Staphylokokken

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Staphylokokken sind grampositive Bakterien und gehören zu den häufigsten Bakterienstämmen der menschlichen potenziell krank machenden (pathogenen) Mikrobiota. Sie sind Auslöser von schwer verlaufenden eitrigen Infektionen und einer septischen Blutvergiftung. Staphylococcus aureus und Koagulase-negative Staphylokokken (CoNS) sind die häufigsten Krankheitserreger. Zu den CoNS gehört der Hautkeim Staphylococcus epidermidis. 1)Pol J Microbiol. 2021 Mar;70(1):13-23. DOI: 10.33073/pjm-2021-005.

Staphylokokken weisen folgende Charakteristika auf:

  • Kokken mit Organisation: in Haufen
  • sporenlos,
  • fakultativ anaerob
  • Katalase-positiv (im Gegensatz zu Streptokokken)
  • häufig Beta-Lactamase-Bildner: Penicillin-Resistenz,
    • bei Resistenz gegen penicillinasefeste Penicilline: MRSA (Methicillinresistenter S. aureus).

Virulenzfaktoren und Toxine

Die Zellschädigung durch Staphylokokken beruht auf verschiedenen Toxinen, insbesondere spielen Hämolysine, Zweikomponenten-Leukocidine und phenollösliche Moduline sowie Enterotoxine und das Toxic-Shock-Toxin eine Rolle. Auch werden extrazelluläre Proteasen und Lipasen produziert, die den Wirt angreifen. 2)Biochemistry. 2016. May 03;55(17):2510–2517.   3)Toxins (Basel). 2018. Mar 27;10(4):139. Eine bedeutende Rolle spielt auch die Fähigkeit, Biofilme zu produzieren. 4)Proc Natl Acad Sci USA. 2018. Jul 10;115(28):7416–7421 5)Pol J Microbiol. 2021 Mar;70(1):13-23. DOI: 10.33073/pjm-2021-005

Krankheiten

Staphylokokken gehören zu der häufigsten Erregern, die bei folgenden Erkrankungen gefunden werden: Dermatitis, Abszesse, Furunkulose, Furunkel, Follikulitis, Impetigo oder Mastitis, Osteomyelitis, Otitis, Wundinfektion, Endophthalmitis, Harnwegsinfektion, Meningitis und (selten) Lungenentzündung.

Zu den bei diesen Erkrankungen gefundenen Stämme gehören S. epidermidis, Staphylococcus saprophyticus, Staphylococcus lugdunensis und S. schleiferi.

Die Keime können sich über die Blutbahn ausbreiten („blood steam infections“, BSI: Bakteriämie, Septikämie, Sepsis) und eine bakterielle Endokarditis (mit Destuktion der Herzklappen) und Meningitis / Meningoenzephalitis hervorrufen. 6)Acta Paediatr. 2017. Oct;106(10): 1576–1582 Eine Staphylokokken-BSI (blood stream infection) hat eine hohe Mortalität. In soll sie bei 19,4% liegen. 7)Euro Surveill. 2014 Dec 11;19(49):20987. doi: 10.2807/1560-7917.es2014.19.49.20987.

S. aureus

Staphylococcus aureus ist einer der am häufigsten Erreger von im Krankenhaus oder ambulant erworbenen Infektionen. Sie können sich nur in Menschen oder Tieren vermehren. Sie lassen sich insbesondere auf Haut und Schleimhäuten, insbesondere am Damm und im Rachen finden.

  • 20-50% der Menschen tragen den Keim im Nasopharynx → Übertragung: Schmierinfektion.
  • Häufigster Erreger nosokomialer Wundinfektionen!
  • Virulenzfaktoren: Protein A (Oberflächenprotein, was Fc-Teile der Antikörper bindet und so die Phagozytose behindert, Koagulase (aktiviert letzten Schritt der Gerinnungskaskade, Fibrinablagerung schützt vor Phagozytose)
  • Abgrenzung zu anderen Staphylokokken: Koagulase- oder Clumpingfactor-Nachweis
  • Folgen: Pneumonie, Sepsis, eitrige Infektionen, Furunkel, Abszesse (Koagulase!), Empyem

S. epidermidis

  • Teil der normalen Hautflora
  • Koagulase-negativ
  • Siedelt auf implantiertem Kunststoff ab (Staphylokokken-Biofilm), u.a. Katheter, Herzklappen.

S. saprophyticus

  • v.a. bei jungen Frauen
  • Folgen: aszendierende Harnwegsinfekte
  • Abgrenzung zu anderen Staphylokokken: Resistenz gegen Novobiocin

Therapie

  • Penicillin G (nach Nachweis der Empfindlichkeit über ein Antibiogramm)
  • Kalkulierte Initialtherapie: z. B. Flucloxacillin (penicillinasefestes Penicillin) wg. der Mehrzahl der Beta-Lactamase bildenden Staphylokokken
  • bei MRSA (Grund: niedrig-affines Penicillin-Bindungsprotein): Antibiogramm-optimierte Behandlung, oft Vancomycin

Die MRSA-Therapie ist schwierig. Empfohlen werden Kombinationen von Antibiotika, wie Vancomycin plus Daptomycin oder Linezolid oder die Zugabe von Gentamycin oder Rifampin zu entweder Vancomycin oder Daptomycin. 8)Semin Respir Crit Care Med. 2015 Feb;36(1):3-16. DOI: 10.1055/s-0034-1396906. Entscheidend ist jeweils das Antibiogramm.


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Verweise

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 

 

 


Literatur

Literatur
1 Pol J Microbiol. 2021 Mar;70(1):13-23. DOI: 10.33073/pjm-2021-005.
2 Biochemistry. 2016. May 03;55(17):2510–2517.
3 Toxins (Basel). 2018. Mar 27;10(4):139.
4 Proc Natl Acad Sci USA. 2018. Jul 10;115(28):7416–7421
5 Pol J Microbiol. 2021 Mar;70(1):13-23. DOI: 10.33073/pjm-2021-005
6 Acta Paediatr. 2017. Oct;106(10): 1576–1582
7 Euro Surveill. 2014 Dec 11;19(49):20987. doi: 10.2807/1560-7917.es2014.19.49.20987.
8 Semin Respir Crit Care Med. 2015 Feb;36(1):3-16. DOI: 10.1055/s-0034-1396906.