Hypokalzämie

Hypokalzämie (auch Hypocalcämie geschrieben) bedeutet zu niedrige Kalziumkonzentration im Blut. Von Bedeutung ist das ionisierte Kalzium, das etwa 50% des Gesamtkalziums ausmacht. Dieser Anteil wird über das Parathormon der Nebenschilddrüse und das D-Hormon fein reguliert. Der an Albumin gebundene und der komplex gebundene Anteil (z. B. an Bikarbonat, Phosphat und Citrat) Teil, die etwa 45% und 5% ausmachen, spielen für die Wirksamkeit des Kalziums im Stoffwechsel des Körpers keine entscheidende Rolle. Sie wirken sich jedoch auf das gesamte messbare Kalzium aus.

Das Gesamt-Kalzium repräsentiert bei normalen Bluteiweißen in etwa das ionisierte Kalzium, so dass seine Messung in der Routine ausreicht. Bei erniedrigter Albuminkonzentration im Blut dagegen sollte das ionisierte Kalzium getrennt gemessen werden.

Definition

Sinkt der Kalziumspiegel im Serum bei normaler Albuminkonzentration unter 2,2 mmol/l (entspricht 8,8 mg/dl), so liegt eine Hypokalzämie vor.

Wenn die Albuminkonzentration im Blut außerhalb des Normbereichs liegt, so ist das ionisierte Kalzium ausschlaggebend. Liegt es unter 1.15 mmol/l, so liegt eine funktionell bedeutsame Hypokalzämie vor.

Differenzialdiagnosen

Symptome und Folgen

Eine leichte Hypokalzämie bleibt meist lange Zeit symptomlos. Ist sie ausgeprägter, finden sich:

  • eine erhöhte muskuläre und nervale Erregbarkeit: Eine Hypokalzämie macht sich durch eine erhöhte Bereitschaft zu Zuckungen der Muskulatur, die sich über Muskelkrämpfe bis zur Tetanie steigern kann, bemerkbar. Klinisch prüft man
    • das Chvostek-Zeichen: beklopft man die Backe im ohrnahen Bereich, so zuckt der gleichseitige Mundwinkel bzw. die Gesichtsmuskulatur (Erregbarkeit des Nervus facialis),
    • das Trousseau-Zeichen: durch Abbindung der Blutzufuhr eines Unterarms kommt es zur Pfötchenstellung (Erregbarkeit der Armnerven).
  • Zeichen einer leichte Enzephalopathie bis hin zu psychotischem Verhalten, Depressionen oder einer Demenz,
  • Herzrhythmusstörungen: es kommt im EKG zu einer Verlängerung der ST-Strecke und des QT-Intervalls mit einem erhöhten Risiko für Herzrhythmusstörungen. Es kann zu Synkopen kommen,
  • Ausbildung einer Katarakt (Linsentrübung).

Diagnostik

Oft führt eine Routineuntersuchung der Elektrolyte zu eher zufälligen diagnose einer Hypokalzämie. Es folgen Untersuchungen zum Gesamt-Eiweiß und zur Albuminkonzentration im Blut. Bei normalen Werten werden i.d.R. Untersuchungen zum Parathormon und zu Vitamin D angeschlossen.

Diagnostik möglicher Risiken und Folgen

Am wichtigsten ist es, Herzrhythmusstörungen zu erkennen. Dazu dienen das EKG und das Speicher-EKG.

Therapie

Bei einer akuten nervalen Übererregbarkeit mit z. B. Tetanie werden Kalzium-Infusionen verabreicht, die relativ rasch zur Symptombesserung führen. Wenn der Patient unter einer Therapie mit Digitalis-Präparaten steht, sollte die Infusion besonders vorsichtig und unter EKG-Kontrolle erfolgen.

Bei chronischer Hypokalzämie wird meist eine orale Therapie mit Kalzium und Vitamin D eingeleitet.

Ansonsten wird die Grundkrankheit behandelt.

Verweise