Hantavirus-Infektion

Die Hantavirus-Infektion (Hantaan virus infection) ist eine hoch fieberhafte Erkrankung mit grippeähnlichen Symptomen. Sie breitet sich in Europa aus und führt wegen der Komplikationsträchtigkeit zu vermehrten Klinikeinweisungen. Ein heftiges Fieber mit Haut- und Schleimhautblutungen verbunden mit Muskel- und Kopfschmerzen mit Nierenversagen muss an eine Hanta-Infektion denken lassen.


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Hantavirus

Das Hantavirus ist ein RNA-Virus der Familie der Bunyaviridae. In Deutschland überwiegt der Virustyp Puumala. Übertragen wird das Virus durch Fäkalien von Nagern, besonders der Rötelmaus. Schon die Einatmung von kontaminiertem Staub führt zur Infektion. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch scheint praktisch nicht vorzukommen. In Deutschland sind Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen die Hauptausbreitungsgebiete.

Pathogenese

Während einige Viren, die ein hämorrhagisches Fieber auslösen, direkt zytopathogen wirken (wie das Marburg-Virus), wirken die Hantaviren (ähnlich wie das Hepatitis-B-Virus) indirekt über die Immunantwort des Wirts. 1)Immunol Lett. 2007 November 15; 113(2): 117–120 Die Viren befallen hauptsächlich Endothelzellen und Alveolarendothelien.

Krankheitsverlauf

Die Hantavirus-Infektion durchläuft verschiedene Phasen. Nach einer Inkubationszeit von meist 2-3 Wochen (sie variiert zwischen 1 und 6 Wochen) beginnen erste Symptome eines Prodromalstadiums von 3-5 Tagen mit grippeähnlichen Symptomen wie rasch einsetzendes Fieber, Muskelschmerzen, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen und oft auch Übelkeit, Durchfall und Bauchschmerzen. In den nächsten 2-7 Tagen kommt es zu Blutdruckabfall mit Schockgefahr. Es entwickeln sich eine Thrombozytopenie und eine Undichtigkeit des Kapillarsystems. Es kommt zu schweren Komplikationen, die je nach Ausprägung den weiteren Krankheitsverlauf dominieren:

  • HFRS (hämorrhagisches Fieber, renales Syndrom, häufiger in Europa): es überwiegen diffuse Blutungen aus Schleimhäuten und Hauteinblutungen sowie eine Niereninsuffizienz mit Dialysepflichtigkeit. 2) 2016 Feb 3;6:1. doi: 10.3389/fcimb.2016.00001.
  • HCPS (Hantavirus cardiopulmonales Syndrom, häufiger in Amerika): es überwiegen Lungenödem und cardiogener Schock; oft ist eine maschinelle Beatmung erforderlich.

Die Mortalität beträgt zwischen 1 und 15%.

Die Symptome und Verläufe sind unterschiedlich ausgeprägt und können sich mischen. Ein Anstieg der renalen Ausscheidung zeigt den Beginn der Rekonvaleszenz an, der in der Regel rasch fortschreitet.

Diagnostik

Der Virusnachweis durch eine PCR ist der sicherste Test. Die früheste Antwort des Wirts sind virusspezifische IgM und IgA.

Differenzialdiagnostisch ist an schwere Verläufe anderer Viruserkrankungen zu denken, die ebenfalls ein hämorrhagisches Schocksyndrom auslösen können, so beispielsweise an das Dengue-Fieber.

Therapie

Die Therapie ist rein symptomatisch: Fiebersenkung, Flüssigkeitssubstitution, bei schwerem Verlauf ggf. Dialyse und Beatmung.

Vorbeugung

Impfsera werden entwickelt; erste Erfahrungen mit Hantavax werden berichtet. 3) 2019 Mar 18;9(1):4760. doi: 10.1038/s41598-019-41205-1.

Die Vorbeugung beschränkt sich ansonsten damit hauptsächlich auf eine Exposisionsprophylaxe. 4)Hum Vaccin. 2011 June; 7(6): 685–693 In Endemiegebieten sollte kein Staub eingeatmet werden; in entsprechend gefährdeten Berufen ggf. Mundschutz! Keine Nagetiere bzw. deren Kadaver ohne Handschuhe anfassen.

Aktuelle Gefährdung

Das Robert-Koch-Institut veröffentlicht die jeweils aktuellen Erkrankungsfälle. Im RKI wird auf steigende Fallzahlen hingewiesen: 349 Fälle von November 2011 bis Februar 2012, meiste Erkrankungen in Baden-Württemberg. Zu weiteren Angaben siehe hier.

Verweise

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 


Literatur   [ + ]

1. Immunol Lett. 2007 November 15; 113(2): 117–120
2. 2016 Feb 3;6:1. doi: 10.3389/fcimb.2016.00001.
3. 2019 Mar 18;9(1):4760. doi: 10.1038/s41598-019-41205-1.
4. Hum Vaccin. 2011 June; 7(6): 685–693