MELD-Score und hepatorenales Syndrom


Das hepatorenale Syndrom (HRS) ist eine lebensgefährliche Komplikation der Leberzirrhose. Rasch sich verschlechternde Nierenwerte (Kreatinin, glomeruläre Filtrationsrate) und Rückgang der Natriumausscheidung sind charakteristisch. Der MELD-Score steigt innerhalb weniger Tage rasch an. Somit wäre eine Lebertransplantation u.U. sehr rasch erforderlich. Allerdings wird darauf hingewiesen, dass dieser Automatismus je nach Ansprechen auf die Therapie mit Terlipressin plus Albumin kurzfristig adaptierbar sein muss. (1)J Hepatol. 2012 Nov;57(5):1135-40. doi: 10.1016/j.jhep.2012.06.024

Hyponatriämie-Therapie mit Tolvaptan

Hyponatriämie (zu niedrige Natriumspiegel im Blut) ist eine häufige Begleiterscheinung der Leberzirrhose und sagt einen Schlechten Verlauf voraus. Das Risiko eines leberbedingten Nierenversagens (HRS) ist erhöht. Tolvaptan ist ein selektiver, oral applizierbarer Vasopressin-Rezeptor-Antagonist und erhöht den Natriumspiegel bei Hyponatriämie. Tolvaptan wird verwendet bei Hypervolämie und Euvolämie, es sollte nicht verwendet werden, wenn kein ausreichendes Durstgefühl entwickelt wird, bei Hypovolämie oder bei Anurie. Die Natriumkonzentration sollte in kurzen Abständen überprüft werden [9]. (2)Dig Dis Sci. 2012 Nov;57(11):2774-85. doi: 10.1007/s10620-012-2276-3

Interferon-gamma hemmt die Narbenbildung der Leber

Im Rattenmodell wurde verifiziert, dass die durch Tetrachlorkohlenstoff induzierte Zirrhosebildung durch Interferon-gamma unterdrückt wird; dies kann durch Messung der Sekretion von Kollagen I und IV sowie der Aktivität der Ito-Zellen nachgewiesen werden. Rekombinantens menschliches Wachstumshormon, welches die Albumin-Produktion steigert und das Überleben bei chronischer Leberkrankheit verbessert Dig Liver Dis 2008;40:554-559. PMID: 18164672, steigert sie dagegen; die gesteigerte Narbenbildung durch Wachstumshormon kann durch Interferon-gamma zum Teil neutralisiert werden. (3)Hepatobiliary Pancreat Dis Int. 2012 Jun;11(3):294-301

Ein neues Paradigma für die Therapie der Leberzirrhose

Bisher überwog die Einstellung, dass der Verlauf der Leberzirrhose meist nicht beeinflussbar sei, so dass sich die Therapie oft nur auf die Beherrschung der Komplikationen, wie gastrointestinale Blutungen oder Aszites, beschränkte. Heute tritt die Prophylaxe solcher Kompliaktionen in den Vordergrund. Dazu gehören Medikamente wie Propranolol (zur Senkung des Pfortaderhochdrucks), Simvastatin, Norfloxacin (zur antibiotischen Behandlung von Infektionen) und Warfarin (zur Antikoagulation z. B. bei AT3-Mangel). Studien dazu werden erwartet. Es wird betont, dass die Leberzirrhose als eine potentiell mit relativ preiswerten Medikamenten behandelbare Erkrankung aufgefasst werden muss. (4)Hepatology. 2012 Jun 22. doi: 10.1002/hep.25915


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Verweise

 

Literatur

  1. ? J Hepatol. 2012 Dec 18. pii: S0168-8278(12)00960-9. doi: 10.1016/j.jhep.2012.12.012. [Epub ahead of print]
  2. ? J Ethnopharmacol. 2012 Aug 1;142(3):811-8
  3. ? Cochrane Database Syst Rev. 2012 Aug 15;8:CD004544
  4. ? Int J Hepatol. 2012;2012:686135. Epub 2012 Jul 26
  5. ? Gut Liver. 2012 Jul;6(3):355-61. Epub 2012 Jul 12
  6. ? Farci P et al. Proc Natl Acad Sci U S A. 2012 Jul 24. [Epub ahead of print]
  7. ? Korean J Radiol. 2012 Jul;13(4):434-42
  8. ? Angeli P, Gines P J Hepatol. 2012 Jun 26. [Epub ahead of print]
  9. ? Gaglio P et al. Dig Dis Sci. 2012 Jun 26. [Epub ahead of print]
  10. ? Hepatobiliary Pancreat Dis Int. 2012 Jun;11(3):294-301
  11. ? Hepatology. 2012 Jun 22. doi: 10.1002/hep.25915

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 

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