Gewichtszunahme

Eine Gewichtszunahme ist im Wachstumsalter und bei jungen Erwachsenen physiologisch, solange es nicht auf eine Krankheit zurückzuführen ist und das Normgewicht (BMI 25) nicht überschritten wird. Eine unnormale, der Nahrungsaufnahme unangemessene Gewichtszunahme kann ein ernstes Krankheitszeichen sein.


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Appetitregulation

Der Appetit wird über verschiedene Faktoren reguliert. Zu ihnen gehören

  • Magendehnung: sie führt über den Vagus zu Sättigungsgefühl.
  • Leber-Hirn-Achse: über den Vagus wird dem Gehirn mitgeteilt, wann bei einer Fettmahlzeit Sättigung einzutreten hat.
  • Ghrelin: regt den Appetit an; es wird im Magenfundus gebildet,
  • Leptin hemmt den Appetit; es wird im Fettgewebe gebildet und wirkt im zentralen Nervensystem zum Teil über eine Hemmung des Neuropeptid Y.
  • Neuropeptid Y; es wirkt im Hypothalamus des Gehirns appetitsenkend [1].

Mehr dazu siehe hier.

Normale Gewichtszunahme

Durch kalorienreiche Nahrung mit mehr KH und Protein und weniger Fett in kürzeren Abständen (z. B. alle 3 Stunden) plus zudem Muskelaktivität zur Bildung von Muskelmasse kann – je nach Ausgangsgewicht – eine Gewichtszunahme von bis zu 0,5 bis 1 (bis maximal 2,5) kg in 1 Monat erzielt werden. Was darüber hinausgeht, ist möglicherweise kein echtes Körpergewicht, sondern verdächtig auf eine Flüssigkeitseinlagerung (s. u.).

Geht die Gewichtszunahme über die Normgrenze (BMI 25) hinaus und überschreitet sie speziell die Grenze zur Adipositas (BMI 30), so steigt das Risiko von Krankheiten. Eine Ausnahme ist die Gewichtsentwicklung in der Schwangerschaft.

Abnorme Gewichtszunahme

Die häufigste Ursache einer starken und anhaltenden Gewichtszunahme ist eine falsche Ernährung im Verbund mit zu geringer körperlicher Bewegung. Insbesondere spielt freie Glukose (z. B. in Softdrinks und Gebäck) eine entscheidende Rolle, da sie zu frühzeitig erneut einsetzendem Hungergefühl führt.

Eine Gewichtszunahme lässt sich durch folgende Kriterien als ungewöhnlich oder pathologisch einordnen:

  • ungewollt und über das Normgewicht hinaus: sie ist verbunden mit einer Erhöhung des Risikos für das metabolische Syndrom und die Arteriosklerose.
  • zu rasch: sie ist möglicherweise durch eine abnorme Flüssigkeitseinlagerung zu erklären und weist auf eine zugrunde liegende Erkrankung hin.

Gewichtszunahme durch „atmende“ Körpermasse

Als Ursachen einer echten Gewichtszunahme durch Zellvermehrung kommen folgende Bedingungen in Betracht:

  • Metabolisches Syndrom,
  • Diabetes Typ 2, z. T. vermittelt durch eine intestinale Neuropathie (Schädigung des Leberasts des Vagus (siehe hier).
  • Hormonstörungen: Beispiele sind
  • Medikamente: Beispiel sind
    • Insulin und einige Antidiabetika,
    • Glukokortikoide: sie führen zu einer Appetitsteigerung und auch einer vermehrten Wassereinlagerung in den Körper,
    • Antipsychotika wie Clozapin, Olanzapin, Quetiapin und Risperidon [2].
  • Stress-Esssucht: Es gibt offenbar einige Menschen, die auf psychosozialen Stress mit vermehrter Nahrungsaufnahme reagieren, so dass in eine Metaanalyse eine positive Korrelation zu erhöhtem Körpergewicht gefunden wurde [3] (fragliche Rolle des Belohnungssystems).

Gewichtszunahme durch Flüssigkeitseinlagerung

Einer Gewichtszunahme, die durch den aktuell vorhandenen Appetit nicht erklärt werden kann, ist verdächtig auf eine übermäßige „Wassereinlagerung“ in den Körper. Häufigste Ursachen sind:

Verweise

Literatur

  1. ? Int J Obes Relat Metab Disord. 2002 Mar;26(3):281-98
  2. ? Curr Psychiatry Rev. 2012 Feb 1;8(1):25-36
  3. ? Obesity (Silver Spring). 2011 Apr;19(4):771-8