Lambert-Eaton-Syndrom

Das Lambert-Eaton-Syndrom (engl.: Lambert-Eaton myasthenic syndrome (LEMS) ist eine seltene, immunvermittelte neuromuskuläre Erkrankung mit allgemeiner Muskelschwäche, die häufig als Paraneoplasie bei Tumoren, am häufigsten beim kleinzelligen Bronchialkarzinom (small cell lung carcinoma (SCLC)), auftritt.

Ätiopathogenese

Beim Lambert-Eaton-Syndrom sind Autoantikörper gefunden worden, die für die Pathogenese verantwortlich sein sollen. In den meisten Fällen (ca 85%) sollen Autoantikörper gegen Kalziumkanäle vorliegen. Häufig sind zudem solche gegen SOX1 und den M1-Typ muskarinischer Acetylcholinrezeptoren der Synapsen [1]. SOX1-Antikörper lassen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit auf ein zugrunde liegendes kleinzelliges Bronchialkarzinom schließen [2][3].

Die durch Antikörper bedingte Hemmung der Freisetzung von Acetylcholin an den Synapsen, führt zu einer motorischen Funktionsstörung. Dies erklärt die beim Lambert-Eaton-Syndrom zu beobachtende Schwäche der Skelettmuskulatur (s.u.).

Symptomatik

Das Lambert-Eaton-Syndrom tritt selten vor dem 30. Lebensjahr auf. Im Vordergrund stehen trockener Mund, Obstipation, Ptosis der Augenlider, Areflexie, Ataxie (selten liegt eine cerebelläre Degeneration vor) und zunehmende Schwäche der proximalen Muskulatur mit Gangstörungen.

Diagnostik

Die wichtigste Differenzialdiagnose ist die Myasthenia gravis. Sie ist eine postsynaptische Störung der Erregungsübertragung auf den Muskel. Bei ihr sind Anti-Acetylcholinrezeptor-Antikörper (AchR-Antikörper) mit hoher Sensitivität bis zu 95% und einer Spezifität von praktisch 100% positiv. Sie fehlen beim Lambert-Eaton-Syndrom.

Bei Lambert-Eaton-Syndrom sind dagegen Auto-AK gegen Kalziumkanäle (VGCC) in 80-90 % positiv.

Therapie

Die Therapie des Lambert-Eaton-Syndroms besteht in der Chemotherapie des zugrunde liegenden Tumors. Bei mangelhaftem Ansprechen kann in vielen Fällen laut Studienergebnissen eine symptomatische Besserung durch den Kalium-Kanal-Blocker 3,4-Diaminopyridin (3,4-DAP) erwartet werden [4]. Auch intravenöse Applikation von Immunglobulinen erhöhen die Muskelkraft [5].

Verweise

Literatur

  1. ? Brain Nerve. 2010 Apr;62(4):419-26
  2. ? Neurology. 2008 Mar 18;70(12):924-8
  3. ? Clin Oncol. 2009 Sep 10;27(26):4260-7
  4. ? Curr Med Res Opin. 2010 Jun;26(6):1363-75
  5. ? Cochrane Database Syst Rev. 2005 Apr 18;(2):CD003279