Notfallsitutation! (-> transurethraler Blasenkatheter oder suprapubische Drainage)
  • Hämaturie: 2-3%
  • Blasensteine
  • Pseudodivertikel

Therapie – konservativ

Abwarten

Eine benigne Prostatahyperplasie ist ein altersbedingter Prozess und per se nicht bösartig. Bei milder Symptomatik kann durchaus auf eine Therapie verzichtet werden, wenn durch geeignete Umstellung der Lebensführung eine erträgliche Verbesserung erzielt wird. Dazu gehören u. a. Alkoholverzicht, aktives Vermeiden einer Blasenvorfüllung, schlackenreiche Kost und körperliche Bewegung.

Phytotherapie

Eine Therapie auf pflanzlicher Basis kann Symptome lindern. Angeblich nützen Diäten aus Kürbissamen, Stechpalmen und Brennnesseln; sie sollen dekongestionierende (entschwellende) und entzündungshemmende Wirkungen entfalten.

Antiandrogene Therapie

5-alpha-Reduktase-Hemmer: Absenken der Spiegel männlicher Geschlechtshormone: Zur Unterbindung der Bildung von DHT (Dihydrotestosteron) wird ein 5-alpha-Reduktase-Hemmer verabreicht. Die 5-Alpha-Reduktase bewirkt eine Umwandlung des Testosterons zum dreifach potenteren Dihydrotestosteron. Wird sie gehemmt, so wird die gesamte androgene Wirkung reduziert.   Damit geht eine Reduktion des Prostatavolumens bis zu ca. 30% einher.

Alpha1-Blocker verbessern zusätzlich die Blasenentleerung über Hemmung des Sympathikuseinflusses, da häufig überlagernd eine Reizblase besteht.

Therapie – operativ

Indikation:

  • hoher Restharn
  • Hämaturie
  • wiederholter oder chronischer Harnverhalt
  • Dilatation der oberen Harnwege
  • Rezidivierende Harnwegsinfekte

Elektroresektion (TUR-P)

Sie stellt das Standardverfahren dar: transurethrale Hochfrequenzabtragung per Resektoskop mit Beibehaltung der chirurgischen Kapsel.

Komplikationen:

  • Postoperatives TUR-Syndrom selten; möglich durch ständige Gabe von Spülflüssigkeit, dadurch Hypervolämie und Hyponatriämie bis hin zum Lungenödem und Nierenversagen,
  • Kapselperforation,
  • Harnblasenverletzung,
  • Harnwegsinfekt,
  • Inkontinenz durch Schädigung des Verschlussmechanismus (Sphinkter-Verletzung),
  • Harnröhrenstrikturen,
  • Zeugungsunfähigkeit wegen retrograder Ejakulation (in die Blase).

Transurethrale Inzision (TUIP)

Hierbei handelt es sich nicht um eine Gewebsentfernung, sondern nur um einen Einschnitt der Prostata. Sie ist effektiv bei Patienten mit kleiner Prostata.

Offene Enukleation

Die offene Enukleation ist eine suprapubische transvesikale oder transkapsuläre (=retropubische) radikale Prostatektomie. Es wird eine stumpfe Ausschälung des Gewebes vorgenommen, so dass die Prostatakapsel,die Samenblasen und auch die Potenz normalerweise erhalten bleiben. Sie wird meist bei Prostatagrößen > 80g indiziert.

Verweise

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).