Zystadenom des Pankreas

Das Zystadenom des Pankreas ist ein seltener gutartiger Tumor der Bauchspeicheldrüse, der meist zufällig durch eine Abdomensonographie oder eine Computertomographie entdeckt wird.

Differenzialdiagnosen

Das Zystadenom des Pankreas gehört zur Gruppe der zystischen Läsionen der Bauchspeicheldrüse [1]

Meist bestehen bei erstem Nachweis einer zystischen Läsion der Bauchspeicheldrüse die Differenzialdiagnosen einer Pankreaspseudozyste oder einer echten Pankreaszyste. Oft können die Untersuchungsmethoden zwischen ihnen nicht sicher unterscheiden, was als diagnostisches Dilemma angesehen wird [2].

Echte zystische Neubildungen des Pankreas sind differenziert zu betrachten; es werden 4 Haupttypen unterschieden:

  1. die intraductal papillär-mucinöse Neoplasie (IPMN): sie stellt den größten Anteil der zystischen Neoplasien des Pankreas dar. Prognostisch bedeutsam ist die Lokalisation der Läsion. Eine zystische Läsion des Hauptgangs zeigt ein hohes Entartungsrisiko; eine der größeren Seitenäste ein geringeres, eine der peripheren Seitenäste ein nur sehr geringes. Das 5-Jahres-Gesamtüberleben wird mit 70% angegeben [3]. Das IPMN kommt häufig im Pankreaskopf vor; betroffen sind meist ältere Männer,
  2. die mucinöse zystische Neoplasie (MCN), seltener, typisches Ovar-ähnliches Stroma ohne Verbindung zum Gangsystem, immunhistochemisch häufig positiv für neuroendikrine Marker (u.a. Chromogranin), gelegentlich eitriger Zysteninhalt (DD zu infizierter Pseudozyste), kann maligne entarten, kommt meist bei peri- und postmenopausalen Frauen vor und ist meist im Pankreaskorpus gelegen, hohe Heilungsrate nach Op eines muzinösen Zystadenokarzinoms,
  3. die solide pseudopapilläre Neoplasie (SPN, kaum statistische Daten),
  4. die serös microzystische Neoplasie (SCN, kaum statistische Daten).

Diagnostik

Die bildgebenden Verfahren, wie Abdomensonographie und Computertomographie zeigen einen zystischen Prozess in der Bauchspeicheldrüse. Die sehr fein auflösende Endosonographie wird häufig zur weiteren Differenzialdiagnostik angeschlossen; sie lässt u.U. die Wandstruktur und Binnenstrukturen besser erkennen. Das MRT kann eine Verbindung des zystischen Prozesses mit dem Gangsystem des Pankreas nachweisen oder ausschließen.

Auf die Möglichkeit der Interpretation der Bilder in Richtung eines Zystadenoms stößt man,

  • wenn man anamnestisch keine Vorbedingung für eine Pankreaspseudozyste, nämlich eine abgelaufene Pankreatitis eruieren kann.
  • wenn eine unregelmäßige Begrenzung des zystischen Prozesses solide im zystischen Prozess gelegene Strukturen erkennbar sind. Sie sprechen eher für ein Zystadenom als für eine Zyste.

Die Endosonographie bietet die Möglichkeit einer sehr gezielten Punktion des zystischen Herdes. Manchmal ist zwar die Interpretation des Aspirats schwierig, nicht zuletzt, weil Magenschleimhautzellen kontaminieren [4]. Allerdings kann die Untersuchung der aspirierten Flüssigkeit über die Bestimmung der Tumormarker CEA, CA19-9 und CA72-4 sowie über die Zytologie häufig zwischen einem Zystadenom bzw. zystischen Neoplasma (s.o.) sowie einer gutartigen Zyste unterscheiden helfen.

In manchen Fällen, in denen bereits durch die Gesamtkonstellation der Befunde und anamnestischen Daten ein Zystadenom des Pankreas sehr wahrscheinlich ist, kann auch die Entscheidung gleich in Richtung Operation gehen. Ein Argument für den Verzicht auf eine vorherige Punktion ist häufig die zweifelhafte Aussagekraft der Histologie und die Möglichkeit, eine Verschleppung von Tumorgewebe (das ja vorliegen könnte) vermieden werden kann.

Prognose

Das muzinöse Zystadenom des Pankreas bleibt häufig lange Zeit stationär, kann aber maligne entarten [5]; das höchste Entartungsrisiko weist die intraductal papillär-mucinöse Neoplasie (IPMN) des Pankreashauptgangs auf (s.o.). Das Zystadenokarzinom macht nur etwa 1-2% der Pankreaskarzinome aus, ist also sehr selten.

Vorgehen

Das Vorgehen bei Verdacht auf ein Zystadenom des Pankreas hängt sehr von der Größe des Tumors und der Gesamtsituation des Patienten ab.

Bei einer Größe von unter 3 cm kann unter engmaschiger Kontrolle der Größe ein Zuwarten erwogen werden [6], darüber eher eine Resektion.

Bei jüngeren Menschen wird wohl eine Resektion eher diskutiert werden müssen, speziell wenn der Prozess bereits größer ist. Bei Älteren erscheint ein Zuwarten unter Größenkontrolle (beispielsweise alle 3-6 Monate) manchmal eher gerechtfertigt, besonders, wenn das Operationsrisiko wegen des Alters oder schwerwiegender Begleiterkrankungen erhöht ist.

Verweise

Literatur

  • Bj Rk Werner J et al. Scand J Gastroenterol. 2011 Feb 3. [Epub ahead of print]
  1. ? Modern Pathology (2007) 20, S71–S93
  2. ? J Gastrointest Surg. 2008 Mar;12(3):405-7
  3. ? Modern Pathology (2007) 20, S71–S93
  4. ? Cancer. 2008 Apr 25;114(2):102-10
  5. ? Scand J Surg. 2005;94(2):161-4
  6. ? Pancreatology. 2008;8(3):236-51