Alkaptonurie – Ochronose

Die Alkaptonurie ist eine Stoffwechselkrankheit, bei der sich im mittleren Lebensalter Gelenk- und Wirbelsäulenbeschwerden entwickeln. Sie ist Ursache der Ochronose, einer Braunverfärbung (der Name ist verwandt mit „ocker“) durch Ablagerung von Pigmenten im Bindegewebe der Haut und in Gelenkknorpeln [1].


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Inzidenz

Die Erkrankung ist mit etwa 1:250000 selten. In einigen Gegenden der Welt soll sie häufiger vorkommen, so in der dominikanischen Republik und der Slovakei.

Ätiopathogenese

Die Alkaptonurie beruht auf einer autosomal-rezessiv vererbte Krankheit des Tyrosinstoffwechsels. Durch Defizienz der Homogentisinsäure-Dioxigenase kommt es zu einer Ansammlung von Homogentisinsäure im Bindegewebe des Körpers, die dort zu einem polymerisiert, durch Oxidation zu einem dunklen Pigment wird und zur Destruktion von Knorpeln an Gelenken und der Wirbelsäule führt. Auch andere stark belastete Bindegewebe können geschädigt werden, so z. B. auch das der Herzklappen oder Aorta.

Es gibt eine exogene Form der Ochronose, die durch Hydrochinon ausgelöst wird. Dies ist ein stark reduzierendes toxisches Mittel, welches in den Tropen gelegentlich gegen Überpigmentierung verwendet wird. Diese Form ist von der durch eine Alkaptonurie bedingten Ochronose zu unterscheiden.

Symptomatik und klinischer Befund

Kinder sind in der Regel noch beschwerdefrei. Allerdings kann schon dunkler Urin auffallen (in Windeln oder Unterwäsche).

Ab der 3. bis 4. Lebensdekade entwickeln sich allmählich erkennbare bläuliche Verfärbungen der Haut und der Skleren (siehe Differenzialdiagnose der blauen Skleren). Es treten Gelenkbeschwerden auf, meist zuerst an den belasteten Gelenken der Hüften, Knie und Schulterarmgelenken, zudem auch Schmerzen an der unteren Wirbelsäule und am Kreuzbein; die Differenzialdiagnose ist hier der Morbus Bechterew (ankylosierende Spondylitis):

Die Alkaptonurie kann in selteneren Fällen auch Veränderungen an Herzklappen verursachen und zu Knochenbrüchen [2] und Nierensteinen führen.

Diagnostik

Ungewöhnlich dunkler Urin sollte schon bei Kleinkindern an die Möglichkeit einer Alkaptonurie denken lassen. Später ist des die bläulich-graue Haut und die blauen Skleren, die zur Diagnose hinleiten können. Gelenkbeschwerden im mittleren Lebensalter für sich genommen sind meist nicht sehr diagnoseweisend, da hierbei in erster Linie an eine rheumatische Erkrankung zu denken ist (z. B. an die rheumatoide Arthritis).

Der Urin verfärbt sich durch Zusatz von Natriumhydroxid schwarz [3].

Bestätigt wird die Diagnose durch Bestimmung der Homogentisinsäure im Urin.

Die verantwortliche genetische Störung kann molekulargenetisch nachgewiesen werden [4].

Differenzialdiagnosen

Die schmutzig-bläuliche Hautfarbe kann auch an eine Argyrie (Silbervergiftung) und eine Arsenmelanose denken lassen.

Liegt nur eine Blauverfärbung der Skleren der Augen und keine Hautverfärbung vor, so sind verschiedene Differenzialdiagnosen zu berücksichtigen (siehe hier).

Die Rückenschmerzen lassen an einem Morbus Bechterew denken, Gelenkbeschwerden an eine Form einer Osteoarthritis (z. B. an eine rheumatoide Arthritis).

Therapie

Die Behandlung ist rein symptomatisch. Ob eine Einschränkung der diätetischen Zufuhr von Tyrosin und Phenylalanin nutzt, ist zweifelhaft.

Verweise

Literatur

  1. ? Dermatol Online J. 2010 Nov 15;16(11):6
  2. ? Clin Med Res. 2004 Nov;2(4):209-15
  3. ? Clin Med Res. 2004 November; 2(4): 209–215
  4. ? Genomics. 1994 Jan 1;19(1):5-8