Hoffnung

Hoffnung ist ein grundlegender Antrieb des Menschen. Im normalen Alltag ist sie als Empfindung meist wenig präsent; die Präsenz wächst jedoch mit der Bewusstheit einer Gefährdung für das eigene Wohlbefinden, sei die Gefährdung physischer oder psychischer Natur.


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Hoffnung und Optimismus


Die Hoffnung wird meist gleichgesetzt mit Optimismus. Beide Begriffe entsprechen einer positiven Erwartungshaltung, einer Einstellung bezüglich einer Entwicklung, sei sie im gesundheitlichen, sozialen oder finanziellen Bereich. Die Gegenspieler sind einerseits Hoffnungslosigkeit und Resignation und andererseits Pessimismus, die wiederum in etwa gleicher Bedeutung benutzt werden. Gelegentlich wird jedoch der Optimismus als etwas oberflächlicher angesehen, als lediglich auf den positiven Ausgang gerichtet, wobei die Hoffnung auch den Sinn und den Wert ihres Ziels berücksichtigt.

Bezug der Hoffnung


Hoffnungen beziehen sich

  • einerseits auf Konkretes, eine bessere Lebensgrundlage, auf mehr Geld, die Lösung eines speziellen Problems oder die Überwindung einer besonderen Situation, Besserung oder Heilung einer Krankheit, Stillen von Hunger und Durst, Linderung von Schmerzen, manchmal auch nur auf ein kurzfristiges und oberflächliches Vergnügen z.B. im Spiel, – dies sind meist vorübergehende Ausrichtungen und Ziele;
  • andererseits auch auf Immaterielles, Erfolg und Anerkennung, auch Macht, Glück und Befriedigung in einer sozialen oder persönlichen Beziehung, – dies sind meist langfristige Ausrichtungen und Ziele.

Was mit Hoffnung verknüpft ist, hängt von den Gegebenheiten ab und auch von der inneren Ausrichtung des jeweiligen Menschen, von seiner Lebenseinstellung und seinen Wertvorstellungen. Fehlen Nahrung, Kleidung und Unterkunft, so sind die Hoffnungen auf den Lebenserhalt gerichtet; Hoffnungslosigkeit führt – je nach Charakter – früher oder später zur Selbstaufgabe. Menschen mit starker innerer Festigkeit können selbst in aussichtsloser Situation anderen Menschen noch Kraft spenden. Diesen Menschen hilft die Einstellung, die Václav Havel so formuliert hat:

„Hoffnung ist eben nicht Optimismus, ist nicht Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat – ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht.“

In der Theologie spielt sie eine entscheidende Rolle, da sie das Ziel des Menschen umreißt, das die Religion vermittelt. Es treffen dort verschiedene Strömungen aufeinander: einerseits ist sie auf eine jenseitige Vollendung mit einer Befreiung von Schuld ausgerichtet (Eschatologie), andererseits wird davon ausgegangen, dass ein diesseitiger Auftrag zur Verwirklichung der in der jeweiligen Religion verankerten Werte empfunden wird, der bis zuletzt erfüllt werden soll (Beispiel aus dem Christentum: Theologie der Hoffnung).

Hoffnung in der Medizin

In der Medizin spielt Hoffnung eine entscheidende Rolle bei der Behandlung von Krankheiten. Sie vermag den Verlauf insbesondere bei langwierigen, nicht heilbaren und schmerzhaften Krankheiten positiv zu beeinflussen. Sie mobilisiert Selbstheilungskräfte. Menschen, denen man die Hoffnung raubt, verlieren den Lebensmut. Das aufklärende Gespräch bei der Übermittlung schlechter Nachrichten ist entscheidend für die psychische wie auch physische Widerstandskraft und die Lebensqualität insbesondere von Menschen mit einer unheilbaren Krankheit, und ebenso für diejenigen, die einen schweren Verlust, den eines anderen Menschen, einer zwischenmenschlichen engen Beziehung oder von Haus und Hof, zu bewältigen haben.

Hoffnung und Selbstheilungskräfte

Um Hoffnung wissenschaftlich zu bewerten, wird meist eine formularbasierte Befragung zur Quantifizierung eingesetzt. Sie differenziert und verwendet beispielsweise Aussagen zu „Vertrauen“, „sozialen Beziehungen“, „positiver Zukunftsorientierung“ und „Perspektivlosigkeit“ [1].

Häufig werden Indices wie der Herth Hope Index (HHI) verwendet, der in verschiedenen Ländern an die kulturellen Besonderheiten adaptiert wurde [2][3][4][5]. Hoffnung wird hier als eine dynamische innere Befähigung definiert, die es ermöglicht, die gegenwärtige Situation von einem höheren Standpunkt aus zu betrachten und ein positives neues Bewusstsein zu generieren. Es werden für die Beurteilung der Hoffnungsstärke (in einem numerischen Index) die Hoffnung fördernde und sie behindernde Kategorien berücksichtigt [6]. Die Antworten werden in verschiedenen Graden zwischen „trifft voll zu“ und „trifft gar nicht zu“ eingeteilt.

  • Der Herth Hope Index ist geeignet zur Verfolgung des Gesundungsprozesses von psychisch Kranken und zum Verständnis der Funktion der Hoffnung in Bezug auf Gesundungsprozesse allgemein [7].
  • In einer norwegischen Studie wird festgestellt, dass die Ausprägung der Hoffnung bei Menschen mit Tumorschmerzen etwas höher ist, als die bei der Normalbevölkerung [8].
  • Ganz entsprechend wurde festgestellt, dass der Hoffnungs-Index bei Frauen mit Brustkrebs, die unter Müdigkeit litten, deutlich höher war als der der Normalbevölkerung. Verheiratete Patientinnen und solche mit einer festen persönlichen Bindung hatten einen deutlich höheren Hope-Score [9].
  • COPD-Kranke, die an einem Atemtraining in Gruppen teilnahmen, zeigten eine recht gute Korrelation von Hoffnung (nach HHI) und Selbstpflege: hoffnungsvolle Erwartung fördert Selbstpflege[10].
  • Oft wird bei einer Aufklärung bei einer schwerwiegenden Erkrankung über den tatsächlichen Befund Wesentliches vorenthalten, „um Hoffnung nicht zu nehmen“. Es zeigt sich jedoch in einer amerikanischen Studie, dass die Hoffnung bei Krebspatienten aufrecht erhalten werden kann, wenn die Aufklärung wahrheitsgemäß erfolgt [11]. Optimismus ist nicht unbedingt besser als Realismus.
  • Teilnehmer einer Studie an Menschen, die lange Zeit in eine persönliche Betreuung anderer Menschen eingebunden sind (Continuing Care Assistants), teilten in einer Studie mit, dass ihnen Glauben, persönliche Beziehungen, ihr Engagement, anderen zu helfen, und positives Denken dabei halfen, Hoffnung zu haben, was einen positiven Einfluss auf ihre Zufriedenheit bei der Arbeit bewirkte [12].
  • Die immer wieder beschriebene Assoziation von Hoffnung mit körperlicher Abwehrkraft hat eine biologische Grundlage: Patienten mit Hoffnung auf Therapieerfolg weisen einen signifikant höheren Anteil an CD8(+) T-Zellen und einen signifikant geringeren Anteil an CD4(+) T-Zellen sowie CD19(+) B-Zellen auf verglichen mit Patienten ohne solch eine Hoffnung. (Erklärung: Die T- und B-Zellen (T- bzw. B-Lymphozyten) sind entscheidend an der Immunreaktion der Körpers beteiligt; CD4-positive Lymphozyten werden als T-Helferzellen, CD8-positive Lymphozyten als T-Suppressorzellen oder T-Killerzellen bezeichnet) [13]. Die Beeinflussung des Immunsystems durch Gemütsbewegungen wie Hoffnung und Optimismus bzw. Hoffnungslosigkeit und Selbstaufgabe ist ein neues Forschungsfeld, das speziell in der Onkologie und der Palliativmedizin eine große Bedeutung erhält.

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Verweise

 

Literatur

  1. ? Health Expect. 2010 Dec 2. doi: 10.1111/j.1369-7625.2010.00645.x. [Epub ahead of print]
  2. ? J Adv Nurs. 1993 Apr;18(4):538-48
  3. ? Scand J Caring Sci. 2003 Dec;17(4):409-15
  4. ? Palliat Support Care. 2004 Sep;2(3):255-63
  5. ? Scand J Caring Sci. 2010 Dec;24 Suppl 1:67-74
  6. ? J Adv Nurs. 1993 Apr;18(4):538-48
  7. ? Scand J Caring Sci. 2010 Dec;24 Suppl 1:67-74
  8. ? Palliat Support Care. 2008 Dec;6(4):327-34
  9. ? Palliat Support Care. 2011 Mar;9(1):63-72
  10. ? Appl Nurs Res. 2008 Nov;21(4):212-7
  11. ? Oncology (Williston Park). 2010 May;24(6):521-5
  12. ? J Adv Nurs. 2009 Nov;65(11):2376-85
  13. ? Gen Hosp Psychiatry. 2011 Jul-Aug;33(4):371-6