Ösophaguskarzinom

Das Ösophaguskarzinom ist eine bösartige Neubildung der Speiseröhre. Am häufigsten sind Plattenepithel- und Adenokarzinome.

Siehe auch Informationen zum Barrett-Karzinom


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Häufigkeit

Die Inzidenz (Neuerkrankungen) liegt für Männer bei 6/100000/Jahr, für Frauen bei 1,5/100000/Jahr.

Ursachen und Entstehung

Je nach Histologie werden unterschiedliche Ursachen angenommen.

Plattenepithelkarzinom (70%): Von Bedeutung sind hochprozentiger Alkohol und Nikotinabusus. Temperatur scheint ebenfalls eine Rolle zu spielen: Im Iran wurden festgestellt, dass das Risiko, ein Ösophaguskarzinom zu bekommen, um so höher ist, je heißer der Tee getrunken wird [1].

Adenokarzinom (meist Barrett-Karzinom) (30%): Entscheidend ist chronischer Reflux von saurem und galligem Magensaft.

Tumorsuppressorgen: Inzwischen ist ein Gen identifiziert worden, das zur Prognoseabschätzung verwendet werden kann. Das “Esophageal cancer related gene 4 ” (ECRG4) ist im Gewebe eines Ösophaguskarzinoms wesentlich geringer als in normaler Ösophagusschleimhaut oder gar nicht exprimiert. Es wirkt als Tumorsuppressor 1)Cell Oncol (Dordr). 2015 Jun; 38(3):205-14.

Symptomatik

Bemerkbar macht sich das Ösophaguskarzinom durch stadienabhängige Symptome. Schluckprobleme sind für den Lauf der Diagnostik die wichtigsten.

Folgende Symptome sind typisch:

  • Dysphagie (Schluckbeschwerden; sie können früh auftreten, werden aber meist erst zu spät Anlass einer Untersuchung),
  • Odynophagie (Schmerzen beim Schlucken),
  • Speise rutscht nicht: Stase bis hin zum Bolusverschluss,
  • gehäufte bronchopulmonale Infekte
    • wegen gehäufter Aspiration (Verschlucktes staut sich in der Speiseröhre hoch und gelangt in die Atemwege) und
    • wegen ösohagotrachealer Fistelbildung (Verschlucktes gelangt über eine Öffnung, die durch den zerfallenden Tumor zustande kommt,  in die Atemwege),
  • Gewichtsverlust (durch tumorbedingte Appetitlosigkeit).

Diagnostik

Die Diagnostik des Ösophaguskarzinoms beruht auf direkter Besichtigung durch Endoskopie (Ösophagogastroskopie, ÖGD) und Untersuchung einer im Rahmen der Endoskopie gewonnenen Gewebeprobe (Histologie). Es folgen Umgebungs- und Ausbreitungsuntersuchungen.

  • Ösophagogastroskopie: Nachweis von frühen tumorverdächtigen Läsionen und von einengenden (obstruierenden) Prozessen. Gewinnung von Gewebeproben (Probebiopsien) für die Histologie. Nachweis maligner Tumore und prämaligner Veränderungen (chronischer Reflux, Barrett-Schleimhaut).
  • Röntgenbreischluck: Nachweis der Tumorausdehnung und einer ösophagotrachealen Fistel (tumorbedingte Öffnung zwischen Luftröhre und Atemwegen).
  • Endosonographie zum Staging (Stadieneinteilung): Beurteilung der Tiefe der Wandinfiltration des Tumors und von lokoregionären Lymphknotenmetastasen.
  • Computertomographie: zur Beurteilung einer die Ösophaguswand überschreitenden Tumorinfiltration, von lokoregionären Lymphknoten und von Fernmetastasen.
  • Röntgen-Thorax und Abdomensonographie zur Metastasensuche.
  • Bronchoskopie bei Verdacht auf Fistel vom Ösophagus.
  • Expression des Tumorsuppressorgens ECRG4: sie correliert umgekehrt mit dem Grad der Tumorinvasion, dem Lymphknotenbefall und dem TNM-Stadium. Sie hat daher auch  prognostische Bedeutung 2)Int J Clin Exp Pathol. 2015 Nov 1;8(11):14772-8. eCollection 2015.

Klassifikation

Staging nach dem TNM-Schema (Endosonographie, Computertomographie, MRT). Die Malignität (Histologie) wird in G1 (gut differenziert), G2 (mäßig differenziert) und G3 (schlecht differenziert) eingeteilt.

Therapie

Tumoren, die wahrscheinlich R0-resezierbar sind

R0-Resektion bedeutet chirurgische Heilung. Ist sie erwartbar, d. h. ist eine vollständige Entfernbarkeit möglich, so werden folgende Schritte erforderlich:

  • Neoadjuvante Strahlentherapie vor Operation: sie ist wahrscheinlich wirksam (Einbindung in Studien gewünscht).
  • Operative Therapie. Die Operationstechnik richtet sich nach der Lokalisation. Als Ösophagusersatz kann ein schlauchförmig umgewandelter Magen oder ein Koloninterponat (Teil des Dickdarms, der zwischen oberem und unerem Rand des resezierten Bereichs eingebracht wird)  dienen.
  • Postoperative Strahlentherapie: sie soll die lokoregionäre Rezidivrate vermindern.

Primär nicht resektable Ösophaguskarzinome

  • Radiochemotherapie (cis-Platin / 5-FU). Bestrahlung perkutan und per Afterloading von endoluminal möglich. Palliativmaßnahmen umfassen Maßnahmen zur Offenhaltung des Ösophaguslumens (Laserkoagulation, Stenteinlage).

Fernmetastasen eines Plattenepithelkarzinoms

Chemotherapie (cis-Platin / 5-FU) mit Remissionsrate von 30-40%.

Fernmetastasen eines Adenokarzinoms

keine einheitliche Empfehlung

Pragmatische Empfehlungen

Als Erstlinientherapie haben sich vielfach sowohl eine Fluoropyrimidin-Platin-Kombination als auch Infusionen mit 5-FU (5-Fluorouracil), Capecitabine und einem Platinpräparat (Cisplatin, Oxaliplatin) bewährt. Der Zusatz von Docetaxel zu 5-FU/Cisplatin wird als eine Option für junge und fitte Menschen betrachtet, hat aber bedeutende Nebenwirkungen auf das Blutbild (Knochenmarkstoxizität) bei nur beschränkter Verbesserung des Überlebens. In Zweit- und Drittlinienkombinationen werden Taxane und Irinotecan eingesetzt. Allerdings führen alle Chemotherapie-Optionen nicht zu einer wesentlichen Verbesserung des Outcomes 3) 2017 Oct;6(5):49. doi: 10.21037/cco.2017.07.06..

Nachsorge

Nachsorgeuntersuchungen dienen der frühzeitigen Erkennung von Rezidiven. Es gibt kein akzeptiertes Schema zu einer strukturierten Nachsorge, da ihr Wert umstritten ist.

Prognose

Die Prognose bezüglich erneutem Auftreten und Überleben nach einer Operation ist umgekehrt abhängig vom der Höhe der Expression des Tumorsuppressorgens ECRG4 (s. o.) 4)Int J Clin Exp Pathol. 2015 Nov 1;8(11):14772-8. eCollection 2015.

Verweise

Literatur

  1. ? BMJ 2009;338:b929


Literatur   [ + ]

1. Cell Oncol (Dordr). 2015 Jun; 38(3):205-14
2, 4. Int J Clin Exp Pathol. 2015 Nov 1;8(11):14772-8. eCollection 2015
3. 2017 Oct;6(5):49. doi: 10.21037/cco.2017.07.06.