Agranulozytose

Agranulozytose bedeutet fehlende Bildung spezieller weißer Blutkörperchen, der Granulozyten, im Knochenmark. Sie kann durch eine Knochenmarkskrankheit oder toxisch bedingt sein, z. B. durch Medikamente oder eine Strahleneinwirkung. Meist wird der Begriff verwendet, wenn eine toxische Reaktion auf Medikamente vorliegt.


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Medikamente als Auslöser

Medikamente, die eine Agranulozytose bewirken können, sind beispielsweise Novaminsulfon, Allopurinol, Clozapin und Chemotherapeutika. Prinzipiell kommen auch viele andere Medikamente in Betracht, so dass bei einem Absinken der Leukozytenwerte im Blut die gesamte Medikation eines Patienten überprüft werden muss. Sind innerhalb der zurückliegenden 2 Wochen neue Medikamente angesetzt worden, so sind diese als erstes als Ursache verdächtig.

Diagnostik und Differenzialdiagnostik

Eine Agranulozytose fällt als erstes im Blutbild auf, das als Übersichtsparameter häufig routinemäßig bestimmt wird.

Um eine medikamentöse Ursache wahrscheinlich zu machen, sollten folgende Erkrankungen ausgeschlossen werden: die aplastische Anämie, die PNH (paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie), eine Myelodysplasie und Leukämien.

Erforderlich ist neben dem Blutbild eine Knochenmarkuntersuchung. Sie zeigt die normozelluläres rotes Knochenmark (normale Mengen und Zelltypen), aber einen Mangel an Ausreifungsformen der Granulozyten. Die Reihe der Promyelozyten ist unterbrochen.

Folgen

Die Gefahr einer Schädigung der weißen Reihe des Knochenmarks liegt in einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen. Denn die Funktion der Granulozyten als Fress- und Abwehrzellen ist während der Phase eines völligen Granulozytenmangels erheblich gestört. Das Risiko einer lebensbedrohlichen Sepsis ist damit hoch.

Therapie

Verdächtige Medikamente müssen umgehend abgesetzt werden. Eine Breitbandantibiose zur Reduktion des Infektionsrisikos ist bei Menschen ohne Infektionszeichen nicht immer erforderlich; aber eine engmaschige klinische und laborchemische Kontrolle des Blutbilds und der Entzündungsparameter ist unumgänglich. Meist sind nur wenige Tage zu überbrücken, bis das Knochenmark die Bildung weißer Blutkörperchen wieder aufnimmt.

Verweise

 


Autor der Seite ist Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (siehe Impressum).