Eculizumab

Eculizumab (Soliris®) ist ein humanisierter monoklonaler Anti-C5-Antikörper, der die terminale Aktivierung des Komplementsystems hemmt. Zugelassen ist er zur Therapie der paroxysmalen nächtlichen Hämoglobinurie (PNH) [1]. Auch beim hämolytisch urämischen Syndrom kann es günstig wirken [2].


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Das Wichtigste

Kurzgefasst

Eculizumab ist ein Medikament, das  den Zerfall roter Blutkörperchen beim hämolytisch urämischen Syndrom (HUS) und bei bestimmten Infektionen (z. B. EHEC-Infektion) hemmt. Es dient der Behandlung der paroxysmalen nächtlichen Hämoglobinurie (PNH).

Prinzipiell kommt Eculizumab zur Therapie aller Complement-vermittelter Erkrankungen in Betracht, so des aHUS (atypisches hämolytisch urämisches Syndrom) 1) 2017 Oct;10(5):600-624. doi: 10.1093/ckj/sfx081 und möglicherweise auch des HELLP-Syndroms 2) 2013 Feb;34(2):201-3. doi: 10.1016/j.placenta.2012.11.014. Allerdings fehlen breite Erfahrungen.

Offenbar wird Eculizumab relativ gut vertragen. Vor einer Therapie sollte eine Meningokokkenimpfung durchgeführt werden.

Wirkung bei der PNH, Beispiel

Bei der überwiegenden Zahl der Patienten mit paroxysmaler nächtlicher Hämoglobinurie (PNH) führt Eculizumab zur Reduktion der Hämolyse und Steigerung des Allgemeinbefindens. In einer Veröffentlichung aus Japan wird von folgenden Verbesserungen berichtet [3]:

  • 87% Reduktion der Hämolyse auch unabhängig der Verbesserung der Anämie,
  • Verbesserung von Müdigkeit und Atemnot in Folge der Verbesserung des Hämoglobin-Werts,
  • 41% Verbesserung der Nierenwerte (die bei 66% der Patienten erhöht waren),
  • 45% Normalisierung der D-Dimere (Spaltprodukte des Fibrins infolge der Bildung von Mikrothromben bei Hämolyse.

Eine positive Wirkung von Eculizumab wird bei der durch eine EHEC-Infektion ausgelösten Hämolyse beschrieben [4] (siehe dort).

Eine neue Indikation scheint die schwere Form eines HELLP-Syndroms zu sein; ein erster Erfahrungsbericht schildert die deutliche Verbesserung der Blutwerte und des klinischen Symptome, so dass die Schwangerschaft verlängert werden konnte [5].

Das Medikament wird als gut verträglich beschrieben.

Anwendung in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft kann die PNH zu Komplikationen und einem Absterben der Frucht führen. Eculizumab erhöht die Überlebensrate der  Feten und senkt die mütterliche Komplikationsrate 3)N Engl J Med. 2015 Sep 10;373(11):1032-9. Das Komplementsystem des Neugeborenen wird nicht beeinträchtigt 4)Immunobiology. 2015 Apr;220(4):452-9. Andere Untersuchungen haben keinen Effekt von Eculizumab zur Verhinderung einer Präeklampsie oder des HELLP-Syndroms ergeben. 5) 2016 Dec;31(12):2122-2130.

Warnhinweis

Wegen der Gefahr einer Meningokokken-Enzephalitis unter Therapie mit Eculizumab wird dringend empfohlen, vor Therapiebeginn unbedingt eine Meningokokken-Impfung durchzuführen[6].

Die Warnhinweise der Fachinformationen (des Beipackzettels) sollten beachtet werden.

Verweise

Literatur

  1. ? Lancet. 2009 Feb 28;373(9665):759-67
  2. ? Curr Opin Pediatr. 2013 Apr;25(2):225-31
  3. ? Int J Hematol. 2011 Jan;93(1):36-46
  4. ? Lapeyraque AL et al., N Engl J Med. 2011 May 25. [Epub ahead of print]
  5. ? Placenta. 2013 Feb;34(2):201-3
  6. ? Drugs Today (Barc). 2007 Aug;43(8):539-46


Literatur   [ + ]

1. 2017 Oct;10(5):600-624. doi: 10.1093/ckj/sfx081
2. 2013 Feb;34(2):201-3. doi: 10.1016/j.placenta.2012.11.014
3. N Engl J Med. 2015 Sep 10;373(11):1032-9
4. Immunobiology. 2015 Apr;220(4):452-9
5. 2016 Dec;31(12):2122-2130.