Süßstoffe

Süßstoffe (engl.: sweeteners) werden in der Nahrungsmittelindustrie als Zuckerersatz verwendet. Fruktose ist ein natürlicher Süßstoff mit gering erhöhter Süßkraft gegenüber Haushaltszucker; es wird weltweit – meist in Form von „High-fructose corn syrup“ (HFCS) – vielen Nahrungsmitteln zugesetzt.


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Allgemeines

Synthetische Süßstoffe weisen eine sehr viel höhere Süßkraft auf als Haushaltszucker und sparen daher Kalorien. Sie werden daher gerne zur Vermeidung einer Gewichtszunahme, im Rahmen einer Abmagerungskur oder zur kalorienneutralen Süßung bei Diabetesdiät verwendet. Die Nahrungsmittelindustrie verwendet sie zur Süßung von Soft Drinks und vieler Lebensmittel, so von Diät-Kuchen und auch Baby-Nahrung. Diabetiker verwenden synthetische Süßstoffe zur Vermeidung freien Zuckers; sie gehen nicht in die Kalorienberechnung der Mahlzeiten und die Insulinberechnung ein, erhöhen nicht das Körpergewicht und verringern das Kariesrisiko. Für Süßstoffe sind individuelle Obergrenzen (Acceptable Daily Intake, ADI) festgelegt. Wegen ihrer hohen Süßkraft werden nur sehr geringe Mengen für einen Süßeffekt benötigt; in dieser Konzentration haben sie kaum oder keine Auswirkungen auf den Stoffwechsel des Körpers oder die Zusammensetzung der Darmbakterien. 1)Open Access Maced J Med Sci. 2018 Oct 19;6(10):1888-1894. DOI: 10.3889/oamjms.2018.336. PMID: … Continue reading 2)J Nutr Sci. 2021 Jan 25;10:e7. DOI: 10.1017/jns.2020.59. PMID: 33889390; PMCID: PMC8057368.

Einteilung

Nicht kalorisch wirkende Süßstoffe werden auch als nichtnutritiv bezeichnet. Zu ihnen gehören Aspartam, Saccharin und Acesulfam. Sie werden weiter unterteilt in künstliche, chemisch synthetisierte Süßstoffe, wie Saccharin, Aspartam und Sucralose, und in natürliche, in Pflanzen vorkommende Süßstoffe, wie Stevia-Glykoside (Stevioside), Thamatin und Monellin. 3)Open Access Maced J Med Sci. 2018 Oct 19;6(10):1888-1894. DOI: 10.3889/oamjms.2018.336. PMID: … Continue reading

Einzelne Süßstoffe

Süßstoffe der ersten Generation

Zu den schon seit langem verwendeten gehören Saccharin, Cyclamat und Aspartam. Saccharin wurde bereits 1879 als Süßstoff entdeckt; es besitzt eine etwa 300-fache Süßkraft im Vergleich zu Haushaltszucker, hat aber einen bitteren Nachgeschmack. Cyclamat wurde 1937 entdeckt. Beide Produkte wurden zunächst als sicher eingestuft; dann wurde ihnen Krebsgefahr nachgesagt, was schließlich widerlegt wurde. Aspartam wurde in den 1965 entwickelt; es hat eine 170-fach höhere Süßkraft als Haushaltszucker; ihm wurde eine gewisse Karzinogenität unterstellt, was sich für den Menschen bisher nicht belegen ließ. Während Saccharin und Cyclamat den Körper unverändert über den Urin verlassen, wird Aspartam verstoffwechselt (siehe hier).

Süßstoffe der neuen Generation

Zu ihnen gehören Acesulfam-K, Sucralose, Alitam, Dulcin, Neotam und Neohesperidindihydrochalcon. Am meisten verbreitet sind Sucralose und Acesulfame. Steviol-Glykoside sind pflanzlicher Herkunft (aus Süßkraut, Stevia rebaudiana); Steviosid macht den Hauptteil aus und ist als E960 als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen. Allerdings war laut Tierversuchen die Unbedenklichkeit anfangs umstritten. 4)Food Chem Toxicol. 2013 Jan;51:386-90. doi: 10.1016/j.fct.2012.10.016. Epub 2012 Oct 26. PMID: … Continue reading

Krebsgefahr?

In Übersichtsartikeln wird festgestellt, dass eine oft befürchtete Krebsgefahr von Süßstoffen für den Menschen nicht gesichert ist, sofern sie den „acceptable daily intake“ (ADI) nicht überschreiten. 5)Ann Oncol. 2004 Oct;15(10):1460-5

Süßstoffe und Gewichtszunahme

Süßmittel mit hoher Süßkraft und vernachlässigbarer Kalorienbelastung wurden und werden zur Kalorienreduktion in der Nahrung und zur Verhinderung einer Gewichtszunahme propagiert und eingesetzt. Zweifel an diesem Konzept stammen von epidemiologischen Studien. In ihnen wird festgestellt, dass ganz im Gegenteil der zunehmende Verbrauch an solchen künstlichen Süßstoffen nicht mit einer Abnahme, sondern mit einer Zunahme der Menschen mit Übergewicht und Adipositas korreliert. 6)Yale J Biol Med. 2010 Jun;83(2):101-8 Es steht in Diskussion, ob diese Assoziation zufällig koinzident oder kausal ist. Jedenfalls wird betont, dass die Zugabe von künstlichen Süßstoffen keinen Nutzen bezüglich einer Gewichtsabnahme oder auch nur der Verminderung einer Gewichtszunahme mit sich bringt, sofern sie nicht kombiniert wird mit einer Kalorienrestriktion. 7)Am J Clin Nutr. 2009 Jan;89(1):1-14

Ein besonderes Problem besteht in einer Verwendung von Süßmitteln bereits in der Kindheit. Sie scheinen nicht besonders geeignet zu sein, das Gewicht unter Kontrolle zu halten. Eine Erklärung besagt, dass Kinder die Kaloriendifferenz über erhöhten Appetit wett machen. Dies ist aber noch umstritten und bedarf weiterer Studien. 8)Pediatr Obes. 2019 Aug;14(8):e12521. DOI: 10.1111/ijpo.12521. Epub 2019 Apr 14. PMID: 30983091.

Süßstoffe als Umwelt-Kontaminanten

Künstliche, nicht natürliche Süßstoffe wie Cyclamat, Saccharin Acesulfam und Sucralose sind langzeitstabil und bedeuten möglicherweise ein zunehmendes Gesundheits- und Umweltrisiko, das weitere Untersuchungen erfordert. 9)Ecotoxicol Environ Saf. 2019 Apr 15;170:699-707. DOI: 10.1016/j.ecoenv.2018.12.048. Epub 2018 Dec … Continue reading Sie wurden in relativ hohen Mikrogramm-pro-Liter-Konzentrationen im Wasser von Kläranlagen nachgewiesen. Während Cyclamat und Saccharin durch die Klärbehandlung zu über 90% abgebaut werden, verlassen Acesulfam und Sucralose sie dagegen weitgehend unverändert. In zwei Zuflüssen deutscher Kläranlagen lagen die Konzentrationen für Cyclamat bei bis zu 190 Mikrogramm pro Liter, für Acesulfam und Saccharin bei etwa 40 Mikrogramm pro Liter und von Sucralose bei weniger als 1 Mikrogramm pro Liter. Die schlecht abbaubaren Süßstoffe eignen sich als Marker für die Nutzung von Klärwasser als Gebrauchs- und Trinkwasser. Im Wasser von Trinkwasseraufbereitungsanlagen wurden sie in Konzentrationen bis zu 7 und 2,4 μg pro Liter festgestellt. Weitere ökotoxikologische Untersuchungen werden gefordert, denn die globale Produktion der artifiziellen Süßstoffe beträgt bereits mehrere 100 Tonnen jährlich. 10)J Environ Public Health. 2021 Apr 14;2021:6624569. DOI: 10.1155/2021/6624569. PMID: 33936216; … Continue reading

Verweise

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).


 

Literatur

Literatur
1, 3 Open Access Maced J Med Sci. 2018 Oct 19;6(10):1888-1894. DOI: 10.3889/oamjms.2018.336. PMID: 30455769; PMCID: PMC6236052.
2 J Nutr Sci. 2021 Jan 25;10:e7. DOI: 10.1017/jns.2020.59. PMID: 33889390; PMCID: PMC8057368.
4 Food Chem Toxicol. 2013 Jan;51:386-90. doi: 10.1016/j.fct.2012.10.016. Epub 2012 Oct 26. PMID: 23103588.
5 Ann Oncol. 2004 Oct;15(10):1460-5
6 Yale J Biol Med. 2010 Jun;83(2):101-8
7 Am J Clin Nutr. 2009 Jan;89(1):1-14
8 Pediatr Obes. 2019 Aug;14(8):e12521. DOI: 10.1111/ijpo.12521. Epub 2019 Apr 14. PMID: 30983091.
9 Ecotoxicol Environ Saf. 2019 Apr 15;170:699-707. DOI: 10.1016/j.ecoenv.2018.12.048. Epub 2018 Dec 20. PMID: 30580164.
10 J Environ Public Health. 2021 Apr 14;2021:6624569. DOI: 10.1155/2021/6624569. PMID: 33936216; PMCID: PMC8060115.