Campylobacter-Enteritis

Die Campylobacter-Enteritis ist eine Darmerkrankung, die mit profusen Durchfällen einhergeht und durch ein Bakterium der Campylobacter-Gattung, meist durch Campylobacter jejuni, ausgelöst wird. Campylobacter-Infektionen des Darms gehören mit den Salmonellosen zu den häufigsten Ursachen für bakterielle Darmentzündungen weltweit. Als ein wichtiges Reservoir der Bakterien gelten Hühnchen. Campylobacter spp. sind häufige Ursachen einer Reisediarrhö. Meist ist die Darminfektion selbstlimitierend und bedarf keiner antibiotischen Therapie. Wenn bei kompliziertem oder verlängertem Verlauf doch Antibiotika indiziert sind, so kommen in erster Linie Mkrolide in Frage.


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Die Bakterien

Die infektiösen Bakterien der Gattung Campyobacter sind Gram negativ,  spiralkommaförmig und besitzen eine endständige Geißel (Flagelle), mit der sie sich fortbewegen. Es gibt verschiedene Varianten mit unterschiedlicher Virulenz. 1) 2015 Oct 24;16:852. doi: 10.1186/s12864-015-2087-y. 2) 2018 Aug 1;84(16). pii: e01032-18. doi: 10.1128/AEM.01032-18. Kolonisierte Masthühner stellen den Hauptvektor für die Übertragung von Campylobacter spp. auf den Menschen dar. 3) 2012 Feb;12(2):89-98. doi: 10.1089/vbz.2011.0676.

Entstehung und Verlauf

Die Infektion erfolgt meist über kontaminierte Lebensmittel, wobei Geflügel offenbar eine Rolle als Reservoir der Bakterien spielt 4) 2012 Feb;12(2):89-98. doi: 10.1089/vbz.2011.0676., oder fecal-oral in Gebieten mit geringer Hygiene. In der Vorphase der Durchfallphase kommen in unterschiedlicher Ausprägung Fieber, Kopfschmerzen und Muskelschmerzen vor. Nach bis zu 5 Tagen treten Durchfälle mit Bauchkrämpfen auf, die wässrig, aber auch blutig sein können. Dabei kann das Fieber bis zu 40 ° C steigen. Diese Phase dauert 1-2 Tage. Durch die immunologische Gegenwehr des Körpers können Gelenkbeschwerden im Sinne einer reaktiven Arthritis, sowie ein Erythema nodosum auftreten, sehr selten nach 2-3 Wochen auch ein Guillain-Barré-Syndrom. Der Verlauf ist in der Regel nach 1 (-2) Wochen selbstlimitierend.

In seltenen Fälle, wie dem bei Zustand nach Milzexstirpation 5) 2019 May 9;17:e00555. doi: 10.1016/j.idcr.2019.e00555. oder unter Immunsuppression nach Organtransplantation 6) 2014 Dec;16(6):1007-11. doi: 10.1111/tid.12302., kann es bei eine Capylobacter-Enteritis zu einer Bakteriämie kommen.

Diagnostik

Eine fieberhafte Diarrhö nach Prodromi von Kopfschmerzen und Fieber lässt auf eine bakterielle Ursache schließen, wobei Salmonellen und Campylobacter in erster Linie in Frage kommen.

Unter den Laborwerten finden sich erhöhte Entzündungsparameter, wie CRP. In Vergleich mit einer Salmonellose sind bei einer Campylobacter-Enteritis deutlich höhere Leukozytenwerte im Blut zu erwarten.

Die Sicherung der Diagnose erfolgt durch Stuhlkultur und Anstieg des Antikörpertiters im IgM-Bereich.

Therapie

Der Verlauf einer Campylobacter-Enteritis ist zwar in den meisten Fällen selbstlimitierend und bedarf keiner antibiotischen Therapie. Sie sollte bei dem üblichen Verlauf vermieden werden. 7) 2015 Feb;61(1):25-31. doi: 10.1093/tropej/fmu061.

Antibiotika: Bei kompliziertem oder verlängertem Verlauf können Antibiotika indiziert sein. In Frage kommen in erster Linie Makrolid-Antibiotika, beispielsweise Erythromycin oder Azithromycin 8) 2019 May 6;11:19. doi: 10.1186/s13099-019-0301-1., aber auch Ciprofloxacin. Es wird eine zunehmende Resistenz beobachtet 9)J Antimicrob Chemother. 2006 Aug; 58(2):243-55., deren Mechanismen intensiv untersucht werden. 10) 2013 Jun 14;13:133. doi: 10.1186/1471-2180-13-133.

Tritt eine infektiöse Reisediarrhö auf, unter deren Ursachen auch Campylobacter spp. sein können, so kann eine kurzzeitige Antibiose helfen, die Erkankung abzukürzen und die Übertragung auf andere Menschen einzudämmen. 11)Clin Infect Dis. 1993 Oct; 17(4):779-82.

Symptomatische Behandlung: zum Flüssigkeits- und Elektrolytausgleich sowie zur Besserung von Kopf- und Gliederschmerzen.

Verweise


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).



Literatur   [ + ]

1. 2015 Oct 24;16:852. doi: 10.1186/s12864-015-2087-y.
2. 2018 Aug 1;84(16). pii: e01032-18. doi: 10.1128/AEM.01032-18.
3, 4. 2012 Feb;12(2):89-98. doi: 10.1089/vbz.2011.0676.
5. 2019 May 9;17:e00555. doi: 10.1016/j.idcr.2019.e00555.
6. 2014 Dec;16(6):1007-11. doi: 10.1111/tid.12302.
7. 2015 Feb;61(1):25-31. doi: 10.1093/tropej/fmu061.
8. 2019 May 6;11:19. doi: 10.1186/s13099-019-0301-1.
9. J Antimicrob Chemother. 2006 Aug; 58(2):243-55.
10. 2013 Jun 14;13:133. doi: 10.1186/1471-2180-13-133.
11. Clin Infect Dis. 1993 Oct; 17(4):779-82.