Borreliose

Die Borreliose (Lyme Krankheit) ist eine durch Zecken (Ixodes ricinus) übertragene bakterielle Infektion mit Multiorganbefall und bunter Symptomatik. Haupterreger ist Borrelia burgdorferi.


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Was wichtig ist

Kurzgefasst
Die Borreliose (Lyme Krankheit) ist eine Multiorgankrankheit, die durch Borrelien ausgelöst und durch Zecken übertragen wird. Es kommt primär zu einer Hautinfektion und anschließend zur Ausbreitung im gesamten Körper.

Die Symptomatik ist bunt. Der Zeckenbiss juckt meist. Etwa nach 1-3 Wochen kann ein oft multilokuläres (an mehreren Stellen auftretendes) Erythema migrans (wandernde, scharf begrenzte Hautrötung) auftreten, zu einem Zeitpunkt, zu dem man sich oft nicht mehr an einen Zeckenbiss erinnert. Es kann danach zu einem Befall vieler Organe kommen. Je nach Verlauf und Stadium können eine Symptomatik des Bewegungsapparats (Lyme-Arthritis, Myositis), eine vielfältige neurologische Symptomatik (Neuroborreliose, Enzephalitis, Bannwarth-Syndrom) mit psychischen Alterationen und neurologischen Ausfällen oder eine Herzbeteiligung mit Rhythmusstörungen und Herzinsuffizienz (Lyme-Karditis) im Vordergrund stehen.

Die Diagnose stützt sich auf die Beobachtung eines Zeckenbisses, eine Biss-typische Hauteffloreszenz (Erythema migrans 1-3 Wochen nach Biss), eine Borreliose-verdächtige Symptomatik (s. o., häufig Arthritis, Herzrhythmusstörungen ohne Vorgeschichte) und serologische Untersuchungen (IgM-Antikörper). Ein Nachweis von Borrelien-Antikörpern im IgM-Bereich spricht für eine frische Borrelieninfektion (IgM-AK erscheinen etwa 10 Tage nach Infektion), solche im IgG-Bereich für eine schon einige Zeit zurückliegende (IgG-AK erscheinen später als IgG-AK).

Die Therapie ist stadienabhängig. Im Infektionsstadium wird eine 2- bis 3-wöchige Antibiotikatherapie (Doxicyclin, Amoxicillin und Ceftriaxon sind meist wirksam, Cefaclor nicht) durchgeführt. Für eine über 4 Wochen hinausgehende Therapie mit Antibiotika ist eine Wirksamkeit nicht erwiesen.

Entdeckung

Die Erstbeschreibung 1977 bezog sich auf Kinder in Connecticut (USA), bei denen ursprünglich die Diagnose einer juvenilen rheumatoiden Arthritis gestellt worden war, und bei denen sich dann eine Beteiligung auch anderer Organsysteme herausstellte [1] [2].

Erreger

Erreger der Lyme-Borreliose ist die Spirochäte Borrelia burgdorferi; seltener werden B. afzelii und B. garinii gefunden.

Verbreitung

Kleine Zecke, die nach einer kurzen, unbemerkten Wanderung auf der Haut eine Stelle zum Biss gefunden hat. Der Biss macht sich durch Juckreiz bemerkbar. Durch Aufsaugen des Bluts wird im Laufe der Zeit der Hinterleib groß und prall. Die Borrelien der Zecke vermehren sich in diesem Blut und gelangen dann über die Bisswunde in den Wirtskörper.

Zecken, die Borrelien übertragen können, werden überall in Deutschland gefunden, insbesondere in ländlichen Gebieten (siehe auch hier).

Stadien

Die Lyme-Borreliose durchläuft verschiedene Stadien:

  • Stadium 1 einer frühen, noch lokalisierten Hautinfektion: frühes lokalisiertes Stadium: gerötete Bisswunde, Erythema migrans, noch ohne Allgemeinsymptome. Die Hauterscheinungen sind bei etwa 80% der Lyme-Patienten eruierbar und treten innerhalb des ersten Monats nach Zeckenbiss auf. Die Inkubationszeit beträgt 3 – 30 Tage, im Mittel 7 Tage,
  • Stadium 2 einer frühen Ausbreitung: frühes disseminiertes Stadium
    • nach einigen Tagen: Erythema migrans an verschiedenen Stellen. Die Multiplizität der Erytheme zeigt an, dass sich die Borrelien über die Blutbahn ausgebreitet haben (Bakteriämie),
    • nach wenigen Wochen bis Monaten: Symptome durch Befall verschiedener Organsymptome, so z. B. kardiale Symptome (z. B. Herzrhythmusstörungen, Blockbilder im EKG) oder neurologische Symptome, Augensymptome wie Konjunctivitis (rel. häufig), Uveitis und Opticusneuropathie (mit Visusverschlechterung, seltener),
  • Stadium 3, Spätstadium, Stadium der chronischen Infektion. Es dominieren Gelenkentzündungen und neurologische Symptome. Aber auch andere Organe und Funktionssysteme können betroffen sein. Der Verlauf kann chronisch schleichend oder schubweise zu einer Verschlechterung des Gesamtbefindens mit erheblicher allgemeiner Erschöpfung und Müdigkeit führen. Häufige Befunde betreffen:
    • schmerzhafte Gelenkschwellungen (Arthritis, in etwa 60%) wechselnder Lokalisation und Ausprägung (oft Monarthritis am Knie oder Oligoarthritis, meist keine Polyarthritis), manchmal wandernde Arthralgien.
    • Lähmungserscheinungen einzelner Nerven z. B. Facialislähmung (am häufigsten), Abducenslähmung (Doppelbilder) und Polyneuropathie verschiedenster Nerven als Zeichen einer Neuroborreliose, zudem Einschränkungen der Hirnleistungsfähigkeit im Sinne einer Enzephalopathie. Durch einen Lyme-Befall des zentralen Nervensystems ein schlaganfallartiges Bild entstehen, das sich durch eine multifokale cerebrale Vaskulitis mit Blutungen und Ischämien erklärt [3] [4].
    • Hautmanifestationen: Die Acrodermatitis chronica atrophicans kann sehr verzögert, bis zu 8 Jahre nach der Infektion in Erscheinung treten. Betroffen sind häufiger Frauen über 40J. Die Hautmanifestationen werden hauptsächlich durch Borrelia afzelii hervorgerufen: sie beginnen mit bläulich-rötlicher, livider Verfärbung; später entwickelt sich eine sklerosierende Atrophie mit schuppiger dünner Haut; meist sind die Streckseiten der Extremitäten, z. B. am Unterschenkel oder auf dem Handrücken, beroffen.