Alpha-Liponsäure

Alpha-Liponsäure (Thioctacid ®, engl.: alpha lipoic acid, LA) ist ein Medikament zur Behandlung von Diabetes-Komplikationen. Es ist ein Derivat der Oktansäure) und kommt natürlicherweise in Pflanzen und Tieren weit verbreitet vor. Sie spielt als Coenzym im mitochondrialen Stoffwechsel eine Rolle. Ihre ausgeprägte antioxidative Potenz begründet ihre Verwendung zur Vorbeugung von Komplikationen beim Diabetes mellitus, der Hypertonie und Leberkrankheiten. 1) 2015 Dec;93(12):1021-7. doi: 10.1139/cjpp-2014-0353.


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Herkunft

Alpha-Liponsäure wird in körpereigenen Mitochondrien synthetisiert. Eine zusätzliche Quelle sind Nahrungsmittel, insbesondere Fleisch und Innereien (Leber, Herz, Niere) und zudem Nahrungsergänzungsmittel. 2)Biochim Biophys Acta. 2009 Oct;1790(10):1149-60

Aufnahme, Verteilung und Ausscheidung

Nach der Aufnahme über den Darm wird Alpha-Liponsäure rasch aus dem Blut geklärt, einerseits ins Gewebe, andererseits über die Nieren. Ob Alpha-Liponsäure die Blut-Hirn-Schranke überwindet und im Gehirn akkumuliert, ist umstritten. 3)Brain Res. 2009 Jan 28; 1251:80-6 4)Exp Gerontol. 2002;37:803–11 Der Abbau im Gewebe erfolgt zu Dihydro-Liponsäure (DHLA).

Wirkungen

Alpha-Liponsäure wirkt als Coenzym für die mitochondriale Alpha-Ketosäure-Dehydrogenase. Ihre Wirkung ist außerordentlich vielfältig: sie induziert zelluläre Signalwege, senkt den Blutdruck, senkt den Triglyceridspiegel, erweitert Blutgefäße, komplexiert verschiedene Metalle (auch sein Stoffwechselprodukt DHLA) und beeinflusst kognitive Funktionen des Gehirns. Unklar ist weitgehend, auf welchen pathogenetischen Wegen diese Wirkungen erzielt werden.

LA wirkt als Antoxidans

Die Wirkung von Alpha-Liponsäure als Antioxidans wurde in vitro an Zellkulturen festgestellt; ob sie auch in vivo existiert, ist umstritten. Jedoch scheint LA indirekt den antioxidativen Status der Zellen zu fördern. So erhöht sie bei Ratten den Ascorbinsäuregehalt der Leberzellen 5)FASEB J. 1998 Sep; 12(12):1183-9 und reduziert den oxidativen Stress in der Herzmuskulatur. 6)FASEB J. 2001 Mar; 15(3):700-6 In menschlichen Zelllinien erhöht LA den intrazellulären Gehalt an Glutathion, was ihren Redoxstatus wesentlich beeinflusst. 7)Biofactors. 1997; 6(3):321-38

Auf den antioxidativen und antiinflammatorischen Effekt der Alpha-Liponsäure wird zurückgeführt, dass die Substanz in Tierexperimenten gegen toxische Schädigung der Ovarien durch Cyclophosphamid wirkt und daher in der Krebstherapie bei Frauen einer durch die Therapie verursachten Infertilität entgegenwirken kann. 8) 2020 Jan;13(1):188-196. doi: 10.14202/vetworld.2020.188-196. Dasselbe wird für die durch Plastikinhaltsstoffe (Phthalate) verursachte testikuläre Insuffizienz festgestellt. 9) 2020 Feb 7. doi: 10.1007/s11356-020-07817-1.

Effekt auf die Glukoseaufnahme

Alpha-Liponsäure verbessert die Glukoseaufnahme, jedoch gegenüber der Wirkung von Insulin deutlich verzögert; die maximale Wirkung von Insulin wird nach 30 Minuten erreicht, der von LA nach 1 Stunde. 10)Diabetologia. 2000 Mar; 43(3):294-30 Begründet wird dies durch einen indirekten Einfluss auf die Glukoseaufnahme. 11)Diabetes. 1996 Dec; 45(12):1798-804 Bei Menschen senkt Alpha-Liponsäure sowohl den Nüchtern-Blutzucker als auch die periphere Insulinresistenz. 12)Saudi Med J. 2011 Jun;32(6):584-8

Effekt bei diabetischer Polypneuropathie

Alpha-Liponsäure bewirkte in mehreren Studien eine Verbesserung der diabetischen Polyneuropathie, 13)Diabet Med. 2004 Feb; 21(2):114-21 wobei die intravenöse Applikation wirkungsvoller war. In einer Studie wurde kein Effekt bei oraler Applikation gesehen. 14)Diabetes Care. 1999 Aug; 22(8):1296-301 Wieder andere Ergebnisse belegen eine orale Wirksamkeit. 15)Diabetes Care. 2006 Nov; 29(11):2365-70 16)Diabet Med. 1999 Dec; 16(12):1040-3

Studien ergeben laut einer Sammelauswertung, dass intravenöses ALA (600 mg pro Tag) die Symptome einer Neuropathie nach drei Wochen minderte, mit oralem ALA (> 600 mg pro Tag für 3–5 Wochen) war klinisch keine signifikante Besserung zu erzielen. Es gibt laut dieser Gesamtbewertung keine Hinweise auf einen positiven Effekt bei Langzeitbehandlung. 17) 2016 May 1;93(9):786. 18) 2019 Oct 25;55(11). pii: E714. doi: 10.3390/medicina55110714.

Dämpfung einer Überempfindlichkeit im Darmkanal

α-Liponsäure unterdrückt bei diabetischen Ratten die neuronale Erregbarkeit und vermindert die Überempfindlichkeit des Dickdarms gegen Dehnung. 19) 2017 Jul 14;10:1645-1655. doi: 10.2147/JPR.S135017.

Antihypertensiver Effekt

Alpha-Liponsäure senkt oder verhindert eine Hypertonie in verschiedenen tierexperimentellen Modellen (Auslösung z. B. durch Salzzufuhr oder Cyclosporin). 20)Mol Cell Biochem. 2003 Dec; 254(1-2):319-26 21)J Hypertens. 2006 May; 24(5):947-56 Auch beim Menschen wird ein gewisser Blutdruck senkender Effekt festgestellt. 22)J Clin Hypertens (Greenwich). 2007 Apr; 9(4):249-55

Entzündungshemmender Effekt

Alpha-Liponsäure unterdrückt in Tierversuchen die Induktion einer Arthritis, 23)Rheumatol Int. 2007 Jan; 27(3):225-33 einer autoimmunen Enzephalomyelitis 24)J Neuroimmunol. 2004 Mar; 148(1-2):146-53 sowie einer Entzündung der Luftwege. 25)J Allergy Clin Immunol. 2004 Aug; 114(2):429-35 Beim Menschen gibt es bisher kaum Untersuchungen zum entzündungshemmenden Effekt von LA.

Nierenschutz

Im Tierexperiment vermag Alpha.Liponsäure die Niere vor dem deletären Effekt einer kurzzeitigen Sauerstoffmangel zu schützen (Ischämie-Reperfusions-Experimente). 26) 2019 Oct 9;10:176. doi: 10.4103/ijpvm.IJPVM_396_17

Nebenwirkungen

Nebenwirkungen in Form beginnender Erhöhung von Transaminasen treten erst bei sehr hohen Dosen auf, bei Ratten erst ab etwa 60 mg/kg [20]. 27)Regul Toxicol Pharmacol. 2006 Oct; 46(1):29-41 Bei Dosen von 100 mg/kg Körpergewicht wurden bei Ratten nach intraperitonealer Appilkation oxidative Schäden an Eiweißmolekülen in Herz und am Gehirn festgestellt. 28)Cell Biochem Funct. 2006 Jan-Feb; 24(1):79-85 29)Arch Gerontol Geriatr. 2005 May-Jun; 40(3):231-40

Beim Menschen wurden in Studien bei Dosen bis 2400 mg LA/Tag keine wesentlichen Nebenwirkungen gefunden. 30)Diabetologia. 1995 Dec; 38(12):1425-33


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Verweise


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).



Literatur   [ + ]

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