HDL-Cholesterin

HDL-Cholesterin ist das an High-Density-Lipoproteine gebundene Cholesterin. HDL transportiert Cholesterin aus der Körperperipherie zur Leber zurück, wo es unverändert oder als Abbauuprodukt (Gallensäuren) in den Darm ausgeschieden wird.


→ Über facebook informieren wir Sie über Neues auf unseren Seiten!
→ Verstehen und verwalten Sie Ihre Laborwerte mit der Labor-App Blutwerte PRO!


Das Wichtigste

Kurzgefasst
HDL ist die Abkürzung für High-Density-Lipoprotein. Es handelt sich also ein Mischgebilde aus Eiweiß (Protein) und Fettstoffen (Lipiden). Als kleines Partikel im Nanobereich erfüllt es im Blut die Aufgabe, überschüssiges, nicht wasserlösliches (unveresterters) Cholesterin von Organen und Zellen aufzunehmen und über das Blut der Leber zuzuführen, durch die es mit der Galle ausgeschieden wird. Ein hoher HDL-Cholesterin-Spiegel im Blut bedeutet eine effiziente Entsorgung überschüssigen und durch Zelluntergänge frei werdenden Cholesterins. Je höher der HDL-Spiegel im Blut ist, desto besser ist der Organismus vor Arteriosklerose und ihren Komplikationen, wie Herzinfarkt und Schlaganfall geschützt. Eine Erhöhung der HDL-Konzentration im Blut kann durch “gesundes Leben” mit viel körperlicher Bewegung und – bei Übergewichtigen und Adipösen – durch Gewichtsabnahme gefördert werden. Medikamentös erhöht insbesondere Niacin und Fibrate die HDL-Konzentration. Künstliches HDL (HDL-Nanopartikel) soll den Cholesterin-Abraum bei bestimmten Krankheiten fördern, so bei der Niemann-Pick-Krankheit Typ C.

→ Zu Cholesterin siehe hier.


→ Auf facebook informieren wir Sie über Neues auf unseren Seiten!
→ Verstehen und verwalten Sie Ihre Laborwerte mit der Labor-App Blutwerte PRO!


Normgrenzen

Die untere Normgrenze von HDL-Cholesterin im Blut liegt

  • für Frauen bei 45 mg/dl und
  • für Männer bei 35 mg/dl.

Niedrigere Werte bedeuten ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.

Klinische Bedeutung

Zur Erniedrigung des kardiovaskulären Risikos ist nicht nur eine Senkung des LDL-Cholesterins im Blut von Bedeutung. Auch bei niedrigen Werten bleibt ein beachtliches Restrisiko für Herzinfarkt und Schlaganfall vorhanden. Niedriges HDL-Cholesterin ist neben erhöhtem LDL-Cholesterin ein unabhängiger Risikofaktor. Einer Erhöhung des HDL-Cholesterins durch Umstellung der Lebensweise und medikamentöse Intervention kommt daher eine große präventive Bedeutung zu.

Wenn HDL-Cholesterin um 1 mg/dl steigt, reduziert sich die Rate kardiovaskulärer Ereignisse um etwa 2-3 %! Aber es konnte durch Studienauswertungen gezeigt werden, dass HDL-steigernde Medikamente wie Niacin und Fibrate lediglich in der Ära vor dem Einsatz von Statinen zu einem positiven Effekt bezüglich kardiovaskulärer Komplikationen geführt hatten, nicht dagegen wenn gleichzeitig Statine verabreicht werden. 1) 2014 Jul 18;349:g4379. doi: 10.1136/bmj.g4379. Ein wichtigerer Effekt kommt daher den Statinen zu, die gleichzeitig antientzündlich wirken.

Pathophysiologie

HDL-Cholesterin ist das von High-Density-Lipoproteinen (HDL) des Bluts in der Körperperipherie aufgenommene zunächst unveresterte und wasserunlösliche Cholesterin, das aus Zellabbau stammt und zur Leber transportiert werden soll, um es zu entsorgen. In der Leber wird es aufgenommen und zu Gallensäuren verstoffwechselt, die mit der Galle in den Darm ausgeschieden werden. Sie helfen in dieser Form bei der Verdauung von Fetten (siehe hier). Cholesterin wird jedoch auch unverändert in die Galle ausgeschieden.

Makrophagen: Makrophagen (Fresszellen, beispielsweise aus arteriosklerotischen Plaques peripherer Gefäßwände) geben unverestertes Cholesterin an Apolipoprotein A1 ab, das das Grundgerüst des HDL darstellt. Durch Wirkung der LCAT (Lecithin-Cholesterin-Acyltransferase) wird das unveresterte Cholesterin verestert. Durch Aufnahme von Cholesterin wächst lipidarmes diskoidales HDL (Prae-Beta-HDL) über Beta-HDL zu Cholesterin-reichem, sphärischem Alpha-HDL, aus dem das (veresterte) Cholesterin von der Leber über den “Scavenger Rezeptor B Typ 1” (SR-B1) aufgenommen wird.

CETP: HDL kann über das “Cholesterylester-Transferprotein” (CEPT) Cholesterin an LDL abgeben, das ebenfalls von der Leber (über den LDL-Rezeptor, Braun und Goldstein-Rezeptor) aufgenommen wird. Eine genetische CEPT-Defizienz (Beobachtung in Japan) führt zu einer Erhöhung des HDL-Cholesterins. Bestimmte genetische Alterationen des CETP Gens (auf Chromosom 6 bei 16q13) sind mit einem veränderten kardiovaskulären Risiko verbunden. 2)Circ Cardiovasc Genet. 2009 Feb;2(1):26-33 Eine experimentelle CEPT-Hemmung führt zur Erhöhung von HDL-Cholesterin. Dies wird als therapeutische Perspektive angesehen (s. u.). Eine de-novo HDL-Synthese in der Leber und/oder im Dünndarm (z. B. über Steigerung der Apolipoprotein-I (apo A-I)-Gen-Aktivität soll allerdings die wirksamste therapeutische Methode darstellen. 3) 2010 May 7;70(7):805-21. doi: 10.2165/11535410-000000000-00000. Niacin (Vitamin B3) senkt die CETP-Aktivität und führt auf diese Weise zu einem Anstieg des HDL-Cholesterins. 4)Circ Cardiovasc Genet. 2009 Feb;2(1):26-33 Hohe HDL-Werte (>70 mg/dl) sind statistisch mit einem CEPT-Polymorphismus (B2 Allel des TaqIB-Gens) und mit Langlebigkeit assoziiert. 5)Open Cardiovasc Med J. 2010 Jan 29;4:14-9

Gefäßschutz: HDL hat weitere antiatherogene (gegen Arteriosklerose gerichtete) Effekte:

  • Es hemmt die Oxidation von LDL (Low-Density-Lipoprotein), das in Makrophagen der Gefäßwände aufgenommen wird. Diese Makrophagen degenerieren zu Schaumzellen und tragen zur Bildung arteriosklerotischer Plaques bei.
  • Es unterdrückt die Bildung von Entzündungsmediatoren in den Gefäßwänden.
  • Es wirkt antithrombotisch (vorbeugend gegen Thrombose).
  • Es erhöht die NO-Bildung durch die NO-Synthase: NO wirkt gefäßerweiternd. 6) 2017 Feb 28;63:29. doi: 10.1016/j.niox.2017.01.005.

Erhöhung von HDL-Cholesterin

Zu Verringerung eines erhöhten kardiovaskulären Risikos gehört eine Anhebung des HDL-Cholesterin-Spiegels. Dies gelingt natürlicherweise durch körperliche Bewegung und gesunde Ernährung, die reich an ungesättigten Fettsäuren ist, 7) 2009 Mar;38(1):45-78. doi: 10.1016/j.ecl.2008.11.010. 8) 2017 Jul;32(7):559-566. doi: 10.1007/s10654-017-0280-9. und durch Medikamente.

Medikamente zur Erhöhung des HDL-Cholesterins

  • Statine (wie Simvastatin oder Atorvastatin) erhöhen HDL-Cholesterin um bis zu 10%. 9)JAMA 2007; 298: 786-798
  • Fibrate wie Gemfibrozil oder Fenofibrat steigern die Konzentration von HDL-Cholesterin um bis zu 20%.
  • Niacin erhöht die HDL-Cholesterin-Konzentration um bis zu 30% und senkt die Gesamtmortalität nach 15 Jahren um über 10%. 10)Am J Coll Cardiol 1986; 8: 1245-1255 Allerdings sollte die Einnahmezeit (zu den Malzeiten) genau befolgt werden, um Gegenregulationen zu vermeiden. 11) 2017 Nov – Dec;11(6):1309-1317. doi: 10.1016/j.jacl.2017.08.005.
  • CEPT-Hemmer (wie Torcetrapib und Dalcetrapib) senken im Tierexperiment das Arteriosklerose-Risiko 12)J Clin Invest 1995; 96: 2071-2074 und könnten eine weitere Option für eine Anhebung des HDL-Spiegels sein. Studien haben jedoch zu problematischen Ergebnissen mit adversen Effekten geführt. 13)NEJM 2007; 357: 2109-2122

Es muss noch einmal betont werden, dass eine große Studienauswertung nachgewiesen hat, dass sich eine HDL-Cholesterin-Erhöhung günstig auf das Risiko kardiovaskulärer Komplikationen auswirkt, aber dass Niacin oder Fibrate in Kombination mit Statinen trotz weiterer HDL-Anhebung keinen zusätzlich positiven Effekt bewirken. 14) 2014 Jul 18;349:g4379. doi: 10.1136/bmj.g4379.

HDL-Nanopartikel

Das Problem, Cholesterinablagerungen in Blutgefäßen wieder zu entfernen, hat zur Entwicklung von künstlichen ApoA1-haltigen HDL-Nanopartikel geführt. Sie sollen in arteriosklerotischen Plaques von Blutgefäßen abgelagertes Cholesterin mobilisieren und zur Leber transportieren. Erste Tests zeigten eine vermehrte Cholesterinmobilisierung; aber die Plaques wurden nicht kleiner. 15)Molecules 2019, 24(15), 2829; https://doi.org/10.3390/molecules24152829 Dies entspricht der Beobachtung, dass Niacin und Fibrate zusätzlich zu Statinen keinen günstigen Effekt auf das kardiovaskuläre Ergebnis der Behandlung bewirken (s.o.). Ob weitere Fortschritte möglich sind, z.B. durch Kombination der Nanopartikel mit antientzündlichen Interventionen, muss abgewartet werden.

Dagegen zeichnet sich bereits ab, dass HDL-Nanopartikel zur Behandlung der Niemann-Pick-Krankheit Typ C in Frage kommen können. 16) BMC Med 17, 200 (2019) doi:10.1186/s12916-019-1423-5

Verweise


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).



Literatur   [ + ]

1, 14. 2014 Jul 18;349:g4379. doi: 10.1136/bmj.g4379.
2, 4. Circ Cardiovasc Genet. 2009 Feb;2(1):26-33
3. 2010 May 7;70(7):805-21. doi: 10.2165/11535410-000000000-00000.
5. Open Cardiovasc Med J. 2010 Jan 29;4:14-9
6. 2017 Feb 28;63:29. doi: 10.1016/j.niox.2017.01.005.
7. 2009 Mar;38(1):45-78. doi: 10.1016/j.ecl.2008.11.010.
8. 2017 Jul;32(7):559-566. doi: 10.1007/s10654-017-0280-9.
9. JAMA 2007; 298: 786-798
10. Am J Coll Cardiol 1986; 8: 1245-1255
11. 2017 Nov – Dec;11(6):1309-1317. doi: 10.1016/j.jacl.2017.08.005.
12. J Clin Invest 1995; 96: 2071-2074
13. NEJM 2007; 357: 2109-2122
15. Molecules 2019, 24(15), 2829; https://doi.org/10.3390/molecules24152829
16. BMC Med 17, 200 (2019) doi:10.1186/s12916-019-1423-5