Helicobacter-Eradikation

Helicobacter-Eradikation bedeutet Entfernung (“Ausrottung”) des Magenkeims Helicobacter pylori aus der Magenschleimhaut. Mit ihr werden Erkankungen behandelt, die durch dieses Bakterium ausgelöst und unterhalten werden.

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Das Wichtigste

Kurzgefasst
Die Behandlung einer Helicobacter-pylori-Infektion ist bei bestimmten Indikationen, wie dem Magenulkus, Duodenalulkus, der ausgeprägten Gastritis, dem MALT-Lymphom und der idiopathischen thrombozytopenischen Purpura (ITP) absolut indiziert.

Die in vergangener Zeit übliche Tripeltherapie (2 Antibiotika plus 1 Protonenpumpenblocker) ist wegen zunehmender Resistenz des Keims gelengtlich nicht mehr ausreichend wirksam. Neuere Therapie-Regime basieren auf einer Verlängerung der Therapiedauer und auf einer sequenziellen Verabreichung der verschiedenen Medikamentenkombinationen (s.u.). Auch werden wieder Regime, die Wismut-Präparate enthalten, eingesetzt.

Es scheint sinnvoll zu sein, allen, bei denen in einer Routineuntersuchung eine Helicobacter-Infektion nachgewiesen wurde, eine Eradikation anzubieten, besonders auch in den Fällen, in denen eine Assoziation mit einer Arteriosklerose, einem Glaukom, einer Migräne oder einer Präeklampsie besteht (siehe hier). Sie sollte möglichst früh einsetzen, um einer schleichenden Weiterentwicklung der Helicobacter-Gastritis in Richtung Schleimhautatrophie und intestinale Metaplasie zuvor zu kommen und damit das Risiko für Magenkrebs zu senken.


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Indikationen zur Behandlung einer Infektion mit Helicobacter pylori

Eine Indikation zur Helicobacter-Eradikation („Ausrottung“ von Helicobacter pylori) wird in folgenden Fällen gesehen:

  • Eine absolute Indikation ergibt sich aus dem Schleimhautbefall mit Helicobacter und einer Komplikation, wie einem Ulkus, einer ausgeprägten Gastritis und einem MALT-Lymphom; auch eine idiopathische thrombozytopenische Purpura (ITP) gilt als Therapieindikation.
  • Eine relative Indikation im Sinne “man sollte behandeln” ist
    • der Reizmagen (Dyspepsie) nachdem andere Ursachen weitgehend ausgeschlossen wurden,
    • ein Helicobacterbefall ohne schwere Gastritis oder eine sonstige Komplikation, wenn eine längerfristige Behandlung mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) geplant ist, und
    • eine obere gastrointestinale Blutung unter ASS, bei der auch Helicobacter pylori nachgewiesen wird,
    • eine Helicobacter-positive auch asymptomatische Gastritis, wenn eine Langzeit-NSAR-Therapie geplant ist.
  • Eine lockere Indikation für die Therapie der Hp-Gastritis im Sinne von “man kann behandeln” ist
  • Eradikation zur Magenkarzinom-Prophylaxe bei individuellen Patienten:
    • wenn eine familiäre Belsatung bezüglich Magenkarzinom vorliegt,
    •  wenn eine chronische Pangastritis oder eine vorwiegend im Corpus manifestierte Gastritis vorliegt (die je ein über 34-fach erhöhtes Risiko für ein Magenkarzinom aufweisen 1)Br J Cancer 1998; 78: 263-266 2)J Clin Pathol 202; 55: 770-773 ),
    • wenn Magenpolypen festgestellt werden.
  • Keine zwingende Indikation – aber auch keine Gegenempfehlung: Eine Helicobacter-Besiedlung bei fehlender Symptomatik und ohne familiäre Magenkrebs-Belastung und ohne Symptomatik oder bei nur unspezifischen dyspeptischen Beschwerden und ohne Komplikationen ist nicht zwingend eine Eradikationsindikation. Aber eine Eradikation sollte dennoch angeboten werden; es gibt keine dagegen gerichtete Empfehlung. Als Argument wird das erhöhte Risiko für Magenkrebs anerkannt. Alter, Komorbiditäten und Medikamentenunverträglichkeiten müssen jedoch immer mitbedacht werden.
  • Die chronische Immunthrombozytopenie (idiopathische thrombozytopenische Purpura, ITP) ist oft mit einem positiven Nachweis eines Helicobacter-Befalls der Magenschleimhaut assoziiert. In diesen Fällen vermag alleine eine Helicobacter-Eradikation zu einer ausreichenden und anhaltenden Besserung der Thrombozytenzahlen führen.  Diese Therapie ist dann deutlich weniger eingreifend und auch wesentlich billiger als andere, bisher gebräuchliche, wie Steroide, Gamma-Globulin, anti-RhD, Splenectomy und Immunsuppressiva 3)Gut Liver. 2016 May 23;10(3):356-61.

Nutzen einer Eradikation

Eine erfolgreiche Helicobacter-Eradikation führt zur

  • Abnahme von Ulkusrezidiven: Eine Helicobacter-Eradikation führt statistisch zu einer Abnahme des Ulkusleidens und des MALT-Lymphoms, jedoch möglicherweise zu einer Zunahme der gastroösophagealen Refluxkrankheit (dies wurde auch für Kinder nachgewiesen [2]), des Barrett-Ösophagus und des Adenokarzinoms des unteren Ösophagus. Helicobacter pylori schützt möglicherweise vor diesen Erkrankungen (protektive Funktion gegenüber oral aufgenommenen Pathogenen?). Diese Annahmen bedürfen einer Überprüfung, da Untersuchungen eine Verschlechterung der Refluxkrankheit durch eine Eradikationstherapie nicht nachgewiesen haben [3].
  • Senkung des Magenkrebsrisikos: Eine Helicobacter-Eradikation senkt das Risiko einer intestinalen Metaplasie und damit auch das für Magenkrebs [4]; die Prävalenz von Magenkrebs sank in einer Studie um etwa 1/3 [5]. Eine familiäre Magenkrebs-Belastung kann daher auch bei symptomfreien Menschen ohne wesentliche Gastritis aber mit Helicobacter-Befall als Indikation für eine Eradikation angesehen werden [6]. Inzwischen zeigen Langzeitkontrollen in Japan jedoch, dass selbst nach Eradikation von Helicobacter das Risiko eines Magenkarzinoms erhöht bleibt, so dass endoskopische Kontrollen angeraten werden [7] [8].
  • Rückbildung einer atrophischen Gastritis: Eine Helicobacter-assoziierte atrophische Corpusgastritis kann sich durch eine Eradikationstherapie zurückbilden. Dies wurde in einer Langzeitverfolgung in etwa 80% der Fälle beobachtet. Prädestinierend dafür war eine nur milde Atrophie und eine Abwesenheit von intestinalen Metaplasien [9] [10],
  • Rückbildung einer idiopathischen Thrombozytopenie: Es werden Fälle berichtet, in denen sich eine idiopathische Thrombozytopenie (unerklärter Mangel an Blutplättchen mit Gerinnungsstörung) innerhalb von 6 Monaten nach einer Helicobacter-Eradikation deutlich bessert 4)Lancet. 1998 Sep 12; 352(9131):878 5)Am J Gastroenterol. 2005 Jun; 100(6):1265-70 6)Helicobacter. 2015 Aug;20(4):239-51 7)Gut Liver. 2016 May 23;10(3):356-61.

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Literatur   [ + ]

1. Br J Cancer 1998; 78: 263-266
2. J Clin Pathol 202; 55: 770-773
3, 7. Gut Liver. 2016 May 23;10(3):356-61
4. Lancet. 1998 Sep 12; 352(9131):878
5. Am J Gastroenterol. 2005 Jun; 100(6):1265-70
6. Helicobacter. 2015 Aug;20(4):239-51