Cushing-Syndrom

Definition

Das Cushing-Syndrom ist durch eine Überproduktion des Nebennierenrindenhormons Kortisol ausgelöst (Hyperkortisolismus). Durch die Hormonwirkung kommt es zu einer Reihe klinische Symptome und Funktionsstörungen des Körpers.

Ätiopathogenese

Als Ursachen kommen in Frage :

  • Hypophysenvorderlappenadenom: es ist mit etwa 70% die häufigste Ursache eines Cushing-Syndroms (Morbus Cushing im engeren Sinn). Seine vermehrte ACTH-Produktion regt ständig die Nebenniere zur Bildung von Nebennierenhormonen, insbesondere von Kortison und seinen Derivaten an.
  • Nebennierentumor (20%) Adenom oder Karzinom mit vermehrter Kortisolproduktion. Die hohe unkontrollierte Produktion von Nebennierenhormonen führt zur Unterdrückung der Bildung von ACTH in der Hypophyse.
  • ACTH-produzierender Tumor (10%), z.B. kleinzelliges Bronchialkarzinom. In diesem Fall bildet sich das ACTH-produzierende Gewebe der Hypophyse zurück (Atrophie) und reagiert deutlich geringer als normal auf den von Zwischenhirn ankommenden Stimulus durch CRH (Corticotropin releasing hormone).

Klinik und Symptomatik

Folgende Symptome können auftreten :

  • rundes Gesicht,
  • Stammfettsucht,
  • Striae (meist rubrae),
  • Virilisierung und Amenorrhoe bei Frauen,
  • Osteoporose (mit den typischen Symptomen und Folgezuständen),
  • Adynamie,
  • papierdünne Haut mit Ekchymosen

Diagnostik

Labor: Ausscheidung von 17-OH-Kortikoiden im 24-Stundenurin. Kortisoltagesprofil (erhöhte Werte und aufgehobener Tag-Nacht-Rhythmus, auch nachts hohe Werte). Die ACTH-Bestimmung lässt zwischen der zentralen und der adrenalen Form unterscheiden. Dexamethason-Hemmtest: Dexamethason unterdrückt die ACTH-Bildung und damit auch die ACTH-abhängige Kortisol-Bildung in den Nebennieren. Bei zentralem Cushing-Syndrom wird ACTH nicht unterdrückt; bei peripherem Cushing-Syndrom wird ACTH unterdrückt, nicht aber die Kortisolproduktion.

Lokalisationsdiagnostik: Sella-Spezialaufnahme, Sonographie der Nebennieren, CT der Nebennieren und der Sella turcica

Therapie

Operative Sanierung, wenn möglich: Adrenalektomie, transsphenoidale Adenomektomie

Bei Inoperabilität: Unterdrückung der Kortisolproduktion medikamentös durch Metopiron oder Ketoconazol o.ä.

Sonderform: Ektopisches ACTH-Syndrom

Das ektopische ACTH-Syndrom ist eine seltene Ursache des Cushing-Syndroms. Bei ihm finden sich ACTH-produzierende Zellen außerhalb der Hypophyse. Eine Paraneoplasie (ACTH-Bildung durch Tumorzellen, s. o.) kann das gleiche Bild hervorrufen.

Mögliche Lokalisationen: Lungen, Thymus, Schilddrüse, Pankreas, Nebennierenmark.

Diagnostik: beidseitige Katheterisierung des Sinus petrosus inferior, CRH-Applikation und Messung einer ACTH-Antwort. Sie fehlt bei ektopem ACTH-Syndrom oder ist nur schwach ausgeprägt (wegen Atrophie, da ständig genügend ACTH gebildet wird).

Verweise