Antibiotika-assoziierte Diarrhö

Von Fachärzten verständlich geschrieben und wissenschaftlich überprüft

Die Antibiotika-assoziierte Diarrhö ist eine Durchfallerkrankung in der Folge einer antibiotischen Therapie. Sie ist durch eine Schädigung der normalen Darmflora (Mikrobiom des Darms) bedingt, durch die Krankheitskeime hochkommen und überwuchern können. Ein häufiger Keim, der nach einer antibiotischen Behandlung aufkommen und Durchfälle auslösen kann, ist Clostridioides difficile (siehe hier).


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Entstehung

Durch die Wirkung von Antibiotika wird die Darmflora in ihrer Keimzusammensetzung verändert. Nicht nur pathogene Keime (Krankheitsverursacher) werden getroffen, sondern auch nützliche Bakterienstämme, die zum körpereigenen Mikrobiom gehören. Es kommt zur Überwucherung von Darmkeimen, an die das Abwehrsystem des Darms nicht angepasst ist. Ihre Toxine (Giftstoffe) verursachen Durchfälle. Die Abwehrreaktionen führen zu einer Entzündung der Darmschleimhaut. In etwa 10-15% der durch Antibiotika ausgelösten Diarrhöen ist die Entzündungsreaktion erheblich und führt zu einer pseudomembranösen Kolitis. Sie wird durch den Keim Clostridioides difficile ausgelöst.

Immungeschwächte Menschen reagieren auf Antibiotika besonders ausgeprägt mit einer Darmentzündung.

Eine während eines Klinikaufenthaltes durchgeführte antibiotische Therapie jedweder Art erhöht laut einer Studie das Risiko einer Clostridium-assoziierten Enteritis um das etwa 3-fache. 1)J Antimicrob Chemother. 2021 Jul 15;76(8):2182-2185. DOI: 10.1093/jac/dkab151. PMID: 33969419.

Diagnostik

Wenn ein zeitlicher Zusammenhang zwischen Antibiotika-Einnahme und Auftreten der Diarrhö besteht, muss an eine antibiotika-assoziierte Diarrhö gedacht werden. Wenn die Diarrhö nach Absetzen sistiert, ist diese Hypothese sehr wahrscheinlich.

Ausgeprägte pseudomembranöse Kolitis durch Clostridium difficile.

Im Rahmen einer Antibiotikatherapie kann sich eine pseudomembranösen Kolitis entwickeln. Sie muss verdächtigt werden, wenn die durch Antibiotika bedingten Durchfälle nach Absetzen anhalten. Gesichert wird sie durch den Nachweis von Clostridium difficile und seinem Toxin (Clostridientoxin A). 2)Gastroenterol Clin North Am. 2021 Jun;50(2):323-340. DOI: 10.1016/j.gtc.2021.02.010. PMID: … Continue reading Endoskopisch (bei einer Dickdarmspiegelung) imponiert das Bild schmierig-eitriger Auflagerungen auf die entzündete Schleimhaut (siehe hier).

Therapie

  • Als erstes sollte die Antibiotika-Therapie – wenn möglich – beendet oder zumindest geändert werden.
  • Wenn die Diarrhö weiter besteht und Clostridium difficile bzw. das Clostridientoxin A nachgewiesen werden, kommt Metronidazol als Antibiotikum in Betracht, wenn es nicht hilft, auch Vancomycin.
  • Ergebnisse mit einer duodenalen Infusion eines Stuhlaufgusses eines gesunden Donors (auch als Stuhltransplantation bezeichnet) ist selbst in Fällen eines Therapieversagens dieser Maßnahmen wirkungsvoll (siehe hier). 3) 2016 Dec;67(6):859-866. Bei einer hohen Relapsrate war eine koloskopische Implantation die effektivste Form der Einbringung. 4) 2016 Nov 1;165(9):609-616. doi: 10.7326/M16-0271.
  • Eine neue Möglichkeit eröffnet sich durch die Entwicklung eines Antibiotikums, welches die normale Darmflora nur wenig beeinflusst: Fidamoxomicin (Dificlir) wirkt ebenso gut wie Vancomycin und Metronidazol bzw. deren Kombination, in leichteren Fällen sogar besser. Es schützt weitgehend vor einem Wiederaufflammen (Relaps). 5)Int J Infect Dis. 2021 Feb;103:226-233. DOI: 10.1016/j.ijid.2020.11.004.

Laut einer Analyse hat sich in den USA die Therapie weitgehend von Metronidazol als Antibiotikum der ersten Wahl auf orales Vancomycin und Fidaxomicin verlagert; dies gilt selbst für eine erste Episode einer Clostridium-Infektion. 6)Am J Emerg Med. 2020 Oct;38(10):2203-2208. DOI: 10.1016/j.ajem.2020.06.083. Epub 2020 Jul 4. … Continue reading

Vorbeugung

In jedem Fall ist eine restriktive Indikationsstellung für eine antibiotische Therapie sinnvoll und geboten. Eine Prophylaxe mit Probiotika (z. B. Saccharomyces boulardii oder Lactobacillus rhamnosus) senkt nach einer Metaanalyse von Studien in Kliniken die Rate an Antibiotika assoziierter Diarrhö und Clostridium difficile-Infektionen. 7) 2013 May 28;7(2):e56-67. Eine Cochrane-Analyse bestätigte einen mäßigen positiven Effekt. 8)Cochrane Database Syst Rev. 2019 Apr 30;4(4):CD004827. DOI: 10.1002/14651858.CD004827.pub5. PMID: … Continue reading

Die Suche nach geeigneten Bakterienstämmen führte zu unkonventionellen „smart probiotics“. Dazu gehören:  Akkermansia muciniphila, Faecalibacterium prausnitzii, Bacteroides fragilis sowie Mitglieder der Clostridiencluster IV, XIVa, and XVIII. Dabei muss das Problem gelöst werden, die Bakterien an der richtigen Stelle im Darm freizusetzen. 9) 2017 Sep 29;8:1889. doi: 10.3389/fmicb.2017.01889.


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Verweise

Fachinfos

Patienteninfos

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 


Literatur

Literatur
1 J Antimicrob Chemother. 2021 Jul 15;76(8):2182-2185. DOI: 10.1093/jac/dkab151. PMID: 33969419.
2 Gastroenterol Clin North Am. 2021 Jun;50(2):323-340. DOI: 10.1016/j.gtc.2021.02.010. PMID: 34024444.
3 2016 Dec;67(6):859-866.
4 2016 Nov 1;165(9):609-616. doi: 10.7326/M16-0271.
5 Int J Infect Dis. 2021 Feb;103:226-233. DOI: 10.1016/j.ijid.2020.11.004.
6 Am J Emerg Med. 2020 Oct;38(10):2203-2208. DOI: 10.1016/j.ajem.2020.06.083. Epub 2020 Jul 4. PMID: 33071079.
7 2013 May 28;7(2):e56-67.
8 Cochrane Database Syst Rev. 2019 Apr 30;4(4):CD004827. DOI: 10.1002/14651858.CD004827.pub5. PMID: 31039287; PMCID: PMC6490796.
9 2017 Sep 29;8:1889. doi: 10.3389/fmicb.2017.01889.