Medikamente zur Behandlung der Hepatitis C

Die Behandlung der Hepatitis C wandelt sich rasant. Neue Medikamente zur Behandlung der Hepatitis C ermöglichen heute in vielen Fällen eine Heilung der Hepatitis C. Es sind vor allem die DAAs (direct acting antivirals), die diesen Fortschritt ermöglichen. Auch Medikamente, die gegen bestimmte Mikro-RNA gerichtet sind, sind vielversprechend. Die bisherigen PEG-Interferon-basierten Therapieregime werden durch sie nun zunehmend verdrängt. [1] [2]. Hier wird ein Überblick der Medikamente zur Behandlung der Hepatitis C gegeben.


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Neue Medikamentengruppen

  • DAAs: Die neuen Therapieregime einer Hepatitis-C-Therapie verwenden „direct acting antivirals“ (DAAs, auch DAADs = direct acting antiviral drugs). Zu ihnen gehören:
    • Proteaseinhibitoren: z. B. Telaprevir, Boceprevir, Simeprevir, Grazoprevir,
    • Polymeraseinhibitoren: z. B. Sofosbuvir, Dasabuvir
    • NS5A-Inhibitoren: z. B. Daclatasvir, Elbasvir, Ledipasvir
  • Anti-Mikro-RNAs: Eine ebenfalls neue Entwicklung betrifft das Ziel, die Virusreplikation über Beeinflussung der an ihr beteiligten Mikro-RNA zu senken.
    • Miravirsen: ein Antisense-Oligonucleotid

NS5B-Polymeraseinhibitoren

Polymerase-Inhibitoren bewirken zusammen mit Protease-Inhibitoren in einem PEG-Interferon-freien Therapieregime eine über 90-prozentige SVR und können zur Heilung einer Hepatitis C führen.

  • Sofosbuvir (GS-7977) ist ein oraler (HCV) NS5B-Polymerasehemmer, der zusammen mit PEG-Interferon zu einer Senkung der Viruslast unter die Nachweisbarkeitsgrenze führte. Auch mit Ribavirin alleine zeigte sich eine SVR nach 24 Monaten von 100% [3]. Bei Patienten, die nicht auf eine PEG-Interferon-Therapie ansprechen ist es in dieser Kombination ebenfalls zu 100% wirksam (jeweils kleine Patientengruppen) (siehe hier)[4].
  • Dasabuvir (ABT-333) ist ein nicht-nukleosidischer NS5B-Polymeraseinhibitor, der in Studien in einer Dreifachkombination eingesetzt wird und hoch wirksam ist [5] (siehe hier).

NS5A-Inhibitoren

Sie hemmen das NS5A-Protein, ein (nicht-Struktur-) HCV-Protein, welches eine zentrale Rolle bei der Virusreplikation spielt (NS5A-Replikationskomplex, siehe hier) [6]. Inhibitoren, wie Daclatasvir und die neueren Substanzen Elbasvir und Ledipasvir, werden als wirksame Komponenten einer Kombinationstherapie gegen Hepatitis C eingeschätzt (s. u.) [7].

  • Daclatasvir (ein NS5A-Hemmer) ist führte zusammen mit Sofosbuvir (beide oral appliziert) bei zuvor unbehandelter Hepatitis C zu einem sehr hohen virologischem Ansprechen (SVR, sustained virological response). Es ermöglicht erstmals eine Interferon-freie HCV-Therapie. Mehr dazu siehe hier.
  • Ledipasvir (ein NS5A-Inhibitor) führte zusammen mit dem Polymerase-Inhibitor Sofosbuvir bei einer zuvor mit unzureichendem Erfolg behandelten HCV-Infektion mit Genotyp 1 zu einer hohen dauerhaften Ansprechrate [8].
  • Elbasvir (zuvor MK-8742, ein NS5A-Inhibitor) wird als wirksame Komponenten einer Kombinationstherapie gegen Hepatitis C eingeschätzt [9].
  • Velpatasvir ist ein NS5A-Hemmer, der Wirksamkeit bei allen HCV-Genotypen aufweist und in Kombination mit Sofosbuvir zu einer annähern 100%igen Viruselimination führt (siehe hier).

NS3A/4-Protease-Inhibitoren

Protease-Inhibitoren sind eine Gruppe von Medikamenten, die sehr effektiv die Virusreprlikation unterdrücken und auch ohne PEG-Interferon eine hohe laborchemische Heilungsrate bewirken. Sie werden häufig in Kombination mit Polymerase-Inhibitoren eingesetzt.

  • Telaprevir (ein viraler Proteasehemmer) erhöht die Ansprechrate der Standardtherapie mit PEG-Interferon und Ribavirin sowohl bei einer Ersttherapie als auch bei Therapie bei unzureichender SVR oder einem Relaps der HCV-Replikation [10] (siehe hier).
  • Boceprevir (ein viraler NS3-Proteasehemmer) erhöht ebenfalls die SVR (sustained virological response) gegenüber der alleinigen Therapie mit PEG-Interferon-Ribavirin [11] (über 60% vs. 38%) (siehe hier),
  • Grazoprevir (MK-5172) ist ein NS3/4A-Proteaseinhibitor der zweiten Generation. Es hat ein deutlich geringeres Risiko einer Resistenz gegen das Virus als die Proteaseinhibitoren der ersten Generation. Es wird im Allgemeinen gut vertragen und bietet sich zur Kombinationstherapie der Hepatitis C an [12].
  • Paritaprevir (ABT-450) ist ein potenter HCV-NS3-Proteasehemmer. Er wird zur Wirkungsverstärkung und -verlängerung mit Ritonavir kombiniert.
  • Simeprevir (TMC435350) ist ein NS3/4A-Proteasehemmer, der im nanomolaren Bereich wirksam ist.

Miravirsen

Miravirsen ist ein Antisense-Oligonucleotid, das gegen das Mikro-RNA miR122 gerichtet ist. Es vermindert die HCV-Partikelmenge im Blut um mehrere Log-Stufen bis zur Nichtnachweisbarkeit und wirkt auch gegen HCV-Varianten, die gegen neue DAAs rersistent sind (siehe hier).

Studien zur Wirksamkeit neuer DAAs

Die Studien zur Wirksamkeit der neuen direkt antiviral wirksamen Substanzen zeigen eine außerordentlich hohe Erfolgsquote (siehe hier).

Hepatitis-B-Reaktivierung unter DAAs

Unter der Therapie einer Hepatitis C mit neuen DAAs werden bei einer Koinfektion mit HBV vermehrt Reaktivierungen (durchschnittlich 24%) einer chronischen Hepatitis B und einer inaktiven Hepatitis B (1-4%) beobachtet. Daher wird vorgeschlagen, selbst bei ruhender HBV-Infektion eine antivirale Hepatitis-B-Prophylaxe durchzuführen 1)The Lancet 19. Jan. 2018; DOI: http://dx.doi.org/10.1016/S2468-1253(18)30002-5

Verweise

Patienteninfos

Literatur

  1. ? Hepatol Int. 2010 Aug 19; 4(3):548-61
  2. ? N Engl J Med. 2014 Jan 16;370(3):222-32
  3. ? N Engl J Med. 2013 Jan 3;368(1):34-44
  4. ? N Engl J Med. 2014 May 4. Zeuzem et al. [Epub ahead of print]
  5. ? N Engl J Med. 2014 Jan 16;370(3):222-32
  6. ? J Viral Hepat. 1999 Sep;6(5):343-56
  7. ? Curr Med Chem. 2015 Feb 9. [Epub ahead of print]
  8. ? N Engl J Med. 2014 Apr 17;370(16):1483-93
  9. ? Curr Med Chem. 2015 Feb 9. [Epub ahead of print]
  10. ? Clin Ther. 2012 Sep;34(9):1857-82. doi: 10.1016/j.clinthera.2012.07.011
  11. ? Liver Int. 2012 Feb;32 Suppl 1:27-31. doi: 10.1111/j.1478-3231.2011.02725.x
  12. ? Expert Opin Investig Drugs. 2014 May;23(5):719-28


Literatur   [ + ]

1. The Lancet 19. Jan. 2018; DOI: http://dx.doi.org/10.1016/S2468-1253(18)30002-5