Antibiotika-assoziierte Diarrhö

Die Antibiotika-assoziierte Diarrhö ist eine Durchfallerkrankung in der Folge einer antibiotischen Therapie.

Entstehung

Durch die Wirkung von Antibiotika wird die Darmflora in ihrer Keimzusammensetzung verändert. Nicht nur pathogene Keime (Krankheitsverursacher) werden getroffen, sondern auch nützliche Bakterienstämme, die zum körpereigenen Mikrobiom gehören. Es kommt zur Überwucherung von Darmkeimen, an die das Abwehrsystem des Darms nicht angepasst ist. Ihre Toxine (Giftstoffe) verursachen Durchfälle. Die Abwehrreaktionen führen zu einer Entzündung der Darmschleimhaut; in etwa 10-15% der durch Antibiotika ausgelösten Diarrhöen ist sie stark und führt zu einer pseudomembranösen Kolitis.

Immungeschwächte Menschen reagieren leichter auf Antibiotika mit einer Darmentzündung.

Diagnostik

Wenn ein anamnestischer zeitlicher Zusammenhang zwischen Antibiotika-Einnahme und Auftreten der Diarrhö besteht, muss an eine antibiotika-assoziierte Diarrhö gedacht werden. Wenn die Diarrhö nach Absetzen sistiert, ist diese Hypothese sehr wahrscheinlich.

Im Rahmen einer Antibiotikatherapie kann sich eine pseudomembranösen Kolitis entwickeln. Sie wird verdächtigt, wenn die durch Antibiotika bedingten Durchfälle nach Absetzen anhalten. Gesichert wird sie durch Nachweis von Clostridium difficile und seinem Toxin (Clostridientoxin A). Endoskopisch imponiert das Bild schmierig-eitriger Auflagerungen auf die entzündete Schleimhaut (siehe hier).

Therapie

  • Als erstes muss die Antibiotika-Therapie geändert oder am besten – wenn möglich – beendet werden.
  • Wenn die Diarrhö weiter besteht und Clostridium difficile bzw. das Clostridientoxin A nachgewiesen werden, kommt Metronidazol als Antibiotikum in Betracht, wenn es nicht hilft, auch Vancomycin.
  • Ergebnisse mit einer duodenalen Infusion eines Stuhlaufgusses eines gesunden Donors (auch als Stuhltransplantation bezeichnet) ist selbst in Fällen eines Therapieversagens dieser Maßnahmen wirkungsvoll (siehe hier). 1) 2016 Dec;67(6):859-866. Bei einer hohen Relapsrate war eine koloskopische Implantation die effektivste Form der Einbringung. 2) 2016 Nov 1;165(9):609-616. doi: 10.7326/M16-0271.

Vorbeugung

In jedem Fall ist eine restriktive Indikationsstellung für eine antibiotische Therapie sinnvoll und geboten. Eine Prophylaxe mit Probiotika (z. B. Saccharomyces boulardii oder Lactobacillus rhamnosus) senkt nach einer Metaanalyse von Studien in Kliniken die Rate an Antibiotika assoziierter Diarrhö und Clostridium difficile-Infektionen. 3) 2013 May 28;7(2):e56-67. Die Suche nach geeigneten Bakterienstämmen führte zu unkonventionellen “smart probiotics”. Dazu gehören:  Akkermansia muciniphila, Faecalibacterium prausnitzii, Bacteroides fragilis sowie Mitglieder der Clostridiencluster IV, XIVa, and XVIII. Dabei muss das Problem gelöst werden, die Bakterien an der richtigen Stelle im Darm freizusetzen. 4) 2017 Sep 29;8:1889. doi: 10.3389/fmicb.2017.01889.

Verweise

Fachinfos

Patienteninfos

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 


Literatur   [ + ]

1. 2016 Dec;67(6):859-866.
2. 2016 Nov 1;165(9):609-616. doi: 10.7326/M16-0271.
3. 2013 May 28;7(2):e56-67.
4. 2017 Sep 29;8:1889. doi: 10.3389/fmicb.2017.01889.