Nicht metastasiertes Prostatakarzinom

Das nicht metastasierte Prostatakarzinom (siehe hier) kann zu einer problematischen Entscheidungslage bezüglich der Therapiestrategie führen. Radikaloperation und abwartendes Zuwarten können im Einzelfall als günstiger einzuschätzen sein. Folgende Studienergebnisse können bei der Entscheidung helfen:

Eine Langzeitstudie über mehr als 23 Jahre 1)N Engl J Med. 2014 Mar 6;370(10):932-42 weist nach, dass beim nicht metastasierten lokalen Prostatakarzinom eine radikale Operation (totale Prostatektomie) quo ad vitam deutlich bessere Langzeitergebnisse aufweist als beobachtendes Zuwarten (watchful waiting). Im Beobachtungszeitraum starben 200 von 347 Männern, die operiert wurden; bei 63 war das Prostatakarzinom dafür verantwortlich. In der watchful-waiting-Gruppe starben 247 von 348 Männern und 99 waren auf das Prostatakarzinom zurückzuführen. Daraus wurde errechnet, dass die Zahl von Operationen, die notwendig ist, um 1 Todesfall zu verhindern (number needed to treat) rechnerisch bei 8 liegt.

Von der aggressiven Therapie des nicht metastasierten Prostatakarzinoms profitierten besonders Männer unter 65 Jahren; das relative Mortalitätsrisiko sank bei ihnen um etwa die Hälfte. Aber auch ältere Männer profitierten insofern, als die radikale Prostatektomie zu einer Abnahme der Metastasierung im weiteren Verlauf um etwa 1/3 führte.

In einer Studie über verschiedene Behandlungsmethoden eines lokalisierten Prostatakarzinoms an 1643 Patenten der Altersgruppe von 50 – 69 Jahren mit einer Beobachtungzeit über im Mittel 10 Jahre stellte sich heraus, dass zwischen ihnen zwar Unterschiede bestanden, die jedoch nicht signifikant waren. Eine operative oder Strahlentherapie war mit einem geringeren Fortschreiten der Krankheit und weniger Metastasenbildung verbunden als beobachtendes Zuwarten (active monitoring). Im Studienzeitraum fanden sich 17 Todesfälle, die durch das Prostatakarzinom zustande kamen, 5 davon in der Gruppe der Operierten (0.9 pro 1000 Personenjahre), 4 in der Radiotherapieguppe (0.7 pro 1000 Personenjahre) und 8 in der Beobachtungsgruppe (1,5 pro 1000 Personenjahre)  2)N Engl J Med 2016; 375:1415-1424.

Abzuwägen sind Zahl der Nebenwirkungen und Komplikationen einer radikalen Operation mit der Lebensqualität bei beobachtendem Zuwarten. Nach radikaler Prostatektomie einerseits kommt es häufig zu einer erektilen Dysfunktion und zu einem Leck der Harnröhre; während andererseits im Fall des “watchful waitings” häufiger und früher eine Tumorprogression eintritt, die zu tumorbedingten Beschwerden führt 3)Lancet Oncol. 2011 Sep;12(9):891-9. Was im Einzelfall besser sein wird, muss abgewogen werden. Bei älteren oder multimorbiden Menschen kann das beobachtende Zuwarten eine gute Entscheidung bedeuten, bei jüngeren und ansonsten gesunden Männern die Radikaloperation.

Ausführliche Informationen zum Prostatakarzinom und seiner Therapie finden Sie hier.


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Verweise


Literatur   [ + ]

1. N Engl J Med. 2014 Mar 6;370(10):932-42
2. N Engl J Med 2016; 375:1415-1424
3. Lancet Oncol. 2011 Sep;12(9):891-9