Adrenalin

Adrenalin, auch als Epinephrin bezeichnet, ist ein Hormon des Nebennierenmarks, welches unter Stressbedingungen gebildet wird und den Körper auf Anstrengungen vorbereitet. Es dient nicht nur zur Bewältigung körperlicher Anstrengungen (evolutionäre Bedeutung: vor allem bei Verfolgung von fliehender Beute, Kampf oder Flucht), sondern wird auch bei psychischer Aufregung ins Blut abgegeben.


→ Auf facebook informieren wir Sie über Neues auf unseren Seiten!
→ Verstehen und verwalten Sie Ihre Laborwerte mit der
Labor-App Blutwerte PRO!


Biosynthese und Abbau

Adrenalin zählt zu den Katecholaminen, zu denen auch Dopamin und Noradrenalin gehören. Es ist ein kleines Molekül, welches im Nebennierenmark aus Tyrosin und Phenylalanin über die Zwischenstufen Dopamin und Noradrenalin gebildet wird. Seine Synthese unterliegt einer Endprodukthemmung; sie verhindert eine überschießende und gefährliche Überproduktion.

Der Abbau von Adrenalin geschieht rasch, die Plasmahalbwertszeit beträgt nur bis zu 3 Minuten. Am Abbau beteiligt sind die Catechol-O-Methyltransferase (COMT) und die Monoaminooxidase (MAO). Ein diagnostisch wichtiges Abbauprodukt ist die Vanillinmandelsäure, die über den Urin ausgeschieden wird.

Funktionen

Adrenalin dient als Stresshormon. Es bereitet den Körper auf vielfältige Weise auf körperliche Anstrengung vor:

  • Mobilisierung von Energiereserven: Abbau von Glykogen (Glykogenolyse), Erhöhung des Blutzuckers, Abbau von Fett (Lipolyse),
  • Beschleunigung der Herztätigkeit,
  • Verbesserung der Durchblutung der Muskulatur,
  • Verringerung der Motilität des Darms (Darmträgheit),
  • Verringerung der Durchblutung von Haut, Darm und Nieren,
  • Anregung der Schweißdrüsen (zur Senkung der durch Muskelarbeit ansteigenden Körpertemperatur)
  • Erweiterung der Atemwege (zur Verbesserung der Atmung unter Anstrengung),
  • Verschluss der Harnblase durch Kontraktion des Schließmuskels,
  • Entspannung (Relaxation) der Uterus in der Schwangerschaft,
  • Erweiterung der Pupille (Mydriasis),
  • fördert die Thrombozytenaggregation und damit den Wundverschluss (sinnvoll bei Wunden im körperlichen Stress: Kampf oder Flucht).

Adrenalin wirkt über verschiedene Adrenorezeptoren:

  • α1-Adrenozeptoren (Subtypen α1A, α1B und α1D) werden vorwiegend in Blutgefäßen gefunden.
  • α2-Adrenozeptoren (Subtypen α2A, α2B und α2C) werden auf Thrombozyten (Blutplättchen) und im vegetativen und zentralen Nervensystems gefunden.
  • β-Adrenozeptoren (Subtypen β1, β2 und β3),  werden in der Muskulatur des Herzens und der Bronchien gefundne. Am Herzen sorgen sie dafür, dass bei Anstrengung genügend Blut gepumpt, an den Bronchien dass genügend geatmet werden kann. Außerdem werden β2-Adrenozeptoren auch auf Immunzellen gefunden; das Knochenmark ist durch Nervenendigungen vom Sympathicus mit dem vegetativen Nervensystem und dem Gehirn verbunden. Eine Stress-bedingte Aktivierung führt zu einer Dämpfung entzündlicher Abwehrfunktionen des Körpers. 1)Pharmacol Rev. 2000;52(4):595-638. Auch wird angenommen, dass die Beeinflussung des Immunsystems über den Sympathicus tageszeitabhängig (in zirkadianem Rhythmus) erfolgt. 2)Front Immunol. 2020;11:1235. Published 2020 Jun 23. doi:10.3389/fimmu.2020.01235

Wirkung auf das Herz

Adrenalin bewirkt am Herzen über ß1-Adrenorezeptoren eine Beschleunigung der Herzaktion (positive chronotrope Wirkung) und eine Erhöhung der Kontraktilität (positive inotrope Wirkung). Damit ist das Herz in der Lage, das Herzminutenvolumen und den Blutdruck zu erhöhen.

Eine Blockierung dieser Wirkung durch Betablocker, speziell durch ß1-selektive Betablocker, verlangsamt die Herzfrequenz, was vor allem bei leichter psychischer Erregbarkeit und bei einer Verengung der Herzkranzgefäße zur Vermeidung einer Angina pectoris therapeutisch ausgenutzt wird.

Wirkung auf das Blutgefäßsystem

Adrenalin bewirkt an der Muskulatur über ß2-Adrenorezeptoren eine Erweiterung der Blutgefäße und damit eine Verbesserung der Durchblutung, die einer erhöhten muskulären Leistung zugute kommt.

Dagegen bewirkt es an der Haut und an den Nieren über α1-Adrenozeptoren eine Gefäßkonstriktion, die zu einer peripheren Widerstandserhöhung und Einschränkung der Urinproduktion führt. Die Verringerung des peripheren Gefäßbetts durch die Gefäßverengung fördert den bei Anstrengung erforderlichen Blutdruckanstieg und stellt dafür zudem das notwendige Blutvolumen im zentralen Gefäßbett zu Verfügung.

Eine Blockierung der α1-Adrenozeptoren durch Alpha-Blocker unter Stress mit erhöhter Adrenalinproduktion kann wegen der durch Adrenalin erweiterten muskulären Blutgefäße durch nun auch zudem periphere Gefäßweitstellung zu einem besonders effektiven Blutdruckabfall führen.

Wirkung auf den Stoffwechsel

Adrenalin fördert über ß2-Rezeptoren den Glykogenabbau und die Glukoneogenese in Leber und Muskulatur. Damit erhöht es unter Stressbedingungen den Blutzucker, der zur Bewältigung körperlicher Arbeit erforderlich ist. Es fördert zudem vorwiegend über ?3-Adrenozeptoren den Fettabbau (Lipolyse), der ebenfalls zur Energiebereitstellung dient und vor allem bei Erschöpfung der Glykogenreserven wirksam wird.

Tumor des Nebennierenmarks

Tumore des Nebennierenmarks sind selten und können Adrenalin produzieren. Sie werden als Phäochromozytom bezeichnet. Ihre Symptomatik ist von den oft akut auftretenden Adrenalinspitzen im Blut bestimmt; es besteht eine hohe Letalität vor allem wegen tachykarder Herzrhythmusstörungen und hypertoner Krisen (siehe hier). Diagnostisch von Bedeutung ist die Vanillinmandelsäure (s. o.).

Verweise

 


→ Auf facebook informieren wir Sie über Neues auf unseren Seiten!
→ Verstehen und verwalten Sie Ihre Laborwerte mit der
Labor-App Blutwerte PRO!


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 


Literatur   [ + ]

1. Pharmacol Rev. 2000;52(4):595-638.
2. Front Immunol. 2020;11:1235. Published 2020 Jun 23. doi:10.3389/fimmu.2020.01235