Misteltherapie

Die Misteltherapie spielt in der alternativen Medizin eine bedeutende Rolle. Speziell bei der Behandlung von Krebs soll sie günstig wirken. Seit bekannt ist, dass viele Pflanzenstoffe medikamentöse Wirkungen ausüben (daher der zusammenfassende Name “Phytopharmaka“), wird auch die in der Schulmedizin verrufene Mistel erneut auf eventuelle therapeutisch nutzbare Wirkungen untersucht.


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Definition

Extrakte aus der Mistel (mistletoe, Viscum album) werden in der alternativen Medizin zur Krebstherapie eingesetzt. Sie scheinen jedoch laut Ergebnissen experimenteller Forschung eine Anti-Tumoraktivität zu besitzen, deren Wirksamkeitsnachweis in der evidenzbasierten Medizin derzeit noch aussteht.

Wirkungen

Immunsystem: Mistelextrakte enthalten Lektine (Mistellektine), die als Immunmodulatoren wirken. Sie sind heterogen und variieren in ihrem Lektingehalt. Die Bildung von dendritischen Zellen aus Monozyten wird unter dem Einfluss von Mistelextrakten beschleunigt. Dies begründet wahrscheinlich ihre Anti-Tumoraktivität. Es wird auch die Bildung von IL-6 und IL-8 (inflammatorische Zytokine) stimuliert [1].

Krebs: Mistelextrakte sind antioxidativ wirksam und reduzieren die Überexpression von “heat shock Proteinen” (Hsps) in Krebszellen und wirken in mehreren experimentellen Krebsmodellen positiv, so z. B. in einer Glioma-Zellinie [2].

Bauchspeicheldrüsenkrebs: Mistellektine binden an den CD75-Gangliosidrezeptor auf Makrophagen, die Interleukin-12 (IL-12) produzieren. CD75-Gangliosidrezeptoren zeigen eine erhöhte Expression auf Zellen des Pankreaskarzinoms [3].

Angiogenesehemmung: Mistelextrakte vermögen im Tierversuch die Bildung neuer Blutgefäße zu hemmen, die bei der Entwicklung von Tumoren und Metastasen eine wichtige Rolle spielt [4]. (Ein anderes Antiangiogeneseprinzip ist Bevacizumab, das beim kolorektalen Karzinom inzwischen eine bedeutende therapeutische Option ist.)

Darmkrebs: Eine chinesische Untersuchung zeigt in Tierversuchen, dass subkutan inokulierte Darmkrebszellen unter der Wirkung von Mistelextrakten langsamer wachsen als in Kontrollen; die Zahl der Tumorantigen-spezifischen CD4- und CD8+ T-Zellen erhöhte sich [5].

Brustkrebs: Mistelextrakte scheint die Lebensqualität signifikant zu verbessern und die Symptome des Tumors sowie die Therapie-Nebenwirkungen zu reduzieren [6][7].

Studien: Eine Cochrane-Bewertung der Literatur zur Mistel-Therapie beim Menschen ergibt Hinweise auf eine mögliche Wirkung beim Mammakarzinom; bei anderen Tumoren (wie dem Melanom oder den Kopf-Hals-Tumoren) wird eine Lebensverlängerung nicht gefunden. Eine Wiederholung der Studien mit höherer Qualität wird angemahnt. Die Misteltherapie ist laut Studienlage sicher und gut verträglich [8].

Eine international anerkannte Standardisierung der Mistelextrakte fehlt bisher. Daher sind Studien kaum vergleichbar. Sie haben in der evidenzbasierten Medizin keine adäquate Repräsentation [9].

Verweise

Literatur

  1. ? BMC Cancer. 2008 Jun 4;8:161
  2. ? Genet Mol Res. 2012 Aug 24;11(3):2801-13.
  3. ? Mol Cancer Ther. 2008 Aug;7(8):2464-75
  4. ? Anticancer Res. 2009 Aug;29(8):2945-50
  5. ? World J Gastroenterol. 2008 Sep 14;14(34):5274-81
  6. ? Anticancer Res. 2008 Jan-Feb;28(1B):523-7
  7. ? J Exp Clin Cancer Res. 2009 Jun 11;28:79
  8. ? Cochrane Database Syst Rev. 2008 Apr 16;(2):CD003297
  9. ? Hajtó T et al. Evid Based Complement Alternat Med. 2009 Nov 25. [Epub ahead of print]